Ich bin kein Fanboy

oder: Ein Apple-User ohne Hype


Ich mag Star Trek. Aber ich gehe nicht auf Conventions, trage an Fasching keine klingonische Uniform oder spitze Ohren und suche auch nicht auf ebay nach original signierten Requisiten. Die DVDs stehen ganz gleichberechtigt neben Werken von Kubrick, Scott, Tarantino, Wenders, Coppola und Kollegen. Das war’s.

Ich bin auch ein zutiefst überzeugter, langjähriger und begeisterter Apple-User. Aber ich übernachte nicht in Schlangen vor einem Apple Store, weil am nächsten Tag ein neues iPad / iPhone / MacBook / iMac erhältlich sein soll. Ich schaue durchaus gerne zu, wenn eine Keynote läuft (“it’s awesome, and we think you’ll love it”). Wenn aber das Nudelwasser gerade anfängt zu kochen, schau ich halt später wieder rein, und mein Seelenheil hängt wirklich nicht davon ab, SOFORT das neue (hier Produktname einsetzen) in Händen zu halten.

Ich will damit sagen, dass wir Apple-User nicht alle gehirngewaschene Cupertino-Zombies sind, denen man jeden Unsinn verkaufen könnte, solange nur ein “i” davor und ein “Made in California” hintendrauf steht.

Es wird kolportiert, Apple habe keine Kunden, sondern Fans. So wie die Rolling Stones eben Fans haben, und keine “Tonträgerkonsumenten” oder “Eintrittskartenkunden”. Das mag stimmen und hängt sicher damit zusammen, dass viele der älteren Kunden auf eine langjährige Nutzungsgeschichte zurückblicken und dabei oft stolz anmerken, man habe ja schon Apple gehabt, als man dafür noch als irrelevanter Nischenbewohner ausgelacht werden konnte. Dann gibt’s da noch die traditionellen Berufsgruppen, für die der Apple als “Tool of the trade” den gleichen Symbolwert hat, wie die rote Schönfelder-Gesetzessammlung für den Juristen: Designer, Journalisten, Grafiker, Pädagogen. Und dann sind da natürlich noch die Markenjunkies, die Apple einfach als angesagtes Ding konsumieren, oft aber weder den Wunsch, noch die Fähigkeit oder den Bedarf haben, das Produkt umfassend zu verstehen oder überhaupt einzusetzen.

Ich habe gut zehn Jahre mit Windows gearbeitet, und vieles daran war gut (ich finde immer noch, dass “Ta-Daa” ein prima Startsound war). Steigende Bedürfnisse nach a) Mobilität, b) Integration und c) Wirtschaftlichkeit führten aber schon vor langer Zeit Schritt für Schritt zurück in das Apple-Ökosystem, und ich bereue nichts.


Ja, Apple bietet—bzw. fordert—End-to-end-Integration. Keine Mac-Hardware ohne OSX-Software, kein iPhone ohne iOS. Synchronisation über iCloud, Content aus iTunes, Fernsehen mit Apple TV.

Das stört so manchen Freigeist, der hierin nichts anderes sieht, als den Machtanspruch des Big Brother, gegen den Apple doch früher anzukämpfen behauptete. Das verstehe ich. Tatsächlich fühle ich mich aber in Apples “walled garden” ziemlich wohl, gerade weil ich mich nicht mehr mit den unbegrenzten Möglichkeiten in unbegrenzten Kombinationen der offenen Konzepte befassen will. Vielleicht baue ich halt lieber mit Legos, als mir aus Pappmaché freihand etwas herauszuformen. Das heißt aber nicht, dass alles, was der Apple-Vatikan als Glaubenstatsache verkündet, bei mir auch akzeptiert wird. Ich habe zum Beispiel keinen Bedarf an einem noch größeren iPhone. Wird nicht gekauft. Ich brauche als großer Freund mechanischer Uhren auch keine iWatch (falls sie denn irgendwann kommt). Und mein Adressbuch wird streng lokal synchronisiert, vielen Dank.

Apple-Produkte zu verwenden, war schon immer mit Konnotationen verbunden. Früher war man der Underdog, der Experimentierer, ein unpraktischer Bohemien gegenüber der Rationalität von Microsoft. Heute ist man ein angeblich besserverdienendes Markenopfer, das sich einem kultähnlichen IT-Guru-Unternehmen ausgeliefert hat.

Ich bin weder das eine, noch das andere. Der “walled garden” bietet mir genau die Früchte, die ich brauche. Meine Hardwarekosten sind gesunken, weil Apple hochwertig hergestellte, sehr langlebige Produkte verkauft. Meine Supportkosten sind gesunken, weil—sorry, Bill—MacOS und iOS einfach stabil, intuitiv, zuverlässig und wartungsarm laufen. Abgesehen davon, dass sie gratis sind. Und ja, ich gebe es zu, die Produkte sind einfach schön. Ich benutze sie gerne. Sie “funzen” nicht nur, sie sind ästhetisch konkurrenzlos, wenn man auf so etwas Wert legt, und das tue ich. Solange Apple an diesen Kriterien nicht versagt, gibt es für mich keine Alternative, und das ist eine durchaus rationale Entscheidung—kein gehirngewaschener Hype.