Auszüge aus dem Leben einer Essgestörten VII

Den Hautkrebs bin ich erstmal los, muss jetzt halbjährlich zur Kontrolle.

Den Job habe ich auch bekommen, worüber ich mich sehr freue. Nun muss ich mich allerdings erstmal neu sortieren, weiß noch nicht, wie ich Yoga integrieren kann. Und…ach ja, da war ja noch was…Essen. Ich bin kotzfrei, habe Normalgewicht, fühle mich fett, weil ich mich immer noch nicht so bewegen kann, wie ich möchte.

Auf Grund meiner ausgestandenen Ängste und des emotionalen Stresses habe ich Süßigkeiten “inhaliert”, bin aber täglich bei maximal 1300 Kalorien geblieben. Der Suchtdruck steigt täglich, weil ich so lange nicht gekotzt habe. Beim Arbeiten habe ich auch mit Essen zu tun, das kriege ich hin.

Ich ziehe mich zurück, muss nachdenken, irgendeine Strategie erfinden, um dieses verdammte Essensproblem in den Griff zu bekommen.

Ich bin ängstlich und depressiv weil mir Yoga und meine Märsche fehlen. Trotzdem habe ich meine to do-Liste erfolgreich erledigt, aber es reicht mir irgendwie nicht. Ich kann halt nie genug kriegen, bin schließlich ein kleiner Polytox.

Immerhin schaffe ich es, den Kontakt zu meinem besten Freund wieder herzustellen, zumindest für ein vorläufiges Telefonat. Die Fronten sind einigermaßen geklärt, es soll eine Auszeit geben, er will sich melden.

Das Essen…ich habe noch keine Strategie gefunden und denke, dass das auch niemals der Fall sein wird. Einmal essgestört, immer essgestört, wie gemein! Mit dem Rauchen konnte ich doch auch vor drei Jahren aufhören und auch wenn ich fünfmal in der Woche Schmacht habe, würde ich es nicht wieder anfangen, weil es nicht mit Yoga zusammen passt.

Essen muss man, denn ohne Mampf kein Kampf! Ich bleibe bei den maximal 1300 Kalorien in Form von Twix und Salat. Gekotzt wird nur eventuell und ich traue mir Essen in der Öffentlichkeit zu, ein Anfang.

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