Steht uns das Ende von YouTube wie wir es kennen bevor? #Adpocalypse

YouTuber beschweren sich kollektiv über Sinkende AdSense einnahmen. Der Restricted Mode von YouTube hat einige Kanäle sogar komplett demonetarisiert. Was bedeutetet das für das klassische YouTube? Warum sinken die einnahmen bei manchen Kanälen um bis zu 90%? Und was kommt als Nächstes?


Seit 2015 agiere ich zusammen mit Naomi Lennon, einer der Top Managerinnen für YouTube Stars in Hollywood auf dem U.S. Markt in L.A. und habe daher Einblicke in die unmittelbaren Entwicklungen der Social Media Entertainment Industrie.


YouTube ist ein Geschöpf von Google. Jahrelang wurde viel Geld investiert um ein in sich funktionierendes Webvideo Ökosystem aufzubauen, was sich zu einem Gamechanger der Industrie entwickelt hat. Multi-Channel-Networks wurden von Google initiiert um Content zu professionalisieren und hunderte Millionen Menschen, überwiegend die Junge Generation, schauen täglich über eine Milliarde Stunden Videomaterial. Im Gegenzug für die Produktionen und den Aufrufen, generieren die YouTube Creator Einnahmen in Form von Google AdSense. Doch was, wenn es diese Einnahmen nicht mehr gibt? Was ist, wenn einer der größten Geldgeber für Werbung auf YouTube den Spieß umdreht? Genau das ist kürzlich passiert, als Martin Sorrel, Chairman von der WPP angekündigt hat, die Spendings auf YouTube drastisch zu reduzieren.

Der Einschnitt ist enorm. Teilweise sind Kanäle nahezu komplett demonetarisiert worden, was nicht umzukehrende Folgen hat. Viele Creator können es sich nicht mehr Leisten, Vollzeit für YouTube zu produzieren und müssen daher Ihr Business aufgeben. Ja, viele Leute in Deutschland, gerade aus der Generation Y, betrachten YouTube nicht wirklich als Business und können nicht nachvollziehen, wie viel Arbeit und Geld in einem erfolgreichen Kanal steckt und wie viel Einfluss diese neue Form der Medien auf die junge Generation hat.



Was aktuell also passiert, ist ein weitverbreitetes Phänomen in der Businesswelt. — Firmen steigen durch Innovationen in den Olymp, bis Sie eine gewisse Position erreicht haben, was irgendwann bedeutet, dass die Einnahmen stagnieren oder sinken. Für dieses Unternehmen, in dem Fall YouTube, muss es also etwas geben, um die Margen und den Umsatz weiterhin zu steigern was bedeutet, neue Wege zu finden, um an noch mehr Geld zu kommen, speziell dann, wenn die WPP den Geldhahn zudreht.


In dem Moment, wo eine Firma einen Weg findet, besser Profitmargen zu erreichen, werden Sie das alte Modell liegen lassen um für die Hauptkunden ein besseres, kompletteres Produkt zur Verfügung zu stellen um von neuen, vorher nicht existenten Geldern zu profitieren.

YouTube war das erste Unternehmen, die es mit AdSense geschafft haben, einen Massenmarkt an Videos zu monetarisieren. Andere Unternehmen sind dem Videopfad gefolgt: Facebook hauptsächlich, aber auch Vine (Twitter), Instagram (Facebook), Snapchat und Dailymotion. In Deutschland haben es noch andere Plattformen versucht, wie z.B. MyVideo oder Clipfish.

Diese Konkurrenz, plus den exponentiellen Anstieg des Videocontents führt zwangsläufig zu einer Abwärtsspirale der Margen. Speziell die CPMs, welche an den Creator bezahlt werden.

YouTube ist als Erster den Schritt gegangen und hat 2015 in den USA YouTubeRed gestartet, eine Art Netflix für YouTuber um ein Jahr später die Algorithmen zugunsten von längeren Videos zu ändern. Jetzt, in 2017, hat YouTube das zweite Subscription Modell gelauncht in Form von YouTubeTV und wird systematisch die “kleinen Heimyoutuber” demonetarisieren und ausbooten, welche die WPP als werbeunfreundlich betrachtet.

Man kann es so sehen, dass YouTube etwas gefunden hat, was eine größere und bessere Version von sich selbst ist, aber bisher keiner wollte oder brauchte. YouTube und Facebook haben nun die perfekten Partner gefunden, die lange Zeit auf der anderen Seite des Schlachtfelds standen — Die großen Mediacompanies.

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Eine gigantische Partnerschaft zwischen den größten Digital Video Distributoren (YouTube, Facebook etc.) und den größten Contentproduzenten (Disney, Comcast, Time Warner, CBS, Viacom und News Corp.) entsteht. Es ist ein logischer und nachvollziehbarer Schritt für alle Beteiligten und unfassbar lukrativ, da somit unbegrenzter Zugang zu den TV Milliarden entsteht und die Distributionshürde in die junge Zielgruppe für die Mediacompanies in Luft aufgelöst wird.

YouTubeTV, Facebook, Amazon und andere plattformen, die zwangsläufig mitziehen werden, werden anfangen Content und Contentlizenzen der großen Mediacompanies zu kaufen und in die Kanäle der Generation Z zu spülen und endlich so monetarisieren zu können, wie TV es lange Jahre getan hat und immer noch tut.

Es werden neue Shows entstehen, neue Sitcoms, neue Newskanäle, neue Themenkanäle, ausgelegt auf die junge und heranwachsende Generation. Zusätzlich wird bestehender Content linear und auf Abruf zugänglich gemacht. Kabel- und Satellit TV wird in mittlerer Zukunft nicht mehr gebraucht. In den großen Märkten in den USA ist YouTubeTV bereits gestartet und es funktioniert hervorragend. Alle großen Networks und Kanäle sind für 35$ in einem sehr übersichtlichen Interface zu empfangen und nach Ausstrahlung On-Demand verfügbar. Zusätzlich liefert Google einen unbegrenzten DVR Cloudspeicher.

Twitter hat den Dienst Vine 2016 komplett eingestellt, was auch einen Grund hatte. Sie mussten Geld freimachen für Contentrechte, wie z.B. die Übertragung von bestimmten NFL Spielen oder ein 24-Stunden-Live Network in Kooperation mit Bloomberg. Twitter hat die NFL Rechte 2016 eingekauft, aber im Jahr 2017 sind Facebook, Google und Amazon in die Auktion mit eingestiegen, welche Amazon gewonnen hat. Das ist aber nur der Anfang. Nicht der Anfang vom Ende, sonder eher das Ende des Anfangs?

Das ganze ist eine Entwicklung, die unumkehrbar sein wird und bedeutet für die einzelnen Creator auf YouTube, dass zwar weiterhin Videos monetarisiert werden können (wenn diese werbefreundlich sind), aber der Umsatz mit AdSense wird weiter signifikant sinken und jeder Werbedollar oder Euro, kann jederzeit von den großen Playern herausgezogen bzw. umgeschichtet werden.

Doch wie genau funktioniert YouTubeTV und welche Folgen hat das für den deutschen Markt? Fortsetzung Folgt…

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