Eine Fortsetzungsgeschichte (Advent 2018)

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Samstag, ein perfekter Tag zum Handtaschenklauen. Unter der Weihnachtsbeleuchtung drängen sich die Leute. In dieser kostspieligen Jahreszeit wird es früh dunkel. Viele haben Lohn bekommen und die Taschen sind voll.
Frauen bewahren all ihre Wertsachen in einer Handtasche auf. Hast Du Dir das bewusst gemacht und Du brauchst Geld, ist es nicht mehr weit bis zum ersten Mal. Wenn Du möchtest, nehme ich Dich mit.
Vorab zwei Dinge. Erstens beklaue ich keine klapprigen alten Damen. Das wäre unfair. Erwischte man mich, würde ich vor einem Richter als besonders gemein dastehen. Wir leben eh in einer Rentnergesellschaft, in der wir Jungen einen schweren Stand haben.
Übrigens führen die meisten alten Damen nur Krimskrams in ihren Handtaschen mit sich, Klappschuber mit Fotos von ihrem Mann, der seit zehn Jahren tot ist, oder gammlige Bananen als Wegzehrung. Alte Damen führen immer Essen mit sich, und natürlich Taschentücher, oft noch echt aus Stoff, und oft auch schon benutzt. Woher ich das weiß? Als wenn ich keine Oma hätte!
Zweitens beklaue ich Frauen, von denen ich denke, dass es denen nicht schaden wird. Nein, ich studiere diese Frauen nicht stundenlang. Das würde auffallen. Aber für einen prüfenden Blick langt meine Zeit.
Ich beklaue am liebsten dumme Ziegen. Meistens sind die zwischen Zwanzig und Dreißig. Ich entscheide nach den Schuhen. Eine, die mir hinterherläuft, kann ich natürlich nicht brauchen. Also hochhackige Ziegen, wie wir sie alle kennen, gern auffällig geschminkt und mit teuren Frisuren. Ich möchte in der Handtasche später ja schon ein lohnendes Portmonee finden. Mit ein paar Tampons ist mir nicht geholfen.
Du kannst es so sehen: Ich beklaue junge Frauen, die damit früh im Leben noch etwas lernen können. Sie lernen, vorsichtiger zu sein. Begreifen, dass uns in dieser Welt alles abhanden kommen kann. Eine Erkenntnis, die niemand beim Samstagsshopping sucht, aber jeder gebrauchen kann. …


Aus: “Bielefeldbuch”, Verbrecher Verlag, Berlin 2003

Im Frühjahr 1978 nahm mich mein Vater bei der Hand. Wir sollten doch mal die Einweihung der Endstation sehen gehen. …


Alle Tweets vom 22.12.13 in chronologischer Reihenfolge, am besten abzurufen via twitter.com/tw1tternovelle

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@jochenmoeller
22.12.13 07:45

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Dies ist Fiktion. Alle Personen, Vorfälle und Dialoge entstammen meiner Fantasie und haben keinerlei Vorbilder in der Realität.
22.12.13 07:47
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Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig.
22.12.13 07:48

Hecht Raber @hechtraber
heute Mut gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiss es nicht.
22.12.13 07:52
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Hecht Raber @hechtraber
Ich starre hier auf meinen kaffee.
22.12.13 08:06
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Hecht Raber @hechtraber
falls ihr ihn sehen wollt pic.twitter.com/IslHxxPH16
22.12.13 08:10

Hecht Raber @hechtraber
trübe tasse
22.12.13…

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