Auszüge aus dem Leben einer Essgestörten 12

Von August bis November habe ich durchgehalten. Bis heute drei mal gekotzt. Meine Sucht habe ich stramm auf Süßigkeiten verlagert, und so sehe ich auch aus. Beim Essen unter Menschen möchte ich am liebsten unter’m Tisch essen. Ich hatte auch 2–3 Tage richtig Bock eine zu rauchen, aber das stinkt und sieht scheiße aus. Diejenigen mit E-Zigarette sehen aus als hätten sie ‘ne riesen Trillerpfeife im Rachen. Nein, damit bin ich durch.

Ich habe aushaltbaren Kotzdruck — schon länger. Irgendwie bin ich mit Emotionen überfordert, mein Körper und mein Hirn werden sich nicht einig. Beim Einkaufen entdecke ich meinen Salat, den ich 1,5 Jahre nur gegessen habe. D.h. nein, morgens gönnte ich mir ein Snickers. Zack, die Falle schnappt zu und ich sitze drin. Schön schick gondel ich durch die Suchtspirale — und wie immer — ist es geil! Der Salat gehört mir, auf dem Weg nach Hause beschließe ich doch wieder zu bloggen, weil es mich irgendwie befreit. Dort angekommen denke ich an Christoph, der gesagt hätte: “Das sind die Symptome, guck’s Dir an und mach was draus!” Super Plan! Das halbe Dorf inklusive meiner Familie ist verseucht mit Fit Line, Nahrungsergänzungsmitteln, von denen ich mich Gott sei Dank noch rechtzeitig fernhalten konnte und von denen ich auch nichts halte. Meine Laufschuhe stehen immerhin schon im Schrank, Yoga ist fix, es müssen 7kg weg, am liebsten in 4–6 Wochen, der Entschluss steht fest.