Internationale Forschungsabkommen auf dem 72. Homöopathischen Weltärztekongress unterzeichnet

Die 120köpfige indische Delegation auf dem Leipziger Weltkongress repräsentiert das globale Zentrum der Homöopathie

Vom 14.-17. Juni 2017 findet in Leipzig der 72. Homöopathische Weltärztekongress (LMHI-Kongress) statt. Thema des Kongresses ist die wissenschaftliche und therapeutische Vernetzung der Homöopathie mit anderen ärztlichen Disziplinen und Fachgesellschaften. Unter Beteiligung des indischen Gesundheitsministeriums, des führenden indischen Forschungsinstituts, der deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) und dem Institut für die Geschichte der Medizin (IGM) der Robert-Bosch-Stiftung wurden verschiedene Forschungsabkommen unterzeichnet.

Veranstalter des Kongresses ist der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), der über 7.000 staatlich approbierte Ärzte in Deutschland repräsentiert. Angereist sind über 1.300 Ärzte aus über 50 Nationen. Darunter auch eine 120-köpfige Delegation aus Indien, dem Land, das sich heute als globales Zentrum der Homöopathie bezeichnen darf. Gesundheitspolitisch ist die Homöopathie in Indien anerkannt und historisch etabliert. Institutionell ist sie mit einem eigenem Ministerium verankert. Die Homöopathie wird an fast 200 staatlichen Medizinschulen gelehrt und ist dazu mit einem eigenen staatlichen Forschungsrat ausgestattet. In Indien ist etwa jeder sechste Arzt Homöopath und die selbstverständliche Eingliederung der Homöopathie in die allgemeine Gesundheitsversorgung kann in Indien sogar den Eindruck erwecken, sie wäre ein genuin indisches Medizinsystem.

Homöopathieforschung in internationaler Kooperation

Indiens führendes Forschungsinstitut ist das Central Council of Research in Homoeopathy (CCRH). Es betreibt seine Forschung mit dem Ziel, die Studienergebnisse über Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie effektiv in die homöopathische Praxis einzubringen. Zunehmend findet diese Forschung international vernetzt in Kooperation mit anderen international renommierten Forschungsinstituten aus England, Kanada oder Mexiko statt.

Bei ihrem Weltkongress streben homöopathische Ärzte nach professioneller Vernetzung. Gegner sprechen ihnen dagegen die Wissenschaftlichkeit ab.
Tagesthemen vom 14. Juni 2017

Im Rahmen des LMHI-Kongresses in Leipzig hat das CCRH nun seine internationalen Aktivitäten um Kooperationsvereinbarungen mit den beiden deutschen Forschungsinstituten WissHom und IGM erweitert. Das spiegelt auch die Entwicklung der ärztlichen Homöopathie in Deutschland wieder, die sich mit der Entwicklung klinischer Studien und Grundlagenforschung um wissenschaftliche Tiefe bemüht. Homöopathische Ärzte stellen konventionelle Medizin und Homöopathie nicht in einen Widerspruch, sondern praktizieren ein Miteinander der Methoden, genau dafür sind sie ordentlich approbierte Ärzte mit einer Zusatzausbildung in Homöopathie. Grundlage der Homöopathie ist es nicht, konventionelle Pharmakologie zu verteufeln und damit dem Patienten eventuell hilfreiche Therapieformen vorzuenthalten. So arbeiten die durch den DZVhÄ repräsentierten Ärztinnen und Ärzte auch in Universitätskliniken im Verein mit einer modernen Hightech Medizin und unter deren prüfendem Schlaglicht.

Kooperation mit der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie

In einer umfassenden Absichtserklärung haben das indische CCRH und die WissHom vereinbart, gemeinsam klinische Forschung in Bereichen von beiderseitigem Interesse zu betreiben und verschiedene Studien auf dem Gebiet der Grundlagenforschung zu replizieren. Geplant sind die Beteiligung an internationalen Forschungsprojekten, an Metaanalysen und an randomisierten multizentrischen Studien. Die Vereinbarung soll darüber hinaus den Austausch von Informationen, Dokumentationen und wissenschaftlichen Publikationen erleichtern. Ebenfalls geplant sind gemeinsame Konferenzen, Seminare, Workshops und Symposien sowie der Austausch von Experten für die ärztliche Aus- und Weiterbildung, sowie von Wissenschaftlern, professionellem Lehrpersonal und Studenten.

Wappen des AYUSH Ministeriums von Indien.

Ein weiteres mit dem IGM unterzeichnetes Abkommen sieht den Aufbau eines AYUSH-Museums in Indien vor. Dieses einzigartige Museum soll die historische Bedeutung der Homöopathie in Indien aufzeigen. Das AYUSH-Ministerium ist das indische Gesundheitsministerium, das die fünf traditionellen indischen Medizinrichtungen zusammenfasst, zu denen in Indien die Homöopathie gezählt wird (Ayurveda, Yoga, Unani, Sidda, Homeopathy).

Hintergrundinformationen zu Indien

Indien ist einer der fünf BRICS-Staaten und gilt als ein Zukunftsmarkt mit hohem Wirtschaftswachstum und Investitionspotential. Als größter Generikahersteller weltweit wächst Indiens Bedeutung zudem hinsichtlich der medizinischen Versorgung in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern. Auf dem heimischen Binnenmarkt bleiben die Versorgungsbedürfnisse jedoch unausgeglichen und städtisch konzentriert. Bei einer Bevölkerung von über 1 Milliarde Menschen, von denen noch vor 10 Jahren rund 836 Millionen in Armut lebten, ergibt sich ein sehr heterogenes Bild der Gesundheitsversorgung. Die regionale Diversität reicht vom Bundesstaat Kerala, dessen Gesundheitsindikatoren auf dem Niveau entwickelter Industriestaaten liegen, bis zu Regionen, in denen es noch tiefste Armut gibt.

Quelle: Wikipedia

In Indien besteht bislang kein verfassungsmäßig festgeschriebenes Recht auf Gesundheit, wenngleich der staatliche 11. Fünfjahresplan, der den Zeitraum von 2007 bis 2012 abdeckte, dies erstmalig explizit als Zielvorgabe der Planperiode aufgreift. Gesundheit als Grundrecht aller Bürger ist das Ziel, heißt es dort.

Die Bevölkerung ist sehr jung. Die Zahl der arbeitsfähigen Menschen in Indien wird sich in den nächsten zwanzig Jahren um 40 Prozent erhöhen, haben UN-Studien ergeben. Trotz wirtschaftlich imposanter Entwicklungen belegte Indien im Human Development Index (HDI) im Jahr 2007 lediglich Platz 134 von 182. Das Land konnte sich zwar in der Statistik des HDI im Jahr 2010 um 15 Plätze auf Rang 119 von 169 verbessern, für das Jahr 2012 verschlechterten sich die Ergebnisse jedoch erneut und Indien fiel zurück auf Rang 134. Dadurch befand sich das Land in unmittelbarer Nähe zu Staaten wie Kenia oder Ghana, konnte jedoch eine Verbesserung auf Rang 130 im HDI 2015 verzeichnen.

Kulturelle Unterschiede auf dem Kongress

Die große Verehrung, welche die Teilnehmer der indischen Delegation im Rahmen des Kongressprogramms für den Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, an den Tag legen, ist gleichfalls für manchen westlichen Kongressteilnehmer ungewöhnlich. Die Emotionalität und der Enthusiasmus der indischen Delegation steht in Kontrast zu den eher akademischen Diskussionen der 700 am Kongress teilnehmenden deutschen Ärzte. Aber der fruchtbare Austausch unter den teilnehmenden Ärzten aus insgesamt über 50 Nationen ist Teil des Kongress-Programms: Vernetzung und Pluralität der Methoden.