Vom Fluch und dem Segen immer neue Dinge zu beginnen

Was machen Blogger, wenn sie lange keinen neuen Post mehr veröffentlicht haben? Sie bloggen darüber, dass sie lange keinen Post mehr veröffentlicht haben. Dann entschuldigen sie sich für die Funkstille und alle, die das lesen dann so: Höh? Gar nicht gewusst, dass du einen Blog hast.

Aber das Bloggen darüber, dass man nicht bloggt ist eine gute Art und Weise, wieder ins Schreiben reinzukommen und mal wieder was zu veröffentlichen. Deswegen werde ich mich hier auch dieses Tricks bedienen. Aber ich habe in diesem Zusammenhang einen kleinen Bug in meinem Leben entdeckt und den möchte ich mit euch teilen.

Eigentlich würde ich sagen, dass das Schreiben ein essentieller Teil meines Lebens ist. Ich liebe es mir neue Sachen auszudenken und zu Papier zu bringen und an Formulierungen zu feilen. Aber irgendwie läuft es doch nicht so richtig von selbst. Wenn ich Zeit habe, dann lande ich doch eher bei einer Netflix-Folge oder vor der XBOX. Schreiben ist halt oft auch schmerzhaft, gerade dann, wenn man vor einem (digitalen) weißen Blatt sitzt. Aber dass ich Blog und Podcast und sehr viele andere Dinge gerade schleifen lasse, hat vor allem einen anderen Grund:

Ich versuche zu viele Aktivitäten in meinen Alltag zu integrieren

Die letzten Jahren haben eigentlich ganz gut funktioniert. Ich habe moderat viel Arbeit, bin auf Comedybühnen gegangen und habe mit Humor is Art eine kleine Plattform aufgebaut, die ich selbst gerne mag. Dann hatte ich eine für meine Verhältnisse sehr sportliche Freundin, das hat mich motiviert mehr ins Fitnessstudio zu gehen. Während Beziehungen kommen und gehen, ist bei mir eine Liebe zum Crossfit geblieben, wo ich versuche mindestens dreimal die Woche hinzugehen.

Dann hat mich schon immer Meditation fasziniert. Ich habe schon die verschiedensten Arten probiert, am besten hat mir MBSR (Mindfullness Based Stress Reduction) gefallen und zuletzt das Meditieren mit der App Headspace. Letztes Jahr habe ich mir dann überlegt, dass ich gerne zu einer richtigen Schule gehen möchte, um dort vielleicht einen Lehrer zu haben, an den ich mich so „Mister Miagi“-mässig wenden kann, wenn ich Fragen zum Leben habe. Wenn ich dann schon in irgendeine Schule gehe, dann kann es auch gleich die größte sein, dacht ich, und habe mit TM angefangen. Transzendentale Meditation mache ich als jeden Morgen 20min, theoretisch sollten noch mal am Abend 20min drin sein.

Meditation = Mehr Energie = Mehr Sachen machen = Mehr Stress = Hmpf

Die Meditation hat gut angeschlagen, ich fühle mich insgesamt kraftvoller, habe weniger Kopfschmerzen und mehr Energie. Das Problem: Ich hab mir noch mehr Dinge aufgehalst, so dass ich letztendlich dann doch wieder gestresst bin.

Vor allem eine Sache macht mich gerade völlig fertig: Aktienhandel. Da ich immer schnell und gerne neue Dinge lerne, dachte ich mir: Warum nicht mal etwas lernen, womit ich auch richtig Geld verdienen kann? Ich mache das seit ca. zwei Jahren und bei längerfristigen Anlage, konnte ich bisher auch einige Erfolge verbuchen. Weil mir das aber zu langweilig ist, habe ich angefangen mich an Daytrading heranzuwagen. Das wiederum ist nicht nur empfindlich schwieriger sondern auch zeitaufwendiger. Man kann eigentlich nie auslernen und muss auch nachrichtentechnisch immer up-to-date sein. Ein Zeitfresser ohne gleichen.

Meine tägliche Wunsch-Routine sehe also theoretisch so aus:

  • Aufstehen
  • 30min Lesen
  • 40min Yoga und Meditation
  • 1 Stunde Schreiben/Bloggen/Podcasting
  • 30min Comedymaterial Schreiben
  • 2 Stunden Daytrading
  • 2 Stunden Crossfit
  • Abends: nochmal 20min meditieren

Das ist natürlich vollkommen irre, wie früh soll ich denn da aufstehen, um alles zu schaffen? Irgendwann muss man ja auch mal arbeiten, ganz zu schweigen davon auch Freunde, Familie und Freundin zu sehen. Weil ich gerade so verbissen bin das Traden zu lernen, fallen vor allem Comedy und Bloggen komplett unter den Tisch. Gerade das sind aber Aktivitäten, von denen ich auch Energie ziehe. Ich bin also konstant unzufrieden mit mir. Gleichzeitig fühle ich mich interessanter Weise immer total „arm“, wenn ich viel arbeite und Stress habe. Im Gegensatz dazu fühle ich mich „reich“ und voller Potential, wenn ich wenig arbeite und viel Zeit für schöne Sachen habe.

Die Lösung

Haha, ich habe keine, lol. Ich würde tatsächlich gerne alles machen. Aber ein erster Ansatz wäre: Ich habe mir gerade vorgenommen habe, dass ich versuche nicht so viel zu arbeiten und weniger Zeit ins Trading zu investieren. Dort verbrenne ich gerade nämlich sowieso nur Geld und dort sollte ich mir einfach mehr Zeit lassen, das Handwerk zu lernen. Fürs bloggen habe ich mir heute Zeit genommen und fühle mich gleich besser. Während Meditation weiter täglicher Bestandteil meines Alltags bleiben wird, werde ich mich wohl um Bloggen und Comedy im Wechsel kümmern. Damit müsste ich schaffen alles unter einen Hut zu bekommen.

Ihr seht, diese „Sorry, dass ich so lange nicht gebloggt“ habe Posts, sind oft eigentlich eher was für die Autoren, um mit sich selbst reinen Tisch zu machen. Manchmal hilft es beim Schreiben, also „auf dem Papier“ nachzudenken.

Aber ich hoffe, ihr habt auch etwas mitgenommen von meinen Gedanken und lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr ähnliche Situationen kennt und was ihr dann gemacht habt.


Originally published at Humor is Art.

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