ZHayats Tasche (23/24)

Kennst Du dies Gefühl, wenn oberflächlich alles wie immer ist, und doch irgendetwas anders? Wenn das Gefühl einmal da ist, braucht es meist nicht mehr lange, bis sich alles aufklärt.
Die Fußmatte sorgt für das unvermeidliche Knarzgeräusch. Ich sehe Job hinter der Ladentheke. Gehe auf ihn zu. Gerade daddelte er noch an seinem Handy. Nun nimmt er mich fest in den Blick.
„Ich möchte Deine Handys nicht mehr annehmen“, sagt Job mir ins Gesicht. „Das habe ich Hayat versprochen.“
„Hayat“, sage ich nur.
„Ja, Hayat.“ Job ist kein Angeber, das kann ich wirklich nicht behaupten. Aber er wirkt wie ein Angeber, als er sein Iphone von der Ladentheke aufnimmt und mir den Bildschirmschoner zeigt. Es ist ein Selfie von ihm mit Hayat. Sie stehen an einer Glühweinbude.
Was würdest Du jetzt tun? Dich abwenden und gehen? Das zumindest tue ich. Gedanken, die dabei durch meinen Kopf dröhnen, lähmen mich. Ich überlege kurz, ob ich „Tschüss“ sage. Und da macht die Fußmatte schon wieder ihr Geräusch und ich stehe an der frischen Winterluft.
In der Kälte lässt sich´s schlecht grübeln. Mir passt es gerade ganz gut. Deshalb ist es auch okay, dass Windböen eisig in meinen Kopf stechen. Ich ziehe meine Pullikapuze unter der Jacke hervor. Muss dringend in Gang kommen. Meine Füße sind schon kalte Klumpen.
Hier verabschiede ich mich von Dir. Ich möchte für mich sein.
Ich gehe Richtung Brunnenstraße, dort gibt es jede Menge Handygeschäfte. Ich werde dort jemanden finden, der ebenfalls keine Fragen stellt, und der mir das neue alte Handy in meiner Plastiktüte abnimmt.

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