Formelwelt

In unserer ausziehbaren Couch sind Dinge drinnen. Man kann den unteren Teil, den Fußteil, aufklappen und das Bettzeug hineingeben oder herausnehmen.

Ich nehme das ganze Bettzeug heraus und finde darunter einen Stapel Gewand. Frauenkleider. Eine gestrickte Haube ist dabei, die probiere ich vor dem Spiegel an. Sie hat oben eine Quaste und auf der Seite Lappen über den Ohren mit Bändern dran. Sie ist recht grob gestrickt, flächig gemustert mit Vierecken und anderen Formen in beige, blau, rosa und braun. Vorne, oberhalb meiner Stirn, ist sehr geschickt ein braunes Dreieck eingearbeitet, das eine optische Täuschung bewirkt, da es so aussieht, als ob dort keine Haube wäre, sondern Haare. Die ganze Form der Haube, und somit des Kopfes, verändert sich dadurch. Ich finde, mir steht die Haube gut, ich sehe kindlich damit aus, lieb und auch recht hübsch.

Ich möchte sie ihm zeigen.

Er sitzt an einem Tisch über ein Buch gebeugt, daneben Taschenrechner und Collegeblock. Ich hocke mich vor den Tisch, mein Haubenkopf vor seinem Gesicht.

Es dauert eine Weile

bis er den Blick hebt, von den Formeln weg und seine Augen auf mich richtet,

doch er ist dort, woanders.

Mittlerweile gibt es mich

eine Ahnung von dieser Welt schleicht auf sein Gesicht, aber etwas wird noch fertig gedacht, sehr konzentriert. Er ist in der Formelwelt,

dieser Gedanke ist jetzt fertig, er merkt, dass ich etwas will, findet es noch unpassend, will wieder in die behagliche Zahlen- und Buchstabenlogik, ist dort, fühlt sich dort wohl,

doch es geht jetzt nicht mehr so gut, denn ich bin da. Widerwille, doch jetzt kann er nicht mehr anders, er taucht schön langsam auf. Sieht mich, jetzt, sieht, wie ich mich fühle, ist dabei noch ganz bei sich, doch spürt er auch mit seinen sensiblen Fühlern, wie ich mich fühle. Er nimmt mich wahr und merkt, dass ich etwas will. Mustert mein Gesicht, auf der Suche danach, was es ist. Ist immer noch bei sich, ganz in warmen, weichen, wohligen Hirnwellen vom Formeldenken, was überall im Körper zu spüren ist. Und auch die Fühler spüren Angenehmes in mir drinnen, denn es geht mir gut. Bewusstsein ist da, er bemerkt die Haube.

Lächelt mich an. Gefällt mir, heißt das.

Da spür ich einen Stoß an meinem Bein, wie er über mich drüberklettert, ich bin bewusst, sehe sein Gesicht vor meinem, und lächle zurück.

quelle: https://erlebnisbasisstation.wordpress.com

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