Multimedialer Journalismus: Tipps aus dem Alltag für kleine Redaktionen

Das Handout zu meiner Präsentation am MAZ Multimediatag ‘17

Unsere Ausgangslage

Die «Schaffhauser Nachrichten» betreiben erst seit September 2016 auf shn.ch eine richtige News-Plattform. Als vergleichsweise kleine Regionalzeitung wurde allerdings stark in den Online-Bereich investiert.

Der sogenannte Online Produktionspool (OPP) besteht aus vier Personen, welche die Website während sieben Tagen aktuell halten. Dabei besteht die Hauptaufgabe aus der Aufbereitung der Printartikel für die Website. Zusätzlich beziehen wir Inhalte des «Schaffhauser Fernsehens» und vom «Radio Munot», die ebenfalls zum Medienhaus Meier gehören.

Der OPP ist zudem verantwortlich für Inhalte, die ausschliesslich online erscheinen: Quiz, Webvideos, interaktive Elemente, usw.

Unsere Challenges

Trotz der grossen Investitionen ist das Budget knapp. Wir arbeiten mit wenigen Ressourcen, sowohl zeitlich als auch finanziell. Deswegen wägen wir bei multimedialem Content immer Kosten und Nutzen ab. Dabei stellen wir uns die Frage:

Wie können wir mit einem Minimum an Aufwand den maximalen Effekt erzielen?

Eine weitere Herausforderung ist es, die Balance zwischen unterhaltendem und journalistischem Content zu finden. Aktuell produziert der OPP noch vorwiegend unterhaltende Elemente und bezieht den seriösen Inhalt aus der Printausgabe. Hier versuchen wir, Teile der Storys multimedial aufzubereiten.

Wie shn.ch Mehrwert durch Multimedia generieren

In einer Sitzung mit dem Chef vom Dienst besprechen wir die Folgewoche und suchen uns Geschichten, zu denen wir multimediale Inhalte produzieren können. Dabei bietet uns die Kosten-Nutzen-Rechnung einen Wegweiser. Andererseits stellen wir uns stets die Frage:

Gibt es ein Element, das sich durch Multimedia besser erzählt lässt als durch Text?

Hier lohnt sich das Buch «Die Kunst der Story» von Marlis Prinzing. Insbesondere folgende Tabelle:

Haben wir potentielle Geschichten identifiziert, planen wir die Elemente, koordinieren uns mit den JournalistInnen, fixieren Drehtermine, erstellen Grafiken, Karten, Timelines oder ein Quiz. Das Ziel ist immer:

Können wir den Printartikel so aufwerten, dass es sich lohnt, shn.ch zu besuchen?

Behält man diese Fragestellung im Kopf, kommt man praktisch immer mit Erfolg zu einem guten Ergebnis für multimediale Inhalte.

Beispiele

Wie wir Online-only Content für shn.ch produzieren

Lokalkolorit ist Trumpf.

Jeder Inhalt, mit dem sich die User identifizieren oder eine persönliche Verbindung aufbauen können, wird erfolgreich sein. In Schaffhausen sind das insbesondere: der Rheinfall, der Munot und der FC Schaffhausen.

Aber auch sonst hat Online-only Content grosses Potential, wenn er lokal angehaucht ist. Zwei unserer erfolgreichsten Formate sind «Region von oben» und «Verborgene Ecken von Schaffhausen».

In der «Region von oben» fliegen wir mit der Drohne über die Dörfer der Region. «Verborgene Ecken von Schaffhausen» ist ein Bilderquiz, bei dem die User das Bild einer Gasse, Strasse, o.ä. in der Stadt zuordnen müssen. Beide Formate sind banal, mit wenig Aufwand verbunden, sorgen aber für viel Traffic. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht auf.

Andere Formate, die für viel Aufmerksamkeit sorgen, sind Webvideos. Entweder ist sind es schlicht Impressionen von einem Anlass oder aber Webvideos mit erklärenden Texteinblendern. Zudem versuchen wir auch, die LeserInnen mit ihren Beiträgen wenn möglich einzubinden.

Der Vorteil von viel Video-Material ist, dass man sich ein umfassendes Archiv aufbauen kann. Wir waren schon mehr als einmal froh, Material wiederverwenden zu können.

Experimente sind Trumpf.

Da wir praktisch nur mit kostenlosen oder sehr günstigen Tools arbeiten, sind Experimente für uns kein Risiko. Wichtig ist, dass man sich die Inhalte später nochmals genau anschaut und analysiert: Was kann man beim nächsten Mal besser machen? Hat sich das jetzt gelohnt oder können wir auf solche Inhalte verzichten?

Beispiele:

Wir haben kein Online-Team. Wie kann ich trotzdem multimediale Inhalte produzieren?

Neugier ist Trumpf.

Auch als normale Printredaktorin oder –redaktor hat man sein Smartphone immer in der Tasche. Diese Wundermaschinen können praktisch alles, was teures Equipment auch schafft: radiotaugliches Audio aufnehmen, Filme drehen und schneiden, Bilder schiessen und bearbeiten. Das einzige, was es dafür braucht: Der Wille und etwas Mut, das Experiment mitzumachen. Und es ist wie mit allem im Leben: Übung macht den Meister.

Auch viele der visuellen Tools für Grafiken oder Karten sind kostenlos verfügbar, werden ständig benutzerfreundlicher und brauchen so immer weniger Einarbeitungszeit. Bei den «Schaffhauser Nachrichten» ermutigen wir die Printredaktion, Videos mit dem Smartphone zu drehen und bieten Hand für Tipps und Verbesserung.

Beispiele:

Unser Equipment

Mein persönliches Zusatz-Equipment

Unsere Apps und Tools