Aus Pflanzenabfall neue Produkte entwickeln und das Klima retten

Vor einem Jahr habe ich gemeinsam mit der jungen Unternehmerin Lisa Onwordi Carbon Loop Technologies gegründet, eine Start-up das mit einem sehr einfachen, aber innovativen Verfahren aus organischen Abfällen das wertvolle Produkt — Pflanzenkohle — herstellt. Ihr könnte uns beim Aufbau dieses nachhaltigen Unternehmens unterstützen, darum möchte ich Euch die Idee kurz vorstellen.

Warum Carbon Loop Technologies?
Unser Unternehmen ist Teil der weltweiten Circular Economy Bewegung, die neue, alternative Geschäftsmodelle entwickelt, um auf verantwortungsvolle Weise mit natürlichen Ressourcen umgehen. Es geht dabei vor allem um ineinandergreifende Wertschöpfungskreisläufe. Ein Gegenentwurf zu den ökologischen Einbahnstrassen, die unsern Planeten gefährden. Ein Beispiel von vielen: 95% des heute hergestellten Plastiks wird nur einmal verwendet und landet danach in Müllhalden oder im Ozean. Die Circular Economy Bewegung, macht es wie die Natur, sie betrachtet Abfallstoffe eines Herstellungsvorgangs als Rohstoffe eines neuen Produkts, das dann ebenfalls in einen natürlichen Kreislauf eingespeist wird.

Pflanzenreste und daraus gewonnene Pflanzenkohle © N. König, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem

Die Idee von Carbon Loop Technologies beantwortet gleich mehrere Herausforderungen unserer Zeit: Bioabfall wird nachhaltig entsorgt, wobei der in ihm gespeicherte Kohlenstoff nicht in die Atmosphäre abgegeben wird, sondern für Tausende von Jahren weiter gespeichert bleibt. Damit bietet das Verfahren ein wirksames Mittel gegen den Klimawandel, der Mensch und Umwelt massiv bedroht. Zum anderen hat unser Endprodukt Pflanzenkohle viele herausragende Eigenschaften, die es zu einem wichtigen Rohstoff in der Landwirtschaft, Kosmetik und Nahrungsmittelindustrie machen.

Vielfacher Nutzen für Mensch und Umwelt.
Der Markt für Pflanzenkohle entsteht gerade. Aber schon jetzt belegen wissenschaftliche Studien, das Pflanzenkohle ausgelaugte, landwirtschaftliche Böden verbessert und die Gesundheit von Tieren steigert. Gerade die letzten beiden extremen Sommer haben Landwirte für neue natürliche Produkte sensibilisiert, die ihre Böden davor schützen wegzuschwemmen oder zu vertrocknen. Pflanzenkohle kann hier helfen: porös wie ein Schwamm hat sie eine enorme spezifische Oberfläche und kann Nährstoffe und Flüssigkeiten wunderbar aufsaugen, speichern und wohl dosiert wieder an die Umgebung abgeben. Viele Kosmetikunternehmen schwören auf aktivierte Pflanzenkohle für die Haut- und Zahnpflege. Sie gilt sogar als Superfood und taucht in Restaurants und Supermärkten, beispielsweise als Zusatz für Smoothies, auf.

Kleine Pflanzenkohle Kosmetikauswahl

Wie funktioniert das Verfahren?
Der Prototyp für die Umwandlung von Pflanzenreste in Pflanzenkohle wurde von unserem australischen Maschinenbauer Jason Wingrove mit Unterstützung des holländischen Tüftlers Bram de Fries entwickelt, beide auch Gesellschafter des Unternehmens. Die ganze Anlage paßt in einen Container: über ein Förderband gelangt Pflanzenabfall (Holzschnitt, Pflanzenreste etc.) zur Pyrolyse im offenen Feuer in einen Ofen. Nachdem die Pflanzen vollständig verkohlt sind, wird die fertige Pflanzenkohle in einem Wasserbad aktiviert, grob vermahlen und verpackt. Der erste Container steht in Berlin Lichtenberg, auf dem Gelände der Stadtfarm, einer der größten Urban Farming Anlagen in Europa.

Nachhaltige Verwertung statt kostenpflichtige Entsorgung.
Um möglichst flexibel zu sein, haben wir uns für ein dezentrales System entschieden, bei dem mehrere Container zusammengeschlossen werden können. So können wir auch in kleinem Maßstab Pflanzenkohle produzieren — und trotzdem skalieren. In einem Container lassen sich pro Jahr 1000 Tonnen Biomasse zu 200 Tonnen feinster, d.h. EU-zertifizierter Pflanzenkohle verwandeln.

Die Container stellen wir dort auf, wo Pflanzenabfälle anfallen und oft kostenpflichtig entsorgt werden müssen — insbesondere in Kommunen und in der Landwirtschaft. Die lokalen Partner profitieren davon, dass wir ihnen nicht nur den Müll kostenlos entsorgen, sondern sie auch die beim Verbrennungsprozess entstehende Abwärme nutzen können, um Gewächshäuser oder andere Gebäude zu beheizen. Zudem können wir mit der Anlage Elektrizität erzeugen, die unter Umständen bereits den gesamten Prozess finanziert. Die Pflanzenkohle wiederum wollen wir über unseren Online-Shop und den Agrarhandel europaweit vertreiben.

Der Container mit dem CLT Prototyp

Bei Carbon Loop handelt es sich um ein Low-Tech Verfahren im Gegensatz zu den bisherigen High-Tech Anbietern, können wir Pflanzenkohle extrem günstig produzieren und verkaufen. Damit haben wir auch schon den ersten Preis gewonnen: die Schweizer Agri&Co Challenge, die es uns ermöglicht den schon weiter entwickelten Schweizer Pflanzenkohle Markt kennenzulernen.

Was kannst Du zu dem Projekt beitragen?
Wie in jedem Startup ist das Carbon Loop Team momentan gleichzeitig dabei die Technologie marktreif zu entwickeln, den Markt besser zu verstehen, lokale Partner für die Aufstellung der Container zu gewinnen und den Vertrieb aufzubauen. Parallel dazu läuft die Finanzierung. Und hier möchte ich Euch, meine Freunde, mein Netzwerk, ansprechen und um Unterstützung bitten. Und zwar gleich zweimal!

Gib uns Deine Stimme beim WiWin Award.
Bis zum 15. Oktober könnt ihr für Carbon Loop Technologies beim WiWin Award abstimmen. Wir sind dort unter den letzten 10 Unternehmen, die sich um €500.000 bewerben. Mit eurer Stimme können wir es unter die letzten 5 schaffen, die dann wiederum vor einer Jury um den Hauptpreis pitchen.

Hier könnt ihr abstimmen: https://wiwin-award.de/
(Nach der Stimmabgabe müßt ihr nochmals eure E-Mail Adresse bestätigen).

Wir laden Dich ein, ab November, Anteilseigner zu werden.
Unabhängig davon ob wir bei WiWin gewinnen, werden wir im November mit einem Crowdinvesting starten. Mit Investments ab €500 könnt ihr Unternehmensanteile von Carbon Loop Technologies erwerben und seit damit am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Mehr Infos folgen, sobald die Kampagne steht.

Danke fürs Mitmachen!

PS. Ich werde in den nächsten Monaten regelmäßig über den Fortschritt beim Aufbau des Unternehmens bloggen. So können andere Gründer, die systemische Geschäftsmodelle aufbauen, von unseren Erfahrungen hoffentlich ebenfalls profitieren.

Update: 12.12.2018
Nachdem wir mit eurer Hilfe — Danke! Danke! — unter die letzten fünf Unternehmen gekommen sind, haben wir den WiWin Award dann doch leider nicht gewonnen. Aber wie man auf diesem Photo sehen kann, hat uns das nicht die Laune verdorben und wir machen guter Dinge weiter.

Das CLT Team: Bram, Marie, Joana, Matthias (WiWin Gründer), Lisa, Sirka und Jason