Nicht jede Falschmeldung ist „Fake News“

Wir wissen, dass Journalisten heutzutage unter einem erheblichen Druck stehen. Sie müssen viele Inhalte produzieren, das auch noch schnell und bisweilen zu Themengebieten, mit denen sie sich nicht ausreichend auskennen. Das Internet hat den Newszyklus de facto unendlich beschleunigt — Redaktionsschluss ist immer „jetzt“. Da passieren natürlich Fehler. Zudem lassen sich falsche oder ungenaue Aussagen heutzutage von den Leserinnen und Lesern so schnell wie nie aufdecken. Entsprechend ist die Frustration mit den Medien vielerorts gestiegen.

Trotzdem ist ist deshalb aber nicht jeder fehlerhafte Artikel gleich „Fake News“.

Inzwischen wird „Fake News“ leider von manchen für alles verwendet — von der ungenauen Formulierung über die gute alte „Zeitungsente“ bis hin zur Satire. Dabei hat der Begriff zumindest aus meiner Sicht eine klare Definition, die auch wichtig ist:

Fake News sind Nachrichten, die sich einen seriösen Anschein geben, aber ihre Inhalte weitgehend oder auch komplett erfinden, um damit Abrufzahlen zu erzeugen und so Geld zu verdienen oder eine politische Agenda zu unterstützen.

Anders gesagt: Fake News sind Nachrichten, die wie Nachrichten aussehen, aber keine sind, weil sie keinen Bezug zu realen Fakten haben oder nur lose auf tatsächlichen Geschehnissen und Informationen beruhen. Sie bedienen oftmals vorgefasste Meinungen und Vorurteile, weil Menschen sich gern darin bestätigt sehen, was sie sowieso bereits glauben. Die Urheber sind sich vollkommen bewusst, dass sie Lügen in die Welt setzen.

Es ist aus meiner Sicht ein wichtiger Unterschied, ob ich als Autor einer Nachricht aus Nachlässigkeit einen Fehler mache oder ob ich mich bewusst nicht darum schere, dass meine Inhalte falsch sind, so lange sie nur möglichst viele Leser finden.

Natürlich gibt es auch hier eine Grauzone. Die nennt sich „Clickbait“: Damit sind aufregende Überschriften gemeint, die sich im eigentlichen Artikel in der Regel überraschend harmlos aufklären. Oder es wird etwas suggeriert, was dann im Text nicht vorkommt. Oder es wird bewusst ein Foto zur Illustration genutzt, das ein Hingucker ist, obwohl es inhaltlich gar nicht passt. Die Mittel und Wege sind ja bestens bekannt. Selbst von namhaften News-Websites wird da manchmal die Grenze zur Falschmeldung ausgelotet, nur um eine „klickstärkere“ Überschrift als die zahlreiche Konkurrenz zu haben.

Um die Unterschiede noch einmal auf den Punkt zu bringen:

  • Unabsichtlich fehlerhaft oder inkorrekt = im schlimmsten Fall eine Falschmeldung oder „Zeitungsente“ (unter Druck entstanden, Informationen missverstanden oder ungenau wiedergegeben, unzureichend recherchiert etc.). Hier hat also im Prinzip die journalistische Qualitätskontrolle versagt. Das Ziel war aber ein korrekter Artikel.
  • Absichtlich verzerrend = „Clickbait“, Boulevard-Journalismus à la „Bild“ (basiert in der Regel auf tatsächlichen Begebenheiten und Fakten, allerdings bewusst aufgebauscht oder zugespitzt, vor allem in der Überschrift). Das Ziel ist hier, den Beitrag so gut wie möglich zu „verkaufen“ — oftmals werden dazu journalistische Prinzipien über Bord geworfen.
  • Weitgehend oder auch vollkommen frei erfunden = „Fake News“ (dient dazu, Klicks zu erzeugen oder eine politische Agenda voranzubringen, hat mit der Wirklichkeit nur am Rande oder gar nichts mehr zu tun)

Natürlich verwendet jeder Begriffe anders. Das hier ist meine Definition. Wenn wir allerdings nun dazu übergehen sollten, jede Ungenauigkeit gleich als „Fake News“ zu bezeichnen, dann brauchen wir einen neuen Begriff für bewusst erfundene Nachrichten. Denn die sind tatsächlich ein Problem.

Tipp zum Weiterlesen

(Coverfoto: © lassedesignen — Fotolia.com)

Im UPLOAD Magazin haben wir uns in der Ausgabe „Alles Fake!“ schon ausführlich mit dem Themenbereich beschäftigt. Darin u.a.: Wie man Falschmeldungen erkennt, wie Fakes zum Geschäft werden, wie beim „Astroturfing“ Massenbewegungen erfunden werden etc. Die Ausgabe kann man hier gratis auf der Website lesen…

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