Lieber hungern als Pizza essen mit Mark E. Smith… oder überhaupt was mit ihm machen.

Der britische Musiker Mark E. Smith lässt in einem Interview wirklich kein gutes Haar an neuen Technologien. Als ob früher alles so viel besser war.

Mark E. Smith (Image: Greg Neate [CC BY 2.0], via Flickr)

Ein Essen mit Mark E. Smith ist wahrscheinlich wirklich so deprimierend wie es sich Tocotronic-Frontmann Dirk von Lowtzow einmal erträumte. Dem damals träumenden Musiker erzählte der Sänger der englischen Post-Punk-Band The Fall angeblich, wie scheußlich alles ist. Tony Dewhurst hatte jetzt dieses zweifelhafte Vergnügen und traf sich mit Smith zum Mittagessen in Manchester. Anlass dafür war das kommende einunddreißigste Album der Band (“Es ist ein gutes Album.”), doch Mark E. Smith nutze das Interview, um seine Ansichten zum Fernsehen und neue Technologien kundzutun.

Gerade mit neuen Technologien kann Smith nichts anfangen. Er selbst, der mit einem Management und einer Entourage gesegnet ist, hat kein Handy. Neue Technologien haben ihn deshalb überhaupt nicht beeinflusst, glaubt er. Muss an sich ja ganz nett sein, vom Kommunikationsverhalten in den Achtzigern hängen geblieben zu sein, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass The Fall ohne Handy, Telefon oder überhaupt dem Internet, heutzutage auch nur ein Album oder eine Tour hin bekommen würden. Nur jemand wie Smith kann sich den vermeintlichen Luxus nicht erreichbar zu sein (und selber niemanden zu erreichen) leisten.

Dass ihn andere Leute aus der Musikbranche nicht persönlich erreichen können, amüsiert den 58-jährigen Musiker deshalb. Überhaupt scheinen soziale Kontakte wirklich nicht gerade die liebste Beschäftigung von Smith zu sein. Über mit ihren Frauen kommunizierende Freunde macht er sich in dem Interview sogar lustig. Es hat aber eben auch nicht jeder das Glück, mit seiner Frau auch beruflich stets zusammen zu sein, so wie Smith. Seine zweite Frau, Elena Poulou, mit der er seit 2001 verheiratet ist, gehört seit 2002 zur Band The Fall.

Es ist auch eine seltsame Beobachtung von Mark E. Smith, dass Menschen ohne neue Technologien kaputt gehen würden. Seine Anekdote von einem namentlich nicht genauer genannten Bandmitglied, das sich eher darüber aufregte keinen Empfang auf seinem Handy hat als ein Bombenloch wahrzunehmen. Wirkt wie nur die halbe Geschichte, aber leider wreden wir wohl das Bandmitglied nicht selber fragen können. Ohne zu wissen, wer Dave aus Didsbury ist, vielleicht war es ja wichtig. Vielleicht wichtiger als ein veraltetes Bombenloch.

Mit Rockstars abzuhängen muss wirklich eine ganz bezaubernde Erfahrung sein. Also wenn man Empfang mit seinem Smartphone hat und sich nicht mit ihren Schrullen auseinandersetzen muss. Bei Smith scheint es, neben seinem Unbehagen gegenüber neuen Technologien, auch das Fernsehen zu sein, dass ihn zugleich beschäftigt als auch stört. Vor allem das zu vielfältige Angebot setzt Mark. E. Smith wohl unter Druck. “Es gibt einen Gruppenzwang bestimmte Serien zu schauen.

Darunter leiden muss wohl vor allem seine Frau, die wohl gerne wie die anderen Bandmitglieder auch einmal Netflix schauen möchte (dazu Smith: “Ich sage nur, dann gehe und lebe mit ihnen zusammen.”) oder ihn zu Hause besuchende Freunde, mit denen er ein so langweiliges Fernsehprogramm schaut, dass sie wieder gehen. Seine Ausführungen erinnern mich irgendwie an eine Pfarrerin, deren Predigt ich besuchte, und die der Versorgungslage in der ehemaligen DDR hinterher trauerte, “als es einen Käse gab, der schmeckte, und einen Käse, der nicht schmeckte.” Mehr nicht.

Ich bin sicher, dass die Achtziger Jahre wirklich super waren, aber irgendwie verspüre ich nicht den gleichen Drang, immer noch wie damals zu leben. Ganz anders wohl Mark E. Smith.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.