Homöopathie in der Kinderheilkunde

Zum Wohle der Kinder gehen homöopathische und konventionelle Medizin Hand in Hand. Zum Beispiel am Dr. von Hauner´schen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München

Eine begleitende homöopathische Behandlung erfolgt seit langem auf verschiedenen Stationen des Kinderspitals der LMU München und wird etwa in der der Neugeborenenmedizin, bei krebskranken Kindern, in der Intensivstation oder in der Kinderkardiologie mit ihrer notwendigen High-Tech-Medizin eingesetzt. Besonders bewährt hat sich die Homöopathie auch bei ambulanten Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Muskelzuckungen, Migräne, therapieresistenter Epilepsie, in der Entwicklungsneurologie bei behinderten Kindern, in der Allergologie bei Kindern mit Neurodermitis und Asthma bronchiale.

Bei den stationär behandelten krebskranken Kindern hat sich eine begleitende homöopathische Therapie zum Abfangen der Nebenwirkungen der Chemotherapie und der Bestrahlung zur Verbesserung der Lebensqualität der Kinder bewährt. Auch in der Chirurgie zieht man bei Wundheilungsstörungen, Verbrennungen, Ängsten der Kinder oder postoperativem Harnverhalt regelmäßig die Homöopathie hinzu.

Ergänzendes Miteinander

Seit dem Start des Bereichs Homöopathie an der LMU München im Jahr 1995 ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und ein ergänzendes Miteinander von homöopathischer und konventioneller Medizin stetig gewachsen.

Dr. med. Sigrid Kruse

Dr. med. Sigrid Kruse, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, arbeitet seit über 20 Jahren als Leiterin des Bereichs Homöopathie am renommierten Kinderkrankenhaus. Sie sagt rückblickend:

“Von vorne herein wurden begleitende homöopathische Behandlungen von schwer erkrankten Kindern begonnen, bei denen die konventionellen Therapiemöglichkeiten in der Universitätsklinik München unbefriedigend waren — also ein Therapienotstand vorlag. Die schnell sichtbaren Therapieerfolge bei einzelnen Kindern haben in der Klinik entscheidend zum Vertrauen in diese Methode beigetragen: Hier ließ sich unter klinischen Bedingungen veranschaulichen, dass die Homöopathie wirkt. Diese Erlebnisse können im Klinikalltag oft mehr überzeugen als viele Studien.”

Pro Jahr werden nun in München etwa 1000 Patienten homöopathisch behandelt, ca. 500 stationär und 500 ambulant, meist begleitend zur konventionellen Therapie. Die Zahl der Konsultationen liegt deutlich höher, da viele Patienten mehrfach behandelt werden.

Vorbild für viele Kinderkliniken

Und die angesehene Kinderklinik ist nicht die einzige Universitätsklinik, die die Homöopathie in den Klinikalltag integriert hat und wissenschaftliche Studien durchführt. Unter anderem wurde 2015 das Projekt „Integrative Pädiatrie“ an drei Kinderkliniken in Deutschland gestartet: in München, Landshut und Essen. Die integrative Medizin umfasst den State of the Art der konventionellen Medizin, erweitert um evidenzbasierte komplementäre Methoden wie die Homöopathie. Ein wichtiges Ziel des Projekts „Integrative Pädiatrie“ ist es, herauszufinden, welche Methoden für Kinder effektiv, sicher und kindgerecht sind. Bisher sind die Ergebnisse vielversprechend.

Dr. med. Sigrid Kruse über die Anwendung der Homöopathie bei Kindern in einem Video Interview der Carstens-Stiftung

80% der Eltern wünschen komplementäre homöopathische Behandlung

Weitere Kinderkliniken reagieren mittlerweile auf das große Interesse der Eltern der kleinen Patienten. Eine Untersuchung an der Kinderklinik Landshut ergab etwa, dass 80% der Eltern sich für ihr Kind eine komplementäre homöopathische Behandlung wünschen, wenn sie danach gefragt werden. Homöopathie ist die am häufigsten angefragte komplementäre Methode in Deutschland, besonders bei Kindern, wie sich schon in verschiedenen Umfragen gezeigt hat. Auch in verwandten Bereichen ist die Homöopathie eine etablierte Begleitung konventioneller Verfahren: So bieten 93,4 Prozent der geburtshilflichen Abteilungen den werdenden Müttern homöopathische Globuli an, so das Ergebnis einer Umfrage in Deutschland.

Erfolgreich auch in anderen Städten: Auf welchem Stand die Forschungslage zur Pädiatrie allgemein und zur integrativen Pädiatrie im speziellen ist, illustriert das folgende Video. Im Interview beschreibt Dr. Holger Cramer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte, welche Besonderheiten sich aus dem Umgang mit Kindern für das Studiendesign ergeben.

Erfolge auch bei genetischen Erkrankungen

Im Rahmen der Forschungsarbeit führte Dr. med. Sigrid Kruse eine Beobachtungsstudie zum Einsatz der Homöopathie bei Kindern mit der genetischen Erkrankung Prager-Willi-Syndrom durch. Dieses Syndrom ist eine genetische Störung aufgrund einer Mikrodeletion am Chromosom 15. Es ist klinisch charakterisiert durch die Trias Zwergwuchs, Adipositas und Oligophrenie.

Das Prader-Willi-Syndrom wurde aufgrund guter Behandlungserfolge bei entwicklungsretardierten Kindern zur Durchführung einer Beobachtungsstudie ausgewählt. Ergebnisse waren unter anderem, dass das Prader-Willi-Syndrom als Krankheit nicht so homogen ist, wie es in der Literatur beschrieben wird. Unter homöopathischer Therapie verbesserten sich 17 von 20 Kindern in verschiedenen Bereichen. Die besten Ergebnisse konnten nach Gabe von Calcium carbonicum in hoher Potenz und später als Q-Potenzen über einen längeren Zeitraum erzielt werden. Dadurch konnte die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die individuelle Einzelmittelhomöopathie gute Ergebnisse bei Kindern mit Prader-Willi-Syndrom als einer beispielhaften genetischen Erkrankung erzielt.

Hinweis: Homöopathischer Weltärztekongress

  • Der erste Vortrag von Dr. med. Sigrid Kruse auf dem Homöopathischen Weltärztekongress wird von den Ergebnissen einer Beobachtungsstudie bei Kindern mit der genetischen Erkrankung Prader-Willi-Syndrom handeln.
  • Den zweiten Vortrag hält Dr. med. Sigrid Kruse gemeinsam mit Dr. med. Annette Schönauer über die Rolle der Homöopathie in dem Projekt „Integrative Pädiatrie“ an den Kinderkliniken München und Landshut.
  • Ein dritter Vortrag von Dr. Kruse behandelt die Homöopathie in der Lehre und Didaktik.

Weitere Vorträge zur Homöopathie in der Kinderheilkunde auf dem Kongress:

  • Kinder mit Prader-Willi-Syndrom: erkennen, diagnostizieren, therapieren. Von Heinrich Schmidt.
  • Homöopathische Behandlung des kindlichen Autismus in einem psychosozialen Zentrum. Von Maria Solange Gosik aus Brasilien.
  • Das Asperger-Syndrom — eine homöopathische Herausforderung. Von Heiner Frei aus der Schweiz.
  • Tipps und Tricks bei der Behandlung von kritischen Frühgeborenen (< 30. SSW) auf der Intensivstation / Neonatologie und wie wir als Homöopathen die Lebensfunktionen (Über-/Lebenskraft) und das Gedeihen gezielt stärken können. Von Juergen Ivanis aus Österreich.
  • Homöopathie in der Allergologie — von den Anfängen bis zur Gegenwart. Von Christian Lucae.
  • Allergische Diathese in der Praxis einer homöopathischen Kinderärztin. Von Mira Dorcsi-Ulrich.

Näheres entnehmen Sie bitte dem detaillierten Kongressprogramm. Für Rückfragen zu den einzelnen Themen stehen wir gerne zur Verfügung.