Schneller kalkulieren und verkaufen

Die Erstellung von Angeboten für den Kesseltausch ist für den Unternehmer ein mitunter zeitaufwendiges Unterfangen. „Mal eben“ geht das in der Regel nicht. Doch längst nicht jeder Verbraucher ist gewillt, Tage oder sogar Wochen auf ein Angebot zu warten. Heizungsportale, die innerhalb weniger Minuten einen Endpreis offerieren können, entsprechen dem Zeitgeist und treten immer häufiger in Konkurrenz zum Fachhandwerk.

Nun scheint eine Lösung in Sicht: Nach der Feldtestphase und dem Kick Off Anfang September in Düsseldorf ist die „Thermobox“ offiziell an den Start gegangen. Dabei handelt es sich um ein Online-Portal, das dem Fachhandwerker die Erstellung von Angeboten für Kesseltausch oder Contracting bis 250 kW Leistung einschließlich Nebengewerke ermöglicht. Selbst unterschiedliche technische Varianten lassen sich in Echtzeit mit aktuellen Preisen kalkulieren. Parallel dazu lässt sich sogar der Bestellvorgang beim Großhandel auslösen. Und das Ganze per Smartphone oder Tablet, vor Ort beim Kunden und in Minutenschnelle – einschließlich Fördermaßnahmen
und Heizungslabel. (Wir berichteten exklusiv unter der Überschrift „Angebote
beim Kunden erstellen und direkt bestellen“ in Ausgabe 13/2016. Der Beitrag findet sich in unserem Online-Archiv unter www.ikz.de — Suchwort: Thermobox)

Bei der Live-Präsentation in Düsseldorf hat die Thermobox einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Zum einen, weil offensichtlich praxisorientiert und detailliert programmiert wurde. Zum anderen, weil die Daten- und Preishoheit beim Fachhandwerker verbleibt. Mit der Nutzung wird der SHK-Betrieb nicht zum Schrauber mit festgelegter Marge für einen
Hersteller, sondern er bleibt Unternehmer und kann aus verschiedenen Produktmarken – derzeit Brötje, Vaillant und Junkers — wählen. Nur, dass vom Angebot bis zur Bestellung alles eben viel schneller von statten geht. So, wie es die Verbraucher heute erwarten. Dass es diesen Service nicht umsonst
gibt, leuchtet ein. Die pauschale Nutzungsgebühr für den Betrieb beträgt monatlich 129,00 Euro. Dazu kommt eine geringe Umsatzprovision.
Man darf gespannt sein, ob und wie konsequent das SHK-Fachhandwerk dieses Wärmeerzeugerverkaufswerkzeug annimmt. Leider geht das Projekt mit angezogener Handbremse an den Start: Zunächst ist das Tool nur regional — nämlich in Düsseldorf — nutzbar. Doch die Initiatoren, die GC-Gruppe, die Stadtwerke Düsseldorf sowie 25 aktive Handwerker, haben angekündigt, das Tool rasch in ganz Nordrhein-Westfalen und später sogar im gesamten Bundesgebiet verfügbar zu machen. Die Erwartungen und Ziele sind jedenfalls bereits hoch gesteckt: Mindestens 1500 SHK-Betriebe sollen das Tool in Zukunft bundesweit nutzen, damit sich die millionenschwere Investition mittelfristig rechnet. Das scheint auch notwendig, denn anders als andere bekannte Online-Plattformen wie etwa Thermondo hat die Thermobox keine Großinvestoren im Rücken, die über Jahre Millionenbeträge
in das Projekt schießen.

Markus Sironi
Chefredakteur
m.sironi@strobel-verlag.de

Dieser Standpunkt stammt aus der IKZ-HAUSTECHNIK Nr. 18–2016. Mehr unter www.ikz.de