Hayat und Job (1/24)

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Dec 1 · 2 min read

“Deine Flamme is’ ne fatale Femme.”
Job lächelt, aber nur ein wenig. Er weiß, dass der Rapper Hayat meint. Er denkt sich, der Rapper ist ja nur neidisch. Und das macht Job stolz.
Am Dienstag kommt der Rapper immer in diesen Club, zum Üben, bevor die Gäste eintreffen. Die Anlage hier ist einfach zu gut, und es gibt ein kleines Podium. Ein Kumpel dreht ihm die Platten, und der Rapper schnappt sich das Mikrophon.
Job geht ein und aus in diesem Keller, und am Dienstag kommt er immer früher, um dem Rapper noch ein bisschen zuzuhören. Der ist dann schon warm und das Zuhören macht Spaß, vor allem wenn die Theke schon besetzt ist und die Kühlschränke nicht mehr abgeschlossen.
“Du denkst, Du hast's im Griff, aber mir ist bange.”
Ein gutes Jahr ist Job jetzt mit ihr zusammen, mit Hayat. Er hat sich dran gewöhnt, dass ihm alle reinreden. Dass seine Kumpels spotten, weil er jetzt mehr auf seine Klamotten achtet. Dass sie finden, er lässt sich zu selten blicken, zum Beispiel hier im Club.
Vielleicht reden sie ihm so viel rein, weil er so wenig sagt. Er hat noch nie viel geredet. Immer nur so das Nötigste. Und jetzt, wo er eine Freundin hat, bleiben noch weniger Worte für seine Freunde übrig, das stimmt schon. Aber er kann es nicht ändern.
“Du denkst sie is' gut für Dich, aber nicht mehr lange.”
Er war noch nie so lange mit einer Frau zusammen wie mit Hayat. Das wird er keinem anvertrauen. Er weiß nicht, ob es krass ist, oder eher normal, ein Jahr zusammen sein. Viel lieber wüsste er, ob es ewig weitergehen könnte mit ihnen beiden.
“Guck mal in die Bibel und dann lies von der Schlange!”
“Es reicht, Mann!” Job ist eigentlich egal, was der Rapper da bringt. Er findet den Text nur langsam durchschaubar.

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    Written by

    @jochenmoeller