Auszüge aus dem Leben einer Essgestörten VIII

Es ist Samstag und mal wieder habe ich es nicht geschafft, meistens werde ich am Wochenende rückfällig. Aber ich habe den bisher längsten Zeitraum durchgehalten, 2 Monate und 9 Tage. Stolz bin ich keineswegs.

Die Ablehnung ist mal wieder der Grund. Ich fühle mich wie gelähmt und der Suchtdruck ist fast schon sensationell. Diesmal schäme ich mich schon bei der Planung meines Vorhabens. Das Übliche: schnell auf’s Rad, schnell durch den Edeka hetzen, beruhigt die Muffins in der Hand halten, an der Kasse heulen, weil man weiß, dass man gerade Scheiße baut.

Zu Hause versuche ich noch irgendwie abzuwägen und dann ist es mir egal. 1.5 l Wasser, vier Muffins und ab dafür. Es fällt mir diesmal dermaßen leicht, so dass ich mich hinterher wesentlich besser fühle. Warum? Weil man all die miesen Gefühle in die Fressattacke packt, um sie anschließend wieder auszukotzen. Man lässt es sich halt noch mal durch den Kopf gehen und ist hinterher erleichtert.

Ich müsste langsam mal lernen, mit dem Thema anders umzugehen, aber mir fehlt der Masterplan. Wie ich schon erwähnte, gibt es zwei Menschen, die mir helfen könnten, der eine ist leider verstorben, den anderen kann ich nicht bezahlen. Ansonsten sind alle Therapien ausgeschöpft. Und ich bin es auch Leid, Fragen wie “Wie geht’s Ihnen denn damit?”, “Was macht das mit Ihnen”?, “Kennen Sie das von sich?” oder “Wie fühlen Sie sich?” zu beantworten. Ich begebe mich lieber an den Ort oder in die Situation und schaue, was das mit mir macht. Ansonsten hilft Yoga ungemein gegen Depressionen und Ängste, was ich mir, denke ich, auch nicht einbilde. Sport ist auch okay.

Seit bestimmt einem Jahr müsste ich ganz dringend mal wieder so richtig heulen, alles mal raus- und loslassen, danach nur noch schlafen. Ich kann nicht, bin blockiert, kann vielleicht fünf Minuten heulen, bleibe dann irgendwie hängen. Von den Pillen bin ich Gott sei Dank runter, bekomme nur noch Lithium, was auch so bleiben wird, weil ich sonst monatelang nur im Bett bleibe wenn ich depressiv bin bzw. mich nicht pflege. Lithium lässt mich funktionieren und arbeiten, wenn auch langsamer als sonst. Es ist nicht so, dass es mich nicht heulen lässt. Aber wie kann ich rausfinden was mich blockiert? Warum fällt es mir so schwer mit Ablehnung umzugehen? Ich weiß es einfach nicht! Ich hoffe, dass ich mir Klarheit verschaffen kann, wenn ich wieder zum Yoga darf und meine Runden ziehen kann. Wandern mit einer gleichgesinnten Freundin ist für September geplant, das könnte auch was bringen.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.