7 Dinge, die ich über WhatsApp-Journalismus gelernt habe

Wie wir mit Politik-Berichterstattung ein junges Publikum erreicht haben und warum wir uns manchmal wie Outlaws gefühlt haben

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Die Postkarten von shotty / Foto: Stephanie Schreier

Im Juni 2017 habe ich zusammen mit meinem Jahrgang an der Axel Springer Akademie das WhatsApp-Format “shotty” entwickelt. Das Ziel: Politik-Berichterstattung für Erstwähler machen, die Jugendliche wirklich interessiert. Via WhatsApp wollten wir sie da abholen, wo sie online die meiste Zeit verbringen.

Das Making-Of von shotty

Diese sieben Dinge haben wir bei der Entwicklung von shotty gelernt:

1. WhatsApp ist der Wilde Westen unter den Social Media-Apps

Zudem mussten wir einiges an Kreativität aufbringen, um das Community Management zu stemmen. Wir haben uns von Anfang an gegen den Chatbot “WhatsBroadcast” entschieden, da er viele WhatsApp-Funktionen nicht unterstützt. Dafür mussten wir mehr Zeit in die An- und Abmeldung der Nutzer investieren. Manuell haben wir jeden Kontakt eingespeichert und gelöscht. Dabei ging uns trotz aller Sorgfalt der ein oder andere verloren. Ein paar Nutzer haben sich darüber beschwert, doch die meisten ließen sich davon nicht abschrecken.

2. Handynummern zu bekommen ist einfacher als im Nachtclub

Diese Sorge hat sich nicht bestätigt. Innerhalb der ersten drei Tage haben sich 2000 Menschen bei shotty angemeldet. Am Ende der Projektwoche waren es insgesamt 2500.

Und das, obwohl wir so gut wie kein Werbebudget hatten. Sogar die BBC hatte von unserem Projekt gehört.

3. No pictures, please

Mit einer Ausnahme: Wenn man Bilder als Service versteht und der User sie wie eine Postkarte weiter verschicken kann. Daher haben wir uns entschieden, zu bestimmten Themen GIFs zu versenden. Jedes GIF wurde so konzipiert, dass man es mit seinen Freunden teilen konnte.

4. Sprachmemos sind die neuen Podcasts

Von der Community haben wir dazu sehr gutes Feedback bekommen. Viele haben uns geschrieben, dass sie morgens noch zu faul zum Lesen seien und das Memo perfekt zu ihrem Tagesablauf passe. Einige Schüler aus unserer Testgruppe erzählten uns, dass sie morgens das Memo im Bus oder im Bad hören. Mit den Analysetools von WhatsApp lassen sich die genauen Abrufzahlen leider nicht nachvollziehen.

5. Der WhatsApp-Status kann es mit Snapchat und Instagram Stories aufnehmen

Bisher gibt es noch keine Zahlen, wie stark der Status genutzt wird. Bei shotty haben wir als eines der ersten Medien weltweit mit dieser Funktion experimentiert. Ausgehend von unserem privaten Umfeld hatten wir vermutet, dass WhatsApp im Vergleich zu Instagram Stories und Snapchat kaum genutzt wird. Die Resonanz auf unsere Stories hat uns daher alle überrascht:

Zwischen 40 und 50 Prozent unserer User haben sich den Status angesehen. Von unseren fünf WhatsApp-Reportagen kam das Thema Sexting am besten an. Hier sind fast alle Nutzer bis zum Ende drangeblieben (95 Prozent). Bei den anderen Themen (Radikalisierung, Karriereplanung, Umweltverschmutzung durch Plastikmüll, UK-Wahl und Europa) lag die Click-Through-Rate im Schnitt bei 65,5 Prozent.

Umgekehrt ist es aufschlussreich, sich die WhatsApp-Status-Stories der Nutzer anzusehen. In unserer Community nutzen vor allem Schüler im Alter von ca. elf bis 18 den Status. Am beliebtesten sind teilbare Fragebögen, die wie ein Kettenbrief weitergeschickt werden können (z.B. „Magst du mich?“, „Würdest du mit mir ausgehen?“ o.ä.)

6. Liebe deine Community, dann bleibt sie dir treu

Die Interaktion erzeugt eine enge Bindung zu Community. Beispielsweise haben wir Fan-Art und zahlreiche „Dankeschön” und „Weiter so” zugeschickt bekommen. Manche shotty-Fans haben uns sogar in ihrer Status-Story geteilt.

7. Love is in the air

Über das WhatsApp-Projekt shotty:

„shotty“ soll kurz sein und direkt wirken — wie ein „Shot“, ein kleiner Schnaps. Das Projekt lief vom 5. bis 9. Juni 2017 auf WhatsApp — der Anwendung, die 94 Prozent der jungen Menschen in Deutschland als die für sie wichtigste auf ihrem Smartphone bezeichnen.

“shotty” ist ein Projekt von Team 21 der Axel Springer Akademie.

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macht was mit Mention | schreibt und snappt @hannahschwaer @asakademie #Team21| vorher @dpa, @rponline und @RadioQ

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