Alles oder nichts?!

Eine epische und auch populäre Frage, mit der ich mich in diesem ersten Blogpost beschäftigen möchte. Gedanken, die auf einem Quote aufbauen, die mir heute auf Instagram begegnet sind. Ein Spruch, der mich zum Nachdenken angeregt hat.

Aber lassen Sie mich vorher ein paar Worte verlieren, wie ich überhaupt zu dazu gekommen bin, einen Blog zu betreten. Ich bin eine junge Frau — irgendwo zwischen einer erwachsenen, mitten im Leben stehenden Frau und einem jungen Mädchen. Einer Stufe eines Entwicklungsprozesses, mit der sich, glaube ich, viele junge Frauen heutzutage identifizieren können. Ich bin kein unmoderner Mensch und gehe mit der Zeit. Ich verfolge und lebe (digitale) Entwicklungen natürlich, aber ich bin keine Person, die sich gerne jedem Trend hingibt, nur um expressiv seine Individualität zu zelebrieren. So stand ich auch immer diesem Hype ums bloggen kritisch entgegen…

Der positive Anreiz zu dieser wundervollen Idee einen Blog zu starten, kam von meinem ambivalenten Äquivalent (JS). Eine Person, die mich in meinem Leben begleitet hat, wie kaum eine Andere. Nein, dabei handelt es sich nicht um meinen Liebespartner oder meinen amourösen Seelenverwandten. Aber man kann durchaus sagen, dass es eine tiefverbundene platonische Seelenverwandtschaft ist, die uns verbindet. Mit kaum jemand anderen teile ich Meinungen und Ansichten, wie mit ihm. Wir philosophieren gerne und viel und versuchen die Dinge des Lebens aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Den gedanklichen Austausch, den wir dabei haben, empfinde ich als sehr ansprechend und auch beglückend. Und so kamen wir zu der Idee einen gemeinsamen Blog zu verfassen.

Wie bereits angeklungen, begegnete mir heute im Laufe des Tages bei Instagram, ein Zitat, über das ich erst schmunzeln musste, weil es direkt als wahr empfunden habe und über welches ich trotzdem weiter nachdenken musste.

Alles oder nichts — Genau das drückt das Zitat für mich in erster Linie aus. Gerade in Zeiten, in denen Dating Plattformen, wie Tinder und Elitepartner boomen. In den Mittzwanzigern ist vor allem Erstere eine sehr beliebte Form, neue Menschen kennenzulernen. Bei den ersten schriftlichen Kontaktversuchen gleichen die “Unterhaltungen” eher einem groben Check, wie sein Gegenüber so tickt. Vielleicht bin ich etwas vorurteilsbehaftet, weil ich von dieser Form des Datings absolut nichts halte, jedoch ist es das, was ich aus meinem Freundeskreis sehr stark vermittelt bekomme. Kommt es in Folge dieser kühl anmutenden Schreibereien mal zu einem persönlichen Treffen, so entscheidet sich bei den meisten recht schnell, ob sich daraus etwas weiter entwickelt oder nicht. Um es stumpf herunter zu brechen, entspricht dieses Szenario genau dem Zitat — der Frage nach dem “Alles oder Nichts”. Jedoch verdient diese definitiv klingende Frage noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Ist es immer ein Alles oder Nichts, wenn Menschen in unser Leben treten? Kann aus Dating nicht doch so etwas wie Freundschaft entstehen?

Ein klassischer Optimist würde natürlich mit einem überzeugenden “Ja” antworten, ein Pessimist mit einem durchdringenden “Nein”. Ein hoffnungsvoller Mensch würde vermutlich mit einem “Es kann auch eine Freundschaft entstehen” antworten. Um ehrlich zu sein, ich kann es auf Anhieb gar nicht genau sagen, wo ich mich positionieren würde. Vielleicht fehlt mir die Erfahrung in Sachen Dating, vielleicht gehöre ich auch einfach zu der (naiv) hoffnungsvollen Seite. Wenn ich an meine sehr weit in der Vergangenheit liegenden Dates zurück denke, dann muss ich (leider?!) feststellen, dass aus den meisten wirklich ein “Alles “oder “Nichts” geworden ist. Ich habe bisher eine sehr lange wichtige Beziehung in meinem Leben geführt, in der ich sowohl sehr schöne Momente und Gefühle erleben durfte, aber auch sehr schwierige Phasen hatte, in denen Herausforderungen gemeistert werden mussten. Diese Beziehung begann, genau wie alle anderen Beziehung mit klassischen Dating. Aus diesem Dating wurde zumindest für eine Weile “Alles”. Eine starke Bindung mit jemanden, bei der man zumindest darüber nachgedacht hat, ob darauf eine Heirat resultiert. Woran die Beziehung letztlich scheiterte ist für diesen Kontext irrelevant, jedoch kann man herausstellen, dass daraus ein “Nichts” wurde. Obwohl alles in Gutem auseinander ging, brach der Kontakt ab. Ein natürlicher Lauf der Dinge? Wenn ich meine Situation mit der meiner Freunde vergleiche, die ähnlich lange Beziehungen geführt haben, so stelle ich auch da fest, dass über kurz oder lang zumindest der Kontakt zu den Ex-Partnern eher verhalten und weniger beständig ist.

Ganz unabhängig von langen Beziehungen muss ich zusätzlich betonen, dass aus keiner anderen Dating-Situation eine starke platonische Verbindung entstanden ist. Aus den wenigsten nicht mal eine Beziehung, selbst wenn so etwas wie leichtes Kribbeln, oder besser gesagt, eine Anziehung vorhanden war. Der Grund, warum aus harmlosen Dating irgendwann Beziehungen zwischen Menschen entstehen, ist weitaus komplexer und nicht mit einem leichten Kribbeln auszudrücken oder zu vergleichen. Die Frage ist viel mehr, warum man nicht oft mit Menschen in Kontakt bleibt, zu denen man eine scheinbare Verbindung hat?!

Vielleicht gibt es genug Menschen, die andere Erfahrungen gemacht haben als ich und mir widersprechen würden. Meine Erfahrungen sind in diesem Bereich jedoch anders. Mit keiner meiner männlichen Freunde hatte ich Dates. Es hat in diesen Fällen immer eine andere Art des Kennenlernens stattgefunden.

Ganz unabhängig von der obigen Frage bin ich der Meinung, dass man Menschen im Leben begegnet, denen man irgendwie begegnen soll. Menschen, die, in welcher Form auch immer, unser Leben “bereichern”, sowohl positiv als auch negativ. Ich glaube, dass man mit manchen Menschen vielleicht verbunden sein muss, um persönlich reifer zu werden — wenn auch nur eine zeitlang. Und auch, dass jede “alles-oder-nichts”-Datingerfahrung irgendwo ihren Sinn hat, egal ob es ein “Alles” wird oder ein “Nichts”. Und vielleicht erfahre ich auch ein Mal, dass aus Dating ein Zwischending aus “Alles oder Nichts” wird, egal wie lang der gemeinsame Weg wohl sein wird.

SB

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