Kommentar von Twitter-User @sofakante:
Tim
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Mir ist klar, dass es eine Verwechselung gibt, aber ich sehe nicht, dass der selbe Begriff für völlig andere Dinge gebraucht wird. Wenn man sich offizielle Verlautbarungen der einschlägigen liberalen Colleges durchliest, die für Triggerwarnungen argumentieren, dann merkt man recht schnell, dass eigentlich exakt das gemeint ist, was die Psychiatrie sagt, nur durch eine sehr laienhafte Brille. Das hat einen Grund,Anhänger der Triggerwarnungen sind so gut wie nie Psychologen oder Psychiater, sondern Geistes- und Sozialwissenschaftlier. Trotzdem wird behauptet, dass auch Dinge wie Rassismus und Sexismus dissoziative Zustände hervorruft, akute Panik oder Gewaltausbrüche als „Notwehr“. Stimmt aber nicht. Deswegen bin ich auch weiterhin dafür, das Wort „Trigger“ zu streichen, weil es falsche und sehr gefährliche Implikationen hat, es weiter zu benutzen.

Triggerwarnungen bewirken mehr als bloße Vermeidung. Das war nicht im Fokus meines Posts, weil es mir vor allem um geistige Gesundheit von Menschen aus Kreisen geht, die sich tendenziell gegenseitig in ihrem Vermeidungsverhalten verstärken und einen guten Teil ihres Lebens darauf verwenden, „safe spaces“ herzustellen, was sie wiederum noch labiler macht. Triggerwarnungen fördern auch eine reduzierte, kindliche Wahrnehmung von Kunst und Literatur. Sie reduzieren die Literatur auf ihre hässlichsten Inhalte. Es mag sein, dass z.B. in Ulysses von James Joyce Gewalt und Folter vorkommt, aber es macht nicht das ganze Buch aus. Tendenziell wird dann aber aus einem der größten Werke der Weltliteratur ein „Text mit Gewalt und Folger“. Ein Buch unter diesem Gesichtspunkt zu lesen ist etwas ganz anderes, als ein Buch unvoreingenommen zu lesen.

Ja, es ist sicher behaglich, wenn man vorher weiß, was einen erwartet. Aber wo weiß man das schon? Und vor allem: wie viel Energie sollte darauf verwendet werden, die Welt zu einem vorhersehbaren, behaglichen Ort zu machen? Das läuft dann nämlich genau auf die „safe spaces“ hinaus, die so angesagt sind. Allerdings verunmöglicht man so das Herausbilden unabhängiger Individuen. Die Alternative, die in der TW/Safespace-Szene dagegen gehalten wird, ist eine, in der extrem intensive, empathische Fürsorge und unbändige Aggression gegen die Außenwelt herrscht. Empirische Belege dafür gibt es genug. Man kriegt es hier mit, auf Twitter, auf einer durchschnittlichen politischen Veranstaltung an Hochschulen, in autonomen Zentren. Ich halte das für keine gute Alternative zur Zivilisation wie wir sie jetzt haben. Die ist zwar auch nicht perfekt, sondern in vielen Bereichen ziemlich mangelhaft, aber diese Mängel konfrontiert man am besten, wenn man vorher so etwas wie individuelle Ich-Stärke, also eine gewisse psychische Widerstandsfähigkeit ausgebildet hat.

Dazu noch eine einfache Analogie: Allergien sind Aversionen gegen an sich harmlose Stoffe. Mittlerweile weiß man aus medizinischen Studien, dass Allergien dadurch gefördert werden, dass eine übertriebene Hygiene in der kindlichen Entwicklung statt findet. Der heranwachsende Körper wird nie mit bedrohlichen Stoffen in der Umwelt konfrontiert und die Abwehrkräfte spielen verrückt. Münz das auf Safe Space und Triggerwarnungen um und du verstehst meine Bedenken vielleicht besser.

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