Job und Hayat (7/23)

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Dec 8, 2019 · 2 min read

“Is' was?”
Leyla schreckt zurück — und ärgert sich sofort darüber. Als hätte sie Angst! Dabei hat sie nur nicht damit gerechnet, dass dieser Job noch bei Hayat im Bett liegt. Nicht gerade sexy. Sie schaut auf sein Schlafanzugoberteil. Hellblau, ganz schön opamäßig. Vielleicht ist es ja von seinem Opa.
“Ja, sorry, ich will mir einen Bettbezug leihen!” Etwas Besseres fällt Leyla gerade nicht ein. Wo sie schon mal im Schlafzimmer steht…
“Na, dann mach halt”, sagt er und dreht sich auf die Seite, ihr am Schrank den Rücken zu. Besser so.
“Hast du nix zu tun?”
“Nee. Machen erst um 11 auf.”
“Und wo ist Hayat?”
“Im Büro.“
Im Dezember ist Hayat wirklich nur am Arbeiten. Sie macht alle möglichen Endabrechnungen. Leyla weiß das.
Warum nur schwört ihre große Schwester auf diesen Typen? Auf einmal kam sie mit ihm an. “Job hat mein Handy gefunden!” Muss man deswegen gleich durchdrehen? Hayat glaubt anscheinend an Schicksal, an die Sterne, an Vorbestimmung.
Am meisten macht Leyla verrückt, dass dieser Job den Mund nicht aufkriegt. Mit ihr will er sowieso nicht reden. Das geht gar nicht. Sie ist Hayats Schwester! Glaubt der, er kann einfach hier reinschneien, wie er mag?
Dabei hat Hayat ihr immer Vorträge gehalten! “Finger weg von den Deutschen, Schwester! Sind doch eh alle nur kalt. Wir sind hier in Berlin. Hier laufen echt alle Nationalitäten rum. Such dir einen Latino, so einen schnuckeligen. Keinen Zwerg natürlich! Mach Tango, kein Salsa. Die da hin gehen wollen alle nur vögeln.“
Kein Deutscher! Beherzigt haben sie es beide nicht. Leylas Idiot hieß Heinz — Heinz! Dann ist er auch noch im Knast gelandet und irgendwann hat sie einfach Schluss gemacht. Und Hayat hat diesen Handyfuzzi aus dem Wedding aufgelesen. Schon irgendwie Schande! Dafür braucht sie nicht ihre Eltern, um das zu wissen.
Sie nimmt irgendein Spannlaken und geht ohne ein weiteres Wort.

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    @jochenmoeller