Innovation im Anlagenbau

Anwendungen des Internet of Things und der Open Innovation Ansätze findet seine Durchdringung mittlerweile auch in Hardware Industrien wie z.B. dem Anlagenbau. Primetals, entstand 2015 aus einer Fusion von Mitsubishi-Hitachi Metals Machinery und Siemens VAI Metals Technologies und ist auf den Bau von Stahlwerken spezialisiert. Beispiele für Innovationsmanagement und die Zusammenarbeit mit Startups gibt DI, MBA Eva Tatschl-Unterberger VP, Head of eBusiness Unit am Austrian Innovation Forum 2016.

Interview von Julia Weinzettl / CEO www.taskfarm.com

DI, MBA Eva Tatschl Unterberger, VP, Head of eBusiness Unit Primetals

Primetals baut ganze Hüttenwerke, wie kann man sich das vorstellen?

Eva Tatschl-Unterberger: Wir können als Firma alle Anlagen liefern und bauen, die man braucht um Stahl und in Folge Fertigprodukte zu erzeugen. Wir sind dabei Spezialisten über die gesamte Kette, von der Erzaufbereitung bis zum fertigen Produkt und können sowohl die Langprodukte, also Drähte oder Schienen als auch die Bandprodukte bedienen. Stahlwerke bestehen aus unterschiedlichen Anlagen, die miteinander zu einem Hüttenwerk kombiniert werden, oft werden 14 bis 20 Einzelanlagen an einem Ort zusammengebaut.

Welche Produkte werden in diesen Anlagen hergestellt?

Eva Tatschl-Unterberger: Die Stahlroute beginnt in der integrierten Route mit der Aufbereitung von Erz. Dann wird Eisen in Hochöfen produziert. Wir bieten hier auch alternative umweltfreundlichere Methoden zur Eisenproduktion wie zum Beispiel Corex oder Finex Anlagen an. Dann geht es weiter in die Stahlproduktion wo wir aus Eisen Stahl machen. Dieser flüssige Stahl muss wieder verfestigt werden, das geschieht in einer Giesserei. Hierzu gibt es verschiedene Verfahren. Danach wird das Material zuerst heiß gewalzt und kommt dann zum Kaltwalzen, wo das Material immer dünner ausgerollt wird. Am Schluss steht dann die Bandbehandlung, wo beispielsweise die Galvanisierung stattfindet oder man das Blech noch einmal glüht um bestimmte Eigenschaften zu erzeugen. Alternativ bauen wir auch Elektrostahlwerke, in denen Schrott mittels Lichtbogenöfen zu flüssigem Stahl wird und danach wie gerade beschrieben weiterverarbeitet wird. Zusätzlich zu den Werken in verschiedenen Fachgebieten bieten wir die gesamte Automatisierung dieser Anlagen und die Services an, die man braucht um diese Anlagen über Jahrzehnte in Betrieb zu halten. Die Anlagen produzieren oft 40 Jahre oder noch länger, wir betreuen während dieser Zeit unsere Kunden und modernisieren immer wieder um die Performance auf Stand zu halten. Eine unserer wichtigsten Technologien ist die Umwelttechnologie. Wir leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Stahlwerke in der Nähe von Städten produzieren können und das Leben in den Städten trotzdem lebenswert ist.Unsere Werke bauen wir überall auf der Welt, zum Beispiel haben wir Werke in Sibieren, Südafrika, Brasilien oder China gebaut. Wir können sehr gut mit schwierigen Umweltbedingungen umgehen und trotzdem große Bauwerke mit Hochtechnologie erstellen.

In Ihren Anlagen hat das Thema Internet of Things in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen

Eva Tatschl-Unterberger: Für uns sind das Internet of Things und Industrie 4.0 sehr wichtige Themen. Die verschiedenen Anlagen, und einzelnen Teile einer Anlage werden noch stärker vernetzt, tauschen sich in weiterer Folge über dieses Netz aus und kommunizieren miteinander.Unsere Automatisierung optimiert bereits seit Jahrzehnten Werke erfolgreich mit sogenannten Expertensystemen. Der neue Trend im Rahmen des Internet of Things ist, dass die Expertensysteme, die wir entwickelt haben, miteinander kommunizieren. Die Anlagen tauschen sich also untereinander aus, im Werk kommuniziert sozusagen der Hochofen mit dem Stahlwerk. Dadurch kann eine viel weiter gehende Optimierung vorgenommen werden.Wir haben z. B. vor zwei Jahren auch ein neues System auf den Markt gebracht, das Through Process Optimization System, das mit allen Anlagenteilen verknüpft wird, Qualitätsdaten erfasst und die Produktion quer über die Gesamtanlage optimiert. Im Rahmen von IoT wird nicht nur die Vernetzung immer stärker, es ist auch möglich, aufgrund der Daten, die man generiert, immer intelligentere Vorhersagen zu machen und ganz neue Assistenzsysteme auf den Markt zu bringen. In diesem Bereich werden wir in Kürze zum Thema eService seine ganze Reihe an cloud basierten Systemen auf den Markt bringen.

Eine Verknüpfung von Startups mit dem traditionellen Anlagenbau ist unüblich

Eva Tatschl-Unterberger: Das stimmt. Für unsere Industrie ist es noch nicht üblich sich mit Startups zu beschäftigen. Es bekommt aber immer mehr Wichtigkeit, da durch Industry 4.0 die Softwarethemen mit den Hardwarethemen immer stärker verschmelzen. Die zusätzliche Wertschöpfung, die wir uns aus der Kombination dieser beiden Themen erwarten, bietet viele attraktive Aspekte. 
Daher haben wir die Business Factory ins Leben gerufen unter dem Motto: ‘Put your ideas to work’. Wir wollen uns mit dem Programm stärker mit Startups verknüpfen und bedienen uns bei der Business Factory der Methoden, die eigentlich aus der Softwareindustrie bekannt sind. Diese Initiative ist der Teil des Service Open Innovation Programms, der nach außen gerichtet ist. Wir betreiben gleichzeitig ein Inhouse Programm, das mit der Business Factory verknüpft ist. 
Wir versuchen hier den Open Innovation Ansatz, denn es ist in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, alles alleine im stillen Kämmerlein zu entwickeln. Man muss sich stärker vernetzen, sowohl inhouse, aber vor allem auch nach außen. Daher wollen wir ein Ökosystem der Innovation bilden, das sich durchgängig von außen nach innen und von innen nach außen erstreckt. Wir haben sehr gute und etablierte R&D Programme im Haus, denen würden wir gerne den agilen, schnellen Startup-Spirit hinzufügen. StartUps können sich auf ein schmales Spektrum konzentrieren, dort oft extreme Tiefe erreichen und sehr schlagkräftige Innovationen hervorbringen. Wir würden gerne beides vereinen.Wir haben gesehen, dass es für Startups gar nicht so leicht ist mit einem Industriekunden in Kontakt zu treten und in unserem Markt Fuß zu fassen. Als große Firma stellt man an seine Partner gewisse Forderungen, die ein Startup nicht so leicht erfüllen würde. Vielleicht weil die Startups die Reputation oder die Referenzen nicht haben. Gemeinsam können wir hier aber einen wesentlichen Schritt nach vorne machen und neue Technologien zielgerichtet und schnell am Markt etablieren.

www.primetals.com
www.businessfactory.at

About:
DI, MBA Eva Tatschl-Unterberger leitet bei Primetals Technologies, einem Joint Venture von Siemens, Mitsubishi Heavy Industries und Partners, den Geschäftszweig eService und gründete das Business Factory Programm. Mit der Business Factory möchte sich Primetals stärker mit StartUps vernetzen und die Synergien mit industrienahen Gründern zur gegenseitigen Weiterentwicklung nutzen

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