Homöopathie hilft gegen Schmerzen

Schmerzmittel sind wichtige Instrumente medizinischer Hilfe. Gleichzeitig stellen der grassierende Missbrauch und epidemische Suchtphänomene unseren Umgang mit Schmerzmitteln in Frage.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa rund 150 Millionen Packungen unterschiedlichster Schmerzmittel verkauft, rund 70 Prozent davon (106 Millionen Packungen) ohne Rezept direkt in den Apotheken. Oftmals werden diese auch von Patienten zusätzlich zu den ihnen von ihren Ärzten bereits verordneten Schmerzmitteln gekauft. Die Schmerztherapie in Deutschland wird damit dominiert von Analgetika der Selbstmedikation. Diese in Deutschland immens hohe Rate der selbst verordneten Pillen sei weltweit nahezu einmalig, so der Pharmakologe Gerd Glaeske, Autor des Nachschlagewerks „Bittere Pillen“. Er kritisiert:

„In Deutschland schlucken die Menschen zu oft, zu viel und zu lange vor allem selbst gekaufte Schmerzmittel.“

Damit riskieren sie nicht nur lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Magenbluten, Leber- und Nierenversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sie kaschieren auch eine Botschaft ihres Körpers: „Schmerz ist immer ein Signal“, warnt der an der Universität Bremen forschende Professor. So können Schmerzen auf eine schwerwiegende Erkrankung wie beispielsweise einen Tumor hinweisen. Ganz gleich, ob mit oder ohne ärztliche Begleitung, wird seiner Meinung nach Schmerz viel zu oft einfach wegbehandelt, ohne nach den Ursachen zu suchen.

Cornelia Bajic, 1. Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), sagt:

“Aus Sicht der Homöopathie ist die Einnahme von Schmerzmitteln in erster Linie eine Symptomunterdrückung, die dem Patienten keine Heilung bringt und der Chronifizierung von Schmerzen Vorschub leistet. Homöopathie hilft gegen Schmerzen: sanft und nebenwirkungsfrei erhöht sie die Lebensqualität der Betroffenen und verringert das Leiden. Studien zeigen: Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, haben klinisch relevante Verbesserungen.”

Der Ansatz der Homöopathie

Die Verschreibung von Arzneimitteln in der Homöopathie erfolgt entsprechend der individuellen Ausprägung der Symptome eines Patienten. Das unterscheidet homöopathische Arzneimittel grundsätzlich von konventionellen Arzneien. Das richtige homöopathische Mittel für einen Patienten wird in der Anamnese, dem Erstgespräch gefunden. Der homöopathische Arzt nimmt sich beim Erstgespräch viel Zeit. Er hört zu, beobachtet, stellt Fragen und analysiert auch nach den Regeln der konventionellen Medizin. „Ist das Bild der Krankheit genau aufgezeichnet, so ist auch die schwerste Arbeit geschehen.“, so schrieb es sinngemäß der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann. Der homöopathische Arzt nimmt sich mindestens eine oder auch mehrere Stunden Zeit für das Erstgespräch, um den krankmachenden Ursachen und Zusammenhängen in einem komplexen Wechselspiel zwischen Umwelt und Innen-Welt jedes einzelnen Patienten auf die Spur zu kommen. Medizin und unser Begriff von Krankheit und Gesundheit gründen auf einem komplexen und multifaktoriellen Wechselspiel chemischer, physischer, biologischer und psychologischer Faktoren, die dazu das Feld der Sozialwissenschaften nicht ausklammern darf. Die Homöopathie kann der konventionellen Medizin dabei helfen, diese Komplexität in den Blick zu nehmen. Der moderne Medizinbetrieb hat hingegen, geblendet von der Vielzahl modernster technischer Diagnosemöglichkeiten, die Suche nach dem eigentlichen individuellen Grund von Krankwerden und Kranksein immer weiter an den Rand seiner Bemühungen gerückt.

Schmerzen aus Perspektive der ärztlichen Homöopathie

Dr. med. Klaus Zak

Dr. med. Klaus Zak, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und homöopathischer Arzt erläutert die Herangehensweise der ärztlichen Homöopathie in der Schmerztherapie und wie sich das Vorgehen eines homöopathischen Arztes gegenüber dem eines konventionellen Mediziners bei der Behandlung eines Schmerzpatienten unterscheiden:

„Es gilt bei fast jeder chronischen Schmerzkrankheit, dass sie Folgendes erfordert: erstens die medizinisch korrekte Behandlung nach der evidenzbasierten Medizin, zweitens eine osteopathische Behandlung, da die chronische Schmerzkrankheit den Körper betrifft. Und drittens die Homöopathie, die auch die geistige und psychische Ebene des Patienten mit einschließt.“

Der Stand der Forschung zur Homöopathie in der Schmerztherapie

Die bisherige Forschung konzentriert sich auf die ärztlich ausgeführte Homöopathie, welche in Deutschland durch den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) mit seinen über 7.000 approbierten Ärztinnen und Ärzten repräsentiert wird. Studien zeigen, dass vorwiegend Patienten mit langbestehenden chronischen Erkrankungen behandelt werden. Die bislang größte Studie zur Homöopathie aus der Versorgungsforschung ist eine prospektive Beobachtungsstudie über 8 Jahre mit 3981 Patienten. Diese Studie wurde an der Universitätsklinik Charité in Berlin in Praxen von über 100 klassisch homöopathisch arbeitenden Ärzten durchgeführt. Die Studien aus der Versorgungsforschung zeigen in der Summe ein erstaunlich einheitliches Bild: Patienten, die sich homöopathische behandeln lassen haben klinisch relevante Verbesserungen. Jedoch: Ein pharmakologischer oder physikalischer Wirkmechanismus für homöopathische Arzneien ist bis heute nicht bekannt. Aus den Daten geht hervor, dass die Homöopathie als Therapiesystem in der Praxis klinisch relevante Effekte erbringt, unklar ist nur, woran das liegt.

Die Daten aus der Versorgungsforschung zeigen, dass Homöopathie einen Effekt hat, der mit der konventionellen Medizin vergleichbar ist. Beide Therapiesysteme führen zu ähnlichen Kosten: Die Homöopathie durch Gesprächszeit, die konventionelle Medizin durch Medikamentenkosten.

Links zu Studien:

Studie zur Wirkung homöopathischer Therapien bei Migräne
Studie zur Wirkung homöopathischer Therapien bei chronischen Kopfschmerzen
Studie zur Wirkung homöopathischer Therapien bei chronischen Rückenschmerzen
Studie zur Wirkung homöopathischer Therapien bei Regelschmerzen
Weiterführende Links zur Studienlage zur Homöopathie finden Sie hier und hier.

Schmerzmittel sind wichtige Instrumente medizinischer Hilfe

Für Menschen mit Krankheiten wie Krebs sind solche Mittel ein Segen. Die Qual wird so zumindest etwas reduziert. Doch 90 Prozent der Opioide werden mittlerweile bei Nichttumorpatienten angewendet. Und Schmerzmittel haben neben ihren erwünschten auch immer unerwünschte Wirkungen. Die Schmerzmittelabhängigkeit und der Schmerzmittelmissbrauch sind dabei besonders problematisch. Wie auch die Probleme der konstanten Mehrfachmedikation, die in einer alternden Gesellschaft mit einer zunehmenden Zahl von chronisch kranken Menschen zunehmend Alltag wird. Der Boden der evidenzbasierten Medizin wird bei Mehrfachmedikationen schnell verlassen. Denn für Wirkungen und Wechselwirkungen bei der Einnahme mehrerer Arzneimittel gibt es kaum Studien. Ein erhebliches Risiko für den Patienten, das von Ärzten kaum thematisiert wird. Statistisch konkret heißt das: Die Zahl möglicher Wechselwirkungen steigt im Verhältnis zur Anzahl der parallel angewandten Arzneimittel etwa exponentiell.

Schmerzmittel können süchtig machen

In Deutschland sind insgesamt 1,2–1,5 Millionen Menschen abhängig von Arzneimitteln, manche Experten sprechen sogar von 1,9 Millionen. Diese Zahlen stammen aus dem Jahrbuch Sucht 2017, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen im Frühjahr 2017 veröffentlicht hat. Von Arzneimittelabhängigkeit sind demnach insbesondere Frauen im höheren Lebensalter betroffen. Grundsätzlich bedenklich sei laut Jahrbuch Sucht, dass auch immer mehr besonders stark wirkende Schmerzmittel verschrieben würden. Auch in Fällen, in denen sie nicht notwendig sind.

Informationsfilm: chronische Schmerzen — http://schmerzliga.de

Schmerzmittel sorgen für chronische Skandale

In Deutschland sind schätzungsweise 300.000 Menschen von Opioiden abhängig, in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits mehr als zwei Millionen. Jeden Tag sterben dort rund 80 Menschen an einer Überdosis; die allermeisten in der Anonymität, manche im Scheinwerferlicht der Medienwelt, wie zuletzt der Sänger Prince oder davor Michael Jackson. Was bei ihnen extrem endete, ist gleichzeitig Teil eines viel größeren Phänomens, was ein Blick auf die Liste der Skandale der Hersteller samt angehängter Industrie verdeutlicht.

Auch aktuelle Studienergebnisse geben verstärkt Anlass zur Sorge. Erst jüngst sorgte eine Studie von 2016, die im Forschungszentrum CREAL in Barcelona durchgeführt wurde, für große Aufregung: Wissenschaftler vermuten, dass das am häufigsten verschriebene Schmerzmittel Paracetamol bei der Einnahme während der Schwangerschaft zu schweren Schäden bei ungeborenen Kindern führen kann. Zusätzlich zu den Auswirkungen auf ungeborene Kinder, Leber und Niere belegte wenig später eine US-Studie, dass Frauen, die häufiger als zweimal pro Woche Schmerztabletten einnehmen, ein erhöhtes Risiko für einen Hörverlust haben.

Eine dänische Studie von 2017 belegte, dass häufig verwendete schmerzlindernde Arzneistoffe wie Ibuprofen und Diclofenac in Einzelfällen schwere Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben können. „Indem man zulässt, dass diese Mittel ohne Rezept gekauft werden können, und ohne Rat oder Einschränkungen, vermittelt man der Öffentlichkeit den Eindruck, dass sie sicher sein müssen“, sagte Gunnar Gislason, Kardiologe am Universitätskrankenhaus in Gentofte.

Forscher der wichtigsten Schweizer Institution für wissenschaftliche Forschung, dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF), bringen es in ihrer aktuellen Analyse auf den Punkt:

„Wer regelmäßig Schmerzmittel einnimmt, setzt sich oft dem erhöhten Risiko aus, einen Herz- oder Hirninfarkt zu erleiden.“

Ausgerechnet viele der rezeptfreien Schmerzmittel erhöhen das Herzinfarktrisiko um das Vierfache. Die Ergebnisse des SNF beruhen auf der weltweit umfangreichsten Meta-Analyse von klinischen Studien zu diesem Thema und gelten als wissenschaftlich unanfechtbar. Eine ganze Reihe von nicht-steroidalen Entzündungshemmern, also Schmerzmitteln mit gleichzeitig fiebersenkender und entzündungshemmender Wirkung, bergen laut SNF tödliche Risiken. Zu diesen Medikamenten gehören beispielsweise Ibuprofen oder Naproxen. Alle untersuchten Medikamente sind laut SNF “mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt oder Hirninfarkt verbunden”.

Fehlentwicklung: Schmerzmittel als Schmierstoff gegen Stillstand

Gerade in Ländern, deren Wohlstand auf Effizienz und Leistung basiert, scheinen Schmerzmittel unverzichtbar: Australien, Frankreich, Kanada, Belgien. Hier schlucken die Menschen die meisten rezeptfreien Schmerzmittel. Industrien, in denen Schmerz auch Stillstand bedeutet. Weltweit wurden im vergangenen Jahr rund 56 Milliarden Dollar für Medikamente ausgegeben, die das Schmerzempfinden lahmlegen und Menschen wieder einsatzfähig machen sollen.

Das große Bild ist niederschmetternd: Die westliche Leistungsgesellschaft läuft nur noch mit dem Schmierstoff Schmerzmittel rund, und das auch noch mit dramatischen Kollateralschäden. Die Gesundheitsindustrie hat in den Schmerzmitteln ein Wundermittel zumindest für ihre Bilanzen entdeckt, sie bringen ordentliche Margen — und schüren bei Patienten die Hoffnung, immer verfügbar zu sein. Die gesetzlichen Krankenkassen gaben im vergangenen Jahr rund 1,8 Milliarden Euro für Schmerzmittel aus. Im Vergleich dazu erstatteten die Krankenkassen im Jahr 2015 insgesamt 13,9 Millionen für Homöopathika im Rahmen der freiwilligen Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen an Versicherte.

Hinweis: Homöopathischer Weltärztekongress

Vom 14.-17. Juni 2017 findet in Leipzig der 72. Homöopathische Weltärztekongress (LMHI-Kongress) statt. Thema des Kongresses ist die wissenschaftliche und therapeutische Vernetzung der Homöopathie mit anderen ärztlichen Disziplinen und Fachgesellschaften, unter anderem mit dem Ziel, Patienten mit Mehrfachdiagnosen oder schweren chronischen Erkrankungen leichter individuelle Therapiemöglichkeiten bereitstellen zu können. Das wissenschaftliche Programm des Kongresses umfasst neben vielen Themen auch Vorträge zum Thema Schmerztherapie. Am Freitag, den 16. Juni werden speziell dazu im großen Saal der Kongresshalle Leipzig im Rahmen des Dialogforums folgende vier Programmpunkte stattfinden:

  • Schmerzbehandlung mit Homöopathie bei deformierenden Formen von seronegativer, seropositiver Arthritis und Osteoarthritis. Von Radhika Tonsey, Indien.
  • Homöopathie als Palliativbehandlung bei chronischer Arthritis mit Deformitäten. Leena Chhatre, Indien.
  • Chronisch unspezifischer Rückenschmerz — eine „schwierige“ Krankheit? Von Anke Scheer, Deutschland
  • Multimodale Schmerztherapie in der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf. Von Jens D. Rollnik, Deutschland

Näheres entnehmen Sie bitte dem detaillierten Kongressprogramm. Für Rückfragen zu den einzelnen Themen stehen wir gerne zur Verfügung.