Einige Gedanken zu Joshua Topolskys „The Outline“

Startseite. Hübsches Design, das sich aber teilweise selbst (und dem Nutzer) im Weg steht.

„Die Zukunft der Magazine“ hat Benjamin Mullin es bei Poynter genannt: Joshua Topolskys neues Projekt „The Outline“. Ich kenne Topolsky vor allem von The Verge und war sehr fasziniert davon, wie konsequent und gut er diese neue Tech-Seite damals mit seinem Team auf die Beine gestellt hat (nach seinem Weggang hat sie viel von ihrem Reiz verloren).

„The Outline“ möchte nun so etwas wie der „New Yorker“ in digital sein: ein Magazin mit ungewöhnlichen Stories, das sich nicht an eine möglichst breite Leserschaft richtet, sondern an eine kleine, feine Zielgruppe, die es dafür (hoffentlich) um so inniger liebt.

Was mir daran gefällt:

  1. „The Outline“ besteht vor allem aus zwei Dingen: Zum einen langen, selbst geschriebenen Geschichten, die man so nicht unbedingt andernorts findet. Zum anderen kurze Infobits, die oftmals auf andere Websites verweisen. Anstatt also die Artikel anderer einfach ab- und umzuschreiben, wie es viele Newswebsites tun, konzentriert sich das Team auf die eigenen Inhalte und verfährt hier wohl nach dem Prinzip „weniger ist mehr“. Zugleich kuratiert man aber interessante Zitate und Erkenntnisse aus dem Web. Finde ich sinnvoll und es wäre klasse, wenn noch viel mehr Seiten davon weggehen würden, dieselben Newsschnipsel über dieselben Themen zu schreiben.
  2. „Weniger ist mehr“ gilt auch bei der Werbung, mit der „The Outline“ finanziert werden soll. Die Anzeigen erinnern mehr an gedruckte Magazine. Derzeit gibt es drei Sponsoren, die immer mal wieder großformatig auftauchen. Pro Jahr soll es nicht mehr als ein Dutzend Werbekunden geben. Diese Exklusivität wird die Werbepreise sicherlich entsprechend hochtreiben. Zugleich ist die Seite nicht mit Reklame vollgemüllt.
  3. Das Design versucht etwas Neues. Viele Seiten sehen heute ja nahezu gleich aus. Hier hat man sich einmal daran gewagt, mit einigen Gepflogenheiten zu brechen. Vieles erinnert an Snapchats „Discover“ und das Design funktioniert auch am besten auf einem Smartphone.
Einer dieser Links (?) führt zu einem Kommentar über Facebooks Instant Articles. Natürlich sieht man das nicht. Das wäre ja auch zu einfach.

Was mir nicht so gefällt und sich hoffentlich noch weiterentwickelt:

  1. Joshua Topolsky sagt, dass er Geschichten neu erzählen will. Allerdings sehe ich auf der Seite derzeit vor allem lange Texte. Da hätte ich hier doch etwas mehr erwartet. Hier scheinen Geld und Mühe derzeit vor allem in das Layout geflossen zu sein. Kreative Ideen, Geschichten zu entwickeln und zu erzählen, habe ich noch nicht gesehen.
  2. Das Design wagt wie oben gesagt etwas Neues, aber ich weiß nicht, ob man wirklich gegen jede Konvention verstoßen muss. Hier scheint das Team teilweise übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Gerade lange Texte sollten meiner Meinung nach leicht lesbar sein. Das finde ich bei den Hintergrundfarben nicht immer gegeben. Die animierten Elemente sind hübsch, lenken aber ab und haben im Grunde keinen Zweck abgesehen von Schmuck. Die Navigation finde ich persönlich verwirrend.
  3. Generell lässt mich die Seite etwas ratlos zurück. Das liegt bisweilen daran, dass man meiner Meinung nach ein bisschen zu clever und anders sein will. Manchmal ist es eben doch gut, einfach zu sagen, was sich hinter einem Link verbirgt oder um welches Thema es eigentlich geht. Aber das ist mein persönlicher Geschmack.
  4. Zwar ist es gut, sich bei der Werbung zu beschränken, aber es ist etwas enttäuschend, wie konservativ das Geschäftsmodell ausfällt. Hier hatte ich mir auch einige neue Ideen und Ansätze erhofft. Großflächige, hübsch gestaltete Anzeigen kennt man schon von anderen Seiten.

Das ist erst einmal nur mein erster Eindruck, nachdem ich mir die Seite ein wenig angesehen und mir ein paar Hintergründe angelesen hatte. „The Outline“ wird sich natürlich noch weiterentwickeln und sie wird auch noch eine Weile brauchen, bis sie wirklich ihre Stimme gefunden hat. Und wer weiß: Vielleicht ist es am Ende doch „die Zukunft des Magazins“ oder zumindest „eine Zukunft des Magazins“.

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