“Wir leben in einer Zeit, in der Universum aufgewacht ist und sich seiner selbst bewusst wird”

Stephen Hawking

Umwabert die oben geschrieben Zeilen ein positiver, in die Zukunft schauender Farbglanz, oder lassen sie einen innehalten, stutzen und alles Kommende mit anderen Augen sehen?

Stephen Hawking, einer der brillantesten Köpfe unserer Zeit und renommierter Physiker sprach eben diese Worte auf der “Zeitgeist 2015”-Konferenz in London vor einigen Wochen. Es geht um die Zukunft der Welt: “Computer werden die Menschheit mithilfe künstlicher Intelligenz in den nächsten 100 Jahren übertreffen”, sagte Hawking, „Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden — und möglicherweise auch das letzte.“ 100 Jahre sind keine lange Zeitspanne und vor allem nicht, wenn es eventuell das letzte Ereignis der Menschheit ist. Wie man sich auch auf die Ankunft von Außerirdischen vorbereiten würde, so sollte man es auch jetzt tun, wenn die künstliche, von uns erschaffene Intelligenz, in Verdacht steht, uns bald zu überflügeln.

Die künstliche Intelligenz ist offenbar eine nicht definierbare Größe in unserer heutigen Zeit. Kampfroboter scheinen nur der Anfang oder eben das Ende zu sein. Kontrolliert in 100 Jahren oder schon weitaus früher eine Tech-Elite aus hochintelligenten Programmieren und Robotern als deren Handlangern unsere Welt und damit unser Leben?

Doch halt! Liegt es nicht bislang in unseren Händen die Geschichte weiter zu schreiben? Sind unsereins nicht bis dato die einzigen erfolgreichen Programmierer? Sollten wir nicht unser Wissen nutzen, um mithilfe der Computer, Roboter und Software Krankheiten zu heilen und die Armut zu bekämpfen? So bemerkt auch Hawking, dass künstliche Intelligenz künftig allein dazu da sein müsse, der Menschheit zu dienen — die Ziele der Menschheit als ihre eigenen Ziele zu sehen.

Wenn wir die Sache mit der künstlichen Intelligenz und dem Voranschreiten der Verselbstständigung datenbasierender Systeme sowie deren Einfluss auf das tägliche Leben und unsere Arbeit beschränken (und ich meide bewusst das Thema Abhörskandal), landen wir schnell bei der Diskussion, die Ende Juni durch die Medien tobte: die Einschätzung menschlichen Potenzials für einen bestimmten Aufgabenbereich von einer Software. Wussten bis vor einigen Jahren nur unsere direkten Kollegen (wenn überhaupt) wie motiviert wir bei der Arbeit sind, so hinterlassen wir heutzutage unsere digitalen Spuren. In immer mehr Branchen wird mithilfe von Informationstechnologie gearbeitet, meist auch mit Anbindung an das Internet. So kann das Verhalten fast aller Mitarbeiter lückenlos dokumentiert, eingesehen und von Software bewertet werden.

Billy Beane ist das große Vorbild dieser People-Analytics-Gemeinde. So formte er als Manager des Baseball-Teams Oakland Athletics mithilfe von mathematischen Analysen eines der besten Teams in der Geschichte des Sports. Wal-Mart, Credit Suisse, General Motors, Goldmann Sachs und Johnson & Johnson sind nur ein paar Beispiele für Unternehmen, die gelernt haben, Software dafür zu nutzen, die besten Mitarbeiter einzustellen, für eine positive Grundstimmung zu sorgen, Angestellte neu zu integrieren sowie nur leistungsstarke und gesunde Mitarbeiter zu beschäftigen. Mails werden nach bestimmten Logarythmen untersucht, um gewinnbringende Charaktereigenschaften der Beschäftigten heraus zufiltern und Stimmenanalysen werden zur Glaubwürdigkeit des Mitarbeiters durchgeführt. Aber auch für strategische Fragen, die das Unternehmen betreffen, wird Software zurate gezogen.

Hierzulande sind solche Beispiele noch selten, denn in Deutschland existieren bis dato vergleichsweise strenge Datenschutzrichtlinien. Zudem mangelt es meist auch an technischem Know-how und der verfügbaren Datenmenge.

Dennoch scheint der Weg, auf dem wir uns derzeit befinden relativ eindeutig: Nie gab es mehr personenbezogene Daten in Unternehmen, nie waren Personaler aller Branchen und Länder entschlossener, diese zu nutzen.

Erschafft die Digitalisierung also den gläsernen Mitarbeiter? Entscheiden künftig Algorithmen darüber, wer als umsatzstärkster Mitarbeiter aufsteigt oder als charakterloser Looser fliegt? Ersetzt der Computer künftig den Personaler?

Doch sollten wir uns bei all der Digitalisierung und Hysterie immer wieder vor Augen führen: Programme sind unfähig, die zwischenmenschliche Chemie zwischen Bewerber und Unternehmer zu erfassen. Würde ein Computer einen genialen Chaoten nicht aussortieren — gerade denjenigen, der aufgrund seines Charakters dem Unternehmen den vielleicht fehlenden kreativen Impuls geben könnte? Und umgekehrt bieten Programme aber auch Personen eine Chance, die wir nach unserem ersten Bauchgefühl ausschließen — fachlich jedoch ideal passen würden.

Das menschliche Bauchgefühl hat eben zwei Seiten — unersetzlich, aber auch fehlbar. Wir sollten doch in der Verantwortung handeln, eine Balance zwischen zwischenmenschlicher Chemie, gesundem Menschenverstand und technischer Software in unser Leben zu integrieren. So werden wir in 100 Jahren vielleicht auch nicht das letzte Ereignis der Menschheit feiern, sondern eines von vielen kommenden.

„Lasst uns dafür sorgen, dass die Weisheit siegt.“ Stephen Hawking

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