Muttertag: Es gibt 364 wichtigere Tage im Jahr

Rosen verwelken. Die Liebe zueinander hält ewig. Foto: Mike Kenneally / Unsplash

Am Sonntag ist Muttertag. Ein schöner Tag.

Es ist der Tag, den sich Mütter verdient haben. Sie werden mit Rosen und Schokolade beschenkt, mit Zeit beglückt und mit Liebe überhäuft.

Ersteres ist eine nette Geste, die kurz erfreut.

Das Zweite ist ein schöner Augenblick, der im Gedächtnis bleibt.

Und Letzteres erzeugt ein Gefühl, das Müttern und Kindern ein Leben lang Kraft gibt und für Zusammenhalt sorgt.

Mütter sind etwas Wunderbares. Nicht nur heute, sondern schon immer.

Andererseits…

Am Sonntag ist Muttertag. Ein schlimmer Tag.

Es ist der Tag, den sich Mütter eigentlich verdient haben. Sie würden eigentlich mit Rosen und Schokolade beschenkt, mit Zeit beglückt und mit Liebe überhäuft werden.

Leider sind viele Mütter nicht mehr am Leben. Viele von ihnen sind viel zu früh verstorben.

“Am Muttertag werde ich dich auf dem Friedhof besuchen kommen.”

Das schreibt Benjamin Köhler im Hamburger Abendblatt. Er ist 25 Jahre alt und hat seine Mutter vor vier Jahren verloren. Krebs. So wie ich meine Mutter, 48, im vergangenen Jahr verloren habe.

Schrecklich. Traurig. Unfassbar.

Ihr Grab, das weiß ich ganz gewiss, muss ich an Muttertag eigentlich nicht besuchen. Meine Mutter ist schließlich bei mir, egal wo ich bin. Das gibt sie mir zu spüren. Glaubst du nicht? Das ist schade, aber okay. Vielleicht machst du irgendwann andere Erfahrungen. Oder du liest ein gutes Buch.

Nie wieder wirst du mich überraschen können.

Zum Glück weiß ich, dass das nicht stimmt, was Benjamin befürchtet. Wir müssen bloß aufmerksam und achtsam sein. Nicht religiös. Das bin ich auch ganz und gar nicht.

Wenn wir, die Kinder verstorbener Mütter, verstehen und erleben, dass die intensive Beziehung zwischen uns über den Tod hinaus anhält, dann braucht es den jährlichen Muttertag nicht.

Ich bin dankbar, dass ich mit meiner Mutter so viel Zeit verbringen durfte, sodass ich jetzt sagen kann: Fast jeder Tag war auf irgendeine Art und Weise ein Muttertag.

Macht möglichst viele Tage zum Muttertag.

Die 25 Muttertage, die ich mit ihr erleben durfte, waren sehr schön, aber rückblickend bloß ein ganz winziger Teil dessen, was mir nun an wundervollen Erinnerungen bleibt.

Was viel mehr bleibt, sind die 364 restlichen Tage eines jeden Jahres. Sie gilt es deshalb so zu gestalten, dass die Beziehung zueinander gestärkt wird. Mein Tipp: Gemeinsam Zeit verbringen.

Mütter sind etwas Wunderbares. Nicht nur heute, sondern schon immer. Und für immer.

Väter übrigens auch.