Immunologische Stressreaktion nach Krafttraining: Subjektive Symptome und objektive Zeichen von Nachwuchsleistungssportlern

Geschrieben von Thomas Steidten, Christian Puta, Rico May, Michael Kellmann,Urs Granacher, Holger HW Gabriel

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Hintergrund. Es gilt als erwiesen, dass hohe Trainingsumfänge und Intensitäten zu einer immunologischen Stressreaktion führen [1]. Dabei werden Mechanismen der allgemeinen und spezifischen Immunität ausgelöst. Da das Immunsystem bereits beschäftigt (“abgelenkt”) ist, kann ein eindringender Krankheitserreger nicht effizient bekämpft werden. Hohe Trainingsumfänge- und -intensitäten sind jedoch typisch für den Nachwuchsleistungssport. Im Sinne einer immunologischen Trainingssteuerung ist es notwendig das Ausmaß der immunologischen Stressreaktion zu analysieren.

Frage. Welche subjektiven und objektiven Parameter sind für eine immunologische Trainingssteuerung geeignet und stehen diese in einem Zusammenhang?

Antwort. Im Rahmen der KINGS-Studie konnte gezeigt werden, dass die subjektive Einschätzung von Erholung und Beanspruchung mit Immunparametern des Blutbildes zusammenhängen. Die Beanspruchung des Trainingstags (gemessen von morgens zu abends) führte zu einem signifikanten Anstieg der Beanspruchungsdimension des AEB und einer signifikanten Reduktion der Erholungsdimension des AEB. Das kapilläre Blutbild zeigte einen signifikanten Anstieg der Granulozyten und weißen Blutkörperchen. Interessanterweise konnte zudem ein positiven Zusammenhang der Stressdimension des AEB mit dem prozentualen Anteil der Granulozyten gezeigt werden. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass die Erholungsdimension des AEB mit dem prozentualen Anteil der Lymphozyten (siehe Abbildung 1) assoziiert ist.

Abb.1 Veränderung der Dimensionen des Akutmaß für Erholung und Beanspruchung (AEB) und kapillarer Blutwerte über den Trainingstag.

Handlungsempfehlungen.

  • Tägliches Monitoring (morgens und abends) von subjektiven Symptomen (AEB) und objektiven Zeichen immunologischer Stressreaktion für mindestens 48h und bis zu 7 Tagen während Phasen intensiven Trainings (z.B. Trainingslager).
  • Klinische Referenzwerte sollten nicht für die Beurteilung der durch Krafttraining induzierten immunologischen Stressreaktion verwendet werden.

Quellen.

[1] Puta C, Steidten T, Baumbach P, Wöhrl T, May R, Kellmann M, Herbsleb M, Gabriel B, Weber S, Granacher U and Gabriel HHW (2018) Standardized Assessment of Resistance Training-Induced Subjective Symptoms and Objective Signs of Immunological Stress Responses in Young Athletes. Front. Physiol. 9:698. doi: 10.3389/fphys.2018.00698