Mitternachtsgedanken

0:30Uhr. Normalerweise würde ich entweder schlafen, am Handy irgendwas belangloses tippen oder irgendwas belangloses im Fernsehen sehen. Vielleicht irgendwas belangloses auf irgendwelchen Kanälen. Aber jetzt gerade nicht. Offensichtlich. Wenn ich die oben genannten Dinge nicht um diese Uhrzeit tue, dann denke ich. — Denken ist eigentlich überhaupt nichts besonderes. Jeder denkt. Mal mehr, mal weniger. Aber wenn ich um diese Uhrzeit denke, dann sind es nicht nur ‘normale’ Gedanken. Mitternachtsgedanken; schöner Name für eigentlich keine besonderen Gedanken. Für mich aber schon. Tagsüber denke ich viel und über alles; eher unbewusst. Beiläufig. “Warum geben Menschen Geld für so’n Mist aus?” … “Was in Gottes Namen soll dieser Scheiß?” … “ Wie kann man nur so blöd sein?”… Denken ist echt nichts besonderes. Tagsüber zumindest. Nachts sieht das eher anders aus. Das Denken hat zwar nicht irgendwann kurz aufgehört und darauf gewartet in der Nacht zurückzukehren, aber es macht einen Unterschied. — Es ist stiller. Zumindest dann, wenn man nachts im Bett liegt und das gesamte Haus schläft; außer man selbst natürlich. Es ist still, abgesehen von man selbst. Und dann hört man erst richtig seine Gedanken. Es gibt in dieser Zeit keine laute Umgebung, Ablenkung, die seine eigenen Gedanken eher beiläufig erscheinen und wahrnehmen lassen. Man denkt ernsthaft über seine Gedanken nach. Und es fällt einem tatsächlich mal auf, was man alles so denkt; über was man eigentlich denkt. — Ich weiß nicht wie es bei anderen ist; immerhin kann ich nicht in die Köpfe anderer sehen (will ich ehrlich gesagt auch nicht), aber ich war beim ersten Mal erstaunt über mich selbst. Mir wurde erstmals klar, wie ich denke. So oft dachte ich mir “… okay. So denke ich also. Komisch.” Es ist irgendwie schwer zu erklären, wenn man sein eigenes Denken scheint verstanden zu haben. Oder ansatzweise zumindest. Man lernt irgendwie zu verstehen, warum man gerade genau das denkt, was man denkt. Oder so ähnlich. Ich zumindest versuchen so meine Gedanken zu erklären, indem ich irgendwie verstehe wie ich denke. Weil manchmal meine Gedanken zuerst verwunderlich erscheinen. “ — Wow, warum hast du das gerade gedacht?Das war seltsam.” Aber dann verstehe ich es irgendwie und die nächsten Gedanken folgen. Und die innere Diskussion beginnt. Szenario um Szenario. Die Fragerei nach dem “Wie?” oder “Warum gerade so?” verschwinden und das Denken passiert einfach. Nur nicht mehr so seltsam wie gedacht.

Über Gedanken zu schreiben ist genauso kompliziert wie das Denken selbst. Daher kann es auch einfach abrupt enden wie Gedanken stimmt’s? Ich denke, dass man das ruhig mit sich so vereinbaren kann. Vor allem nachts. Bei Mitternachtsgedanken.

1:15.

Ist es eigentlich okay, einfach drauf los zu schreiben? Muss es einen wirklichen Sinn ergeben? — Ich denke nicht. Wer nach einem wirklichen Sinn hierbei suchte, den muss ich enttäuschen. Nicht alles ergibt einen Sinn. Auch nicht alles, was im Internet geschrieben wird. Auch nicht dieser Text über Gedanken mitten in der Nacht. Oder vielleicht doch?
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