It’s a trap! — Der Overconfidence Bias im Führungskontext

Keller Partner

Liebe Leserinnen und Leser!

Ende August ereignete sich zwischen den USA und Europa Folgendes: Donald Trump lehnte die Nullzollpolitik auf Autos wieder ab, die seine eigene Regierung vor einigen Monaten ins Gespräch gebracht hat. Der Grund ist, dass Trump nun glaubt, dass durch eine solche Politik der Verkauf amerikanischer Modelle in Europa wohl doch nicht angekurbelt wird. Was wir hier in diesem sehr aktuellen Beispiel beobachten, ist der sogenannte Overconfidence Bias, der besagt, dass Menschen systematisch ihre eigene Kompetenz und Prognosefähigkeiten überschätzen. Der amtierende US-Präsident ist hier also in eine typische psychologische Denkfalle getappt, die im Kontext seiner führenden Position auf der Weltbühne verheerende Folgen haben könnte. Und zwar sowohl für die USA als auch Europa. Trump, der in den Medien sehr präsent ist, fällt immer mal wieder dadurch auf, dass er seine Kompetenzen und prognostischen Fähigkeiten überschätzt und so diesen typischen Denkfehler begeht. Der Overconfidence Bias tritt aber bei fast jedem Menschen auf, vor allem in Bereichen, in denen sich das jeweilige Individuum selbst als besonders kompetent einschätzt, oder in Bereichen, die eher einfache Routinetätigkeiten umfassen (z.B. das Autofahren). Der Overconfidence Bias kennt dabei drei Arten der Selbstüberschätzung: Die Überbewertung der eigenen aktuellen Leistung, der eigenen Leistung im Bezug zur Leistung von anderen und die Überschätzung des eigenen Wissens. Alle drei Arten spielen in menschlichen Entscheidungsprozessen (und denen von Donald Trump) eine erhebliche Rolle. Im fachpsychologischen Kontext wird eine solche Denkfalle als Bias bezeichnet. Es handelt sich um eine kognitive Verzerrung der Realität, die deswegen geschieht, weil wir Menschen faul sind. Jeder Mensch verwendet zur Entscheidungsfindung in unterschiedlichem Maße sogenannte Heuristiken, die man am besten als „Daumenregeln“ beschreibt. Die Verwendung von Daumenregeln („Heute wird’s über 20 Grad, dann ziehe ich eine kurze Hose an“) hat den Vorteil, dass diese schnell gebildet werden und auch größtenteils richtig sind. Aber eben nicht immer! In Fällen, in denen das nicht zutrifft, erleben wir dann einen Bias. Die Situation einer Führungskraft (oder wie in unserem Beispiel eines Präsidenten), die mit so viel Verantwortung für teilweise erfolgskritische Prozesse der Veränderung im Unternehmen beladen ist, ist ein idealer Nährboden für solche Verzerrungen. Es gibt hunderte Bias wie den Overconfidence Bias, die sowohl im Familienalltag, mit Freunden, mit Fremden oder eben im Arbeitsleben auftreten können. Die Vermeidung des Overconfidence Bias ist vergleichsweise einfach:

  • Versuchen Sie, Ihre eigenen Fähigkeiten realistisch und möglichst objektiv zu betrachten. In Bereichen, von denen Sie wissen, dass dort Ihre Schwächen liegen, sollten Sie sich nicht scheuen andere um Rat zu fragen, die sich besser damit auskennen. Hinterfragen Sie zudem Ihre Entscheidungen kritisch und versuchen Sie, Ihre eigenen Entscheidungsmuster zu erkennen. Durch aktive Selbstbeobachtung und Reflexion kann die eigene Selbstüber- und Unterschätzung systematisch verringert werden. Sie müssen also Ihre eigenen Landkarten kennen und auch ehrlich mit Ihnen umgehen können.
  • Fragen Sie sich: Sind in meiner Persönlichkeit narzisstische Tendenzen veranlagt oder nicht. Das muss nicht negativ sein, denn leichter Narzissmus erhöht gleichwohl auch das Selbstbewusstsein und kann so förderlich wirken. Dennoch sind narzisstische Menschen tendenziell empfindlicher für den Overconfidence Bias.
  • Weiterhin können Sie von Ihren Mitarbeitern oder Kollegen konstant Feedback einfordern. Durch konstruktives Feedback lernen Sie, Ihren eigenen blinden Fleck bezüglich Ihrer Persönlichkeit und Ihres Verhaltens zu verringern, und können das dann kontinuierlich in Ihre persönliche Führungs-DNA übernehmen. Voraussetzung hierfür ist natürlich stets, dass Sie mit dem Feedback auch umgehen und es annehmen können.

Machen Sie sich zudem bewusst, dass niemand vor psychologischen Bias gefeit ist. Dies zu glauben wäre wiederum Denken im Overconfidence Bias. Sich dessen bewusst zu werden, erhöht dahingegen die Sensibilität für das eigene Handeln und auch das Handeln anderer. Vielleicht begegnen Ihnen im Arbeitsalltag ja häufig Menschen, die ebenfalls in die Overconfidence-Falle tappen.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse. Wollen Sie mehr über Denkfallen und psychologische Verzerrungen wie den Overconfidence Bias erfahren, empfehlen wir Ihnen das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann (2012).

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Umgang mit ihren persönlichen Fallgruben,

Prof. Dr. Daniel Keller für Keller Partner

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Keller Partner

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