Everyday life in Istanbul

Some call it chaos, some call it home stand auf einem T-shirt in einer kleinen Boutique, eine sehr treffende Beschreibung für Istanbul. Doch so sehr sie mir gefällt, muss ich doch eingestehen, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe, bis ich Istanbul guten Gewissens home nennen könnte. Zwar finde ich bereits unfallfrei und zielsicher meinen Weg zur Schule, habe einen Standardbäcker auf dem Weg um mir Frühstück zu organisieren und springe auch nicht mehr panisch bei jedem Hupen an den Straßenrand. Die Huphemmung ist generell sehr niedrig hier und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein anderer Trottel gemeint ist, der gerade im Weg steht. Dennoch bin ich weit entfernt davon, mich sicher durch den Straßenverkehr zu bewegen. Die Straße überqueren ist hier reine Willenssache und da ich in diesem Punkt eher schwach unterwegs bin, hänge ich mich gerne an Einheimische dran, die sich Geschick durch den Verkehr drängeln und auch nicht zögern, ihre Hand auf die Motorhaube eines Autos zu legen, um dieses am Fahren zu hindern. Ich halte das allerdings für eine symbolische Geste…

Teepause in einem der vielen kleinen Cafés

Einen großen Fortschritt konnte ich vor zwei Tagen erzielen, als ich lernte den Bus zu benutzen. Das Metrosystem war mir bereits bei meiner Ankunft erklärt worden und ich besaß auch längst eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr. Das Aufladen dieser Karte war aber bereits ein Abenteuer, da die Automaten der öffentlichen Nahverkehrssysteme leider keine Fremdsprachen beherrschen und ich mich gezwungen sah mit try and error das Problem zu lösen. Es hat geklappt… irgendwie. Nun wollte ich also mit dem Bus fahren, denn die Metro deckt nur sehr grob die Stadt ab und reicht längst nicht in alle Viertel. Schon an meinem ersten Tag hatte ich in einer Touristeninformation versucht ein Liniennetz oder Fahrplan zu bekommen. Alles was der Mann mir bieten konnte, war Go to the right bus stop, the bus will come! Das war nun wirklich nicht hilfreich, dacht ich bei mir, hatte aber wenig Lust mich mit dem Mann weiter auseinander zu setzen. Dass meine Metrokarte auch im Bus funktioniert, wusste ich, aber einfach in einen Bus einzusteigen, der ungefähr in meine Richtung fuhr, schien mir doch sehr wagemutig. Als ich nun vor zwei Tagen nach einem langen Spaziergang durch das multikulti Viertel Balat und einer Teepause dort (eine ganz wundervolle Eigenschaft Istanbuls: an jeder Ecke gibt es nette kleine Cafés, die zu einer Pause einladen) nach Hause gehen wollte, beschloss ich, dem Bus eine weitere Chance zu geben. Der Cafébesitzer, bei dem ich meinen Tee getrunken hatte, schien nett zu sein und sprach Englisch. Also bezahlte ich die Rechnung, zeigte ihm auf der Karte meinen Wohnort und fragte, wie ich am schnellsten dort hin käme. Easy sagt er, Take the 55T! Ich gucke ihn abwartend an, er blickt ungerührt zurück. 55T? wiederhole ich zögernd und bezweifle, dass die Lösung meiner Probleme so einfach ist. 55T bestätigt er. Na gut, dachte ich, packte meine Sachen ein und verließ das Café. An der Tür drehte ich mich um, ging zurück zu dem Mann und erkundigte mich höflich, wo die Bushaltestelle sei. Just walk down to the seaside! sagte er You will see it!. Schon wieder so eine simple Antwort… Ich tat wie geheißen, lief runter bis zum Ufer, fand in der Tat eine Bushaltestelle und wartete maximal 2 min bis eine 55T kam. Tapfer stieg ich ein und tatsächlich war ich keine 20 min später in meiner Nachbarschaft, ein Weg der mich sonst 50 min zu Fuß gekostet hätte. Ich war begeistert. Tatsächlich hatte ich nicht wirklich Bus fahren gelernt, sondern kann jetzt genau eine Linie benutzen. Wenn ich in dieser Geschwindigkeit Fortschritte mache, wird es wohl noch lange dauern, bis ich das Bussystem wirklich beherrsche, aber ich bin mutiger geworden und was ich wirklich gelernt habe, ist, dass die Mentalität der Istanbuler den Kölnern gar nicht so unähnlich ist: Das klappt alles irgendwie, denn Et hätt noch immer jot jejange.

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    Zwischen Orient und Okzident: In 4 Wochen Istanbul will ich nicht nur die türkische Sprache sondern auch die Stadt am Bosporus kennen lernen.

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