Member preview

Digitalisierung der Arztpraxis: Achtung Folly-Projekte

Worum es geht

Um niedergelassene Ärzte vom Nutzen der Digitalisierung zu überzeugen, eignen sich vor allem Belege in Form realisierter Projekte. Doch manche können genau das Gegenteil bewirken.

Jedes Projekt zählt?!

In Anbetracht der ausgeprägten Zurückhaltung niedergelassener Ärzte, sich mit digitalen Unterstützungsmöglichkeiten ihrer Arbeit zu beschäftigen, ist eigentlich jedes Projekt hilfreich, das aufzeigt, wie praktikabel und nützlich die Digitalisierung — in welchem Umfang auch immer — zur Unterstützung der Arbeit ist.

Die Folly-Projekte

Aber es gibt auch Ausnahmen, die den strategischen Ansatz der Transformation konterkarieren. Hierbei handelt es sich um sog. Folly-Projekte, die zwar im Grundsatz digital angelegt sind und aus der Außensicht professionell wirken, in der tatsächlichen Umsetzung „hinter den Kulissen“ aber unausgereift weder das Konzept fördern noch den Anwendern nutzen.

Beispiel Apps

Vor allem im Bereich der Apps finden sich derartige Projekte. So existieren eine Reihe von Applikationen für Mobilgeräte, die die Patienten-Praxis-Kommunikation unterstützen sollen. Ein derartiges Angebot, mit dessen Hilfe die beiden Gruppen sicher Informationen austauschen und Termine vereinbaren können, ist nicht nur zeitgemäß, sondern konzeptionell auch dazu angetan, im Sinne des Convenience-Gedankens die Patientenzufriedenheit zu erhöhen und gleichzeitig die Arbeitsproduktivität in den Praxisbetrieben zu verbessern.

Vom digitalen Frontend ins analoge Backend

Der Ansatz kanibalisiert sich jedoch dann selbst, wenn der Digital-Transfer in den Praxen analog fortgesetzt werden muss, d. h. wenn die Praxismitarbeiterinnen die per App kommunizierten Angaben manuell in die Praxis-Software eingeben und die Terminanfragen überprüfen und über die App bestätigen müssen. Dieses und ähnliche Modelle haben zwar auf den ersten Blick eine professionelle Außenwirkung, ein Nutzen für die Praxis-Teams existiert jedoch nicht, da es zu gar keiner Entlastung kommt, ganz im Gegenteil: der zeitliche Aufwand für eine telefonische Terminabstimmung ist im Vergleich z. B. deutlich geringer. Erst ein automatischer Transfer der App-Daten in die Praxis-Software und eine möglichst weitgehende Automatisierung schaffen Freiräume.

Folly-Projekte fördern die Digital-Ablehnung

Hinzu kommt: derartige Ansätze tragen dazu bei, die Digital-Skepsis weiter zu manifestieren, denn die Unausgewogenheit und Ineffizienz wird schon bei oberflächlicher Betrachtung sofort deutlich. Zu dieser Situation kommt es vor allem deshalb, weil viele Projektverantwortliche nach der Entwicklung der Idee versuchen, möglichst schnell „an den Start zu gehen“ und den Vorhaben keine Chance geben, auszureifen.

Like what you read? Give Klaus-Dieter Thill a round of applause.

From a quick cheer to a standing ovation, clap to show how much you enjoyed this story.