Metzgermeister Sepp macht Influencer Relations

Ein Buzzword, das zurzeit Unternehmen, Agenturen und Medienhäuser verrückt macht. Dabei machen wir Influencer Relations schon seit Jahren. Nur hat das Ganze kürzlich einen Namen erhalten. Lasst uns kurz an einen Tisch setzen und unaufgeregt anschauen, was Influencer Relations im Kern ist und was der Metzgermeister damit zu tun hat.

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Social Media: Der digitale Stammtisch

Früher traf man sich in der Beiz, setzte sich an einen Stammtisch und diskutierte. Ruedi, Peter und Franz tauschten die neusten Jagdgeschichten aus und Sepp, der Metzgermeister aus dem Dorf, gab leckere Zubereitungstipps. Am Nebentisch wurde vom Frauenverein interessiert die neue Häkeltechnik von Vreni diskutiert und Heidi aus dem «Wullelädeli» brachte die neusten Strickmuster-Trends mit.

Aufgrund der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung ist im Internet der «digitale Stammtisch» entstanden: Social Media.

In den Social Media findet jeder seinen passenden «Stammtisch». Und wie früher setzen wir uns auch heute nicht bloss an einen. In eine Bar geht man eher zum Flirten und in die Beiz, um sich mit Freunden auszutauschen. Ebenso unterschiedlich ist die Nutzung von Facebook, Instagram und Co. Und egal ob an Stammtischen oder in Kanälen, an beiden Orten treffen Privatpersonen und Unternehmen aufeinander.

Quelle: https://www.schweizer-illustrierte.ch

Influencer Relations im Jahre 1987

Ja, das haben Menschen bereits vor dreissig Jahren gemacht. Um beim einfachen Vergleich mit dem Stammtisch zu bleiben:

Metzgermeister Sepp hat eine seiner neuen Reh-Spezialwürste in die Beiz mitgebracht. Die passionierten Jäger am Stammtisch dürfen als erste ein «Rädli» ausprobieren. Peter, Präsident des Jagdvereins, ist begeistert. Für das bevorstehende Herbstfest des Jagdvereins bietet ihm Metzgermeister Sepp an, vor Ort die Reh-Spezialwürste auf dem Grill zu brutzeln.

Das Herbstfest wird gut besucht und ein voller Erfolg. Nach dem Anlass bringen mehrere Jäger ihre Beute zum Weiterverarbeiten beim Metzgermeister vorbei. Die Metzgerei im Dorf braucht dringend Nachschub, die Reh-Spezialwürste sind mittlerweile in der ganzen Region bekannt und beliebt.

Influencer Relations sind im Kern nichts anderes als das, was die Menschheit seit jeher macht: Netzwerke und Beziehungen pflegen.

Mit den gesellschaftlichen Entwicklungen haben sich über die Jahre lediglich einige Details verändert:

Ergaben sich früher Netzwerke eher zufällig im engen Umkreis, weil man sich irgendwo über den Weg lief, suchen heute Unternehmen im Internet sehr gezielt und weltweit nach Influencern. Darum machten sich früher bei einer Zusammenarbeit die involvierten Personen kaum Gedanken über ihre Rolle. Ganz im Gegensatz zu heute, wo sich Influencer auch gerne so nennen und sich in dieser Rolle inszenieren. Es erstaunt daher wenig, dass Unternehmen heute oft den Fokus auf grosse Reichweite legen. Früher war die gemeinsame Zielgruppe bereits der Grund für das zufällige Kennenlernen und stand entsprechend auch bei der Zusammenarbeit im Zentrum.

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Der «Schnurri» vom Stammtisch #Werbung

Was früher war, gilt heute noch: Der Lauteste am Stammtisch ist nicht automatisch der Glaubwürdigste. Der «Schurri» geniesst in der Zielgruppe oft nicht das höchste Vertrauen. Dies gewinnen eher Personen, die glaubwürdig und authentisch auftreten. Das gilt auch heute noch: Zielgruppenrelevanz vor Reichweite.

Ebenfalls betreffend Nachhaltigkeit dürften sich Unternehmen und Influencer gerne öfters an die «guten alten Zeiten» erinnern: Früher wurden Beziehungen langfristig gepflegt weil das Thema/Produkt einander verband und eine persönliche Leidenschaft und nicht die persönliche Bereicherung im Vordergrund stand.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst …

Gerade mit der Digitalisierung werden persönliche Beziehungen und die Pflege dieser zukünftig noch wichtiger. Nennt es Influencer Relations, Wurstmarketing oder wie es euch gefällt. Aber besinnt euch zwischendurch, um was es im Kern eigentlich geht.

Und da ich noch immer am Stammtisch sitze und mein Monolog beendet ist, lade ich euch gerne auf einen Dialog ein. Die erste Runde geht auf mich, ihr habt die Hände frei zum Kommentieren.