2014 erstmals auch unter freiem Himmel — das Lumix-Festival für jungen Fotojournalismus

Fotojournalismus: von Komödien bis zu Tragödien

Lumix-Festival (18–22. Juni 2014)

Dieser Beitrag erschien erstmals am 17.6.2014 auf aboutcities

Morgen startet das 4. Lumix-Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover. Wir haben hinter die noch verschlossenen Türen der bedeutendsten Veranstaltung für Fotojournalismus in Deutschland blicken lassen.

Die Bilder hängen — doch noch herrscht Ruhe

Noch ist der Skywalk fast menschleer. Nur ein paar Studenten hängen die letzten Fotos auf. Die Ruhe verstärkt die Macht der Bilder. Beeindruckendes, Skurriles, Trauriges, Erschütterndes — und immer sind es Fotografien voller Leben. Kein Wunder, denn das Lumix-Festival 2014 ist das Schaufenster der besten jungen Fotojournalisten weltweit. Aus mehr als 1.200 Bewerbungen wählte die Jury die 60 Reportagen aus, die ab dem 18. Juni in Hannover zu sehen sind. Geschichten, die das Leben der Menschen auf der Welt erzählen, zeigt das Lumix-Festival. „Die ganze Bandbreite — von den Komödien des Lebens bis zu den Tragödien“, sagt Festival-Leiter Rolf Nobel. Bewusst habe die Jury nicht nur das Tal der Tränen gewählt, schiebt der Fotojournalismus-Professor aus Hannover hinterher, denn das sei für den Besucher viel zu anstrengend.

Adrian Wykrotas Foto-Reportage „Modern Polish Wedding“ zeigt die ausgelassene Stimmung bei polnischen Hochzeitsfesten (Quelle: Lumix-Festival 2014)

Und so nimmt Adrian Wykrota den Besucher mit zu polnischen Hochzeiten oder Laerke Posselt zu amerikanischen Schönheitswettbewerben, bei denen zweijährige Mädchen als Beautyqueens antreten (müssen). Stille Reportagen wie „The Marriage“ von der Schwedischen Fotografin Rebecka Uhlin zeigen das Leben der Großeltern, die 56 Jahre miteinander verheiratet sind, oder gehen mit irischen Travellern auf Wanderarbeit (Birte Kaufmann). Während Alejandro Chaskielberg bei den Bildern aus dem argentinischen Regenwald grelle Farben nutzt, hat Lucas Wahl bei seiner Reportage „Mekong — Source to Sea“ schwarz-weiße Fotos gewählt, um Natur und Menschen an der „Mutter aller Wasser“ zu porträtieren. Auch die Brennpunkte der aktuellen Weltgeschichte sind thematisch vertreten — allerdings zeigen die Reportagen aus der Ukraine, aus Syrien, aus Myanmar oder aus Fukushima die Geschichten hinter den Aufmacher-Fotos der tagesaktuellen Medien.

Reportage-Qualität, die berührt

Felix Kleymann steuert die Reportage „Pacificacao“ über die Befriedung der Favelas im brasilianischen Rio de Janerio im Vorfeld der Fußball-WM 2014 bei. Er ist einer der vielen Künstler, die beim Lumix-Festival auch Rede und Antwort steht.

Doch nicht nur die Bandbreite der Themen, der fotografischen Stile und der Länder, aus denen die Reportage kommen, faszinierte mich. Es sind besonders die Emotionen, die die Fotojournalisten eingefangen haben und die sie mit dem Betrachter der Bilder teilen. Es sind die Geschichten, die nicht nur gesehen, sondern gespürt werden können. Solche Fotos sieht man nur noch selten in den Tageszeitungen oder Magazinen. Wer sich für die Welt interessiert oder wer sich für Fotografie begeistert, für den ist das Lumix-Festial 2014 ein absolutes Muss.

Erstmals beziehen die Veranstalter neben den Gebäuden am Expo-Gelände die „Gärten im Wandel“ als Ausstellungsfläche ein — somit ist bei gutem Wetter der Kunst- und Fotogenuss auch an der frischen Luft möglich. Ein attraktives Vortragsprogramm rundet das Lumix-Festival auch in diesem Jahr wieder ab. Einer der Höhepunkte ist die Festival-Party am Samstag, bei der auch die Festival-Awards verliehen werden. Besucher aus Sibirien nehmen eine beschwerliche Anreise über 5.000 Kilometer auf sich, um dabei zu sein und auch aus den USA liegen Anmeldungen vor. Da haben wir es doch wirklich gut, dass das Lumix-Festival in Hannover direkt vor unserer Tür stattfindet.

Hinweis:

5. Lumix-Festival für jungen Fotojournalismus
 
(15–19. Juni 2016)

Fotojournalismus auf allen Ebenen (Quelle: Lumix-Festival 2014)
  • Ort:
    Expo-Plaza 2, 30539 Hannover
  • Öffnungszeiten:
    Mittwoch bis Sonntag ,
    10.00 bis 20.00 Uhr
  • Eintrittspreis:
    Das 5-Tage-Ticket kostet 10 Euro.

www.fotofestival-hannover.de

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