R.I.P YouTube

Früher war halt doch alles besser…

Mein erstes Video ist gerade mal seit ein paar Stunden online und das Erste, was ich als Gegenreaktion bekommen habe, ist ein Dislike. Obwohl das Video schon ziemlich professionell ist.

Vor ungefähr 4 Jahren hatte ich auf meinem allerersten Kanal ein Handyvideo von der Mottwoche auf meinem Gymnasium hochgeladen. Über 1000 Klicks und 4 Likes; keine Dislikes. Und das Video war richtig schlecht.

Über die Jahre hat sich das Internet verändert. Inzwischen kann man sogar über Instagram „berühmt“ werden. Aber YouTube hat sich am stärksten geändert.

Vor ein paar Jahren konnte man noch Katzenvideos hochladen, die sich Leute sogar angeschaut haben. Auch Alltägliches wurde gern gesehen. Sogar das Video von einem Typen aus meiner ehemaligen Klasse war beliebt. Und der stand nur vor der Turnhalle und hat rumgeschrien.

Guckt man heute auf YouTube, sieht man eigentlich nur dasselbe; nur von verschiedenen Leuten. Gaming, Beauty, Reaction Videos…

Nur durch solche Videos werden Leute neuerdings berühmt. Aber wieso?

Ich persöhnlich bin kein großer Fan von YouTubern. Gerade die Deutschen sind mir ein Dorn im Auge. Wären ihre Fans nicht so um die 12, würde die keiner kennen.

Deren Content ist weder kreativ, noch unterhaltsam. Durch versteckte Produktplatzierungen machen die Meisten das ganz große Geld. Ihnen geht es gar nicht darum, die Fans zu unterhalten; es geht ihnen nur ums Geld.

Seitdem man mit YouTube-Videos Geld verienen kann, hat YouTube seinen Charm verloren. Es geht nicht mehr darum, der Welt zu zeigen, was man kann oder was gerade passiert ist, was andere interessieren könnte.

Und hast du keine Connections, sieht sich auch keiner deine Videos an.

Man muss jetzt einem Netzwerk beitreten, um die Videos an den Mann zu bringen. Man muss so sein wie die ganz großen YouTuber.

Es gibt zwar Leute, die es auch ohne schaffen; ich gehöre schon einmal nicht dazu.

Ich habe sehr viel Zeit und Mühe in mein Video gesteckt. Es ist natürlich klar, dass sich die Leute das nicht sofort nach Veröffentlichung anschauen; es ist halt nur sehr frustrierend, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Videos disliken nur weil du gerade einmal neun Abonnenten hast.

Ob es einfach nur ein troll war oder ob die Person mein Video wirklich schlecht fand; es motiviert mich nicht gerade dazu weitere Videos hochzuladen.

Mir ist ja eigentlich egal, was andere Menschen von meinem Zeug halten. Ich mache das ja nur zum Spaß. Aber dadurch wird mir auch das genommen.

Es gibt mir das Gefühl, dass sich keiner mein Zeug anschauen will; dass ich gerade zwei Tage für nichts verschwendet habe; dass sich keiner für mich und meine Hobbys interessiert.

Ja, gerade der Gamingbereich ist sehr überfüllt. Es gibt wesentlich bessere Gamer als ich. Trotzdem möchte auch ich Menschen unterhalten. Aber YouTube macht das so gut wie unmöglich.

Es ist aber nicht nur YouTube selbst; die Zuschauer, die Viewer, tragen Mitschuld.

Anstatt gegen dieses System anzukämpfen, gucken sie lieber weiter Schleichwerbung à la Dagi Bee.

Mein Lieblingskanal, drcoolsex, war einer der Besten. Der womöglich einzige Grund, warum sie keine Videos mehr machen, ist wohl die neue Generation YouTuber. Ein Talent zu haben, wird inzwischen überbewertet. Hauptsache du hast eine Spiegelreflexkamera von Canon und Connections zu C-Promis.

Aber es wird noch besser…

Große Firmen können und werden mit deinen Videos Geld machen. Selbst wenn du keine Werbung schaltest und du so gut wie gar nichts dafür verdienst; Plattenfirmen und Spielehersteller monetarisieren deine Videos. Und man kann nichts dagegen tun.

Ich hoffe ja insgeheim, dass die Generation YouTube aus ihrer Phase herauswächst. Es wäre schön, wenn wir irgendwie wieder zurück zu den Wurzel finden und einfach Spaß am Videos machen haben könnten, ohne, dass ich von YouTube verwarnt werde, wenn drei Sekunden lang mal ein kopiergeschütztes Lied im Hintergrund läuft.

Das wird allerdings nie geschehen.

Willkommen im Kapitalismus.


Nachtrag (08.08.2016): Der Britische YouTuber I Hate Everything (“IHE”) hatte bereits im Vorfeld ein Video zu diesem Thema hochgeladen:

Es ist aber nicht nur YouTube; heutzutage wird man sogar schon durch Instagrambilder oder Lip-Syncing berühmt — 13-Jährige werden allein durch die Nutzung der App musical.ly über Nacht zu “Celebrities”, weil sie ihr Lippen zu einem Song aus den aktuellen Charts bewegen.

Aber solange sich diese Generation den selben (ich sage jetzt mal) Müll anschaut, wird sich auch nichts ändern. Erst, wenn sie selber ihren eigenen Content produzieren wollen, werden sie merken, dass sich doch einiges geändert hat.

Is it just me or does it seem Youtube really really sucks now? It all started when google got ahold of it too. Now you get these broadcasters who are little overly emotional kids, and they go on and on and on and on and on about the same pointless nonsense for months and years about what someone else said that was offensive on in the media or on youtube. It’s almost like watching a bunch of female hens in a chicken coop clucking back and forth to get subscribers. Then you get broadcasters like PewDiePie that act like idiots or make childesh gestures and sounds like it’s somehow funny? All these people all they do is argue, act stupid, complain and bitch about things in their videos. I don’t see why people find this entertaining. These people seem like media whores. And if you notice they always dress up, or put on makeup before they broadcast themselves to almost seem as if they are “unique” or special in some way. (…) — Trash
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