Es ist nicht das Ende von Medium

Aufgenommen in der Prager Burg

Kaum verkünde ich auf Medium, dass ich hier 2017 jede Woche einen Beitrag veröffentlichen will, scheint mein Vorsatz von unerwarteter Seite gefährdet zu werden. Vor wenigen Tagen hat der Medium-Gründer Ev Williams in einem Blogartikel eine Umstrukturierung seines Unternehmens angekündigt. Mediums Businessmodell funktioniert bislang nicht. Deshalb werden etwa ein Drittel der Mitarbeiter entlassen.

Seit 2012 gibt es die Plattform Medium, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, Leser mit hochwertigen Inhalte an einem digitalen Ort zu versorgen, ohne dass uns Anzeigen dabei stören. Immerhin ist es Medium sehr gut gelungen, weltweit zur präferierten Blogging- und Content Distribution Plattform für viele Intellektuelle, Politiker, Startups, Autoren und Marken zu werden. Leider schlägt sich das trotzdem nicht in den bisher erzielten Umsätzen nieder.

Medium bietet erfolgreich hochwertige Inhalte an

Es macht mir sehr viel Freude auf Medium zu publizieren, weil die Usability einfach großartig ist und zum Schreiben verführt. Ein neues Businessmodell für Medien hat Williams bisher nicht finden können. Es fehlt eine wirtschaftliche Perspektive für Medium, selbst wenn anderes gut funktioniert hat:

“In terms of momentum, 2016 was our best year yet. Key metrics, such as readers and published posts were up approximately 300% year on year. And we witnessed important stories published on Medium — from world-famous leaders to unknown individuals — on a daily basis.” (Ev Williams)

Mediums Zahlen vom Jahr 2016 lassen sich sehen. So gab 7,5 Millionen Postings bei rund 60 Millionen Lesern im Monat auf der Plattform. Die Ankündigung des Gründers hat für viel Aufsehen bei den Medium-Nutzern gesorgt. Wie lange kann ich als Autor noch sicher sein, dass mein Content auf dieser Plattform verfügbar ist? Was passiert, wenn sich Medium nicht mehr finanzieren kann und auch keine Käufer finden sollte?

Fehlendes Businessmodell im Publishing

Der bisherige Versuch mit hochwertigen Inhalten viele Kunden im Native Advertising, im Content Marketing oder Paid-Bereich zu gewinnen, hat bislang nicht wirklich funktioniert. Besonders gewundert hat es mich nicht, da ich mir nicht vorstellen kann, wie durch das bisherige Businessmodell genügend Gewinne erzielt werden. Medium ist sehr auf das klassische Mediengeschäft fokussiert. Wer dabei auf Advertising lieber verzichtet, bezahlt einen hohen Preis. Alternative Erlösquellen entstehen nicht von selbst. Dazu müssen Kunden gewonnen und völlig anderes als gewohnt umworben werden.

Warum ich weiterhin auf Medium setze

Verlasse ich aufgrund der für Medium negativen Entwicklungen diese Plattform wieder? Dazu sehe ich keinen Anlass. (Update: Eine längere Pause habe ich dennoch eingelegt, die ursprünglich nicht geplant war.)Allerdings machen sie deutlich, dass wir uns nicht nur auf einen digitalen Ort fokussieren sollten, sondern jederzeit bereit sein müssen, die Plattform zu wechseln. Die Abhängigkeit von einer einzigen Plattform wäre mir viel zu hoch. Jedoch bin ich mir sicher, dass es selbst im Worst Case einen neuen Betreiber für Medium geben könnte. Schließlich ist die Plattform mit ihrem Content mittlerweile sehr wertvoll geworden, sodass sich eine Übernahmen für große Player durchaus lohnt.

Gerade in Zeiten der Fake News benötigen wir Plattformen wie Medium, auf der wertige Informationen überwiegen (Top Medium Authors). Deshalb werde ich weiterhin Medium treu bleiben und daran im kleinen mitwirken, dass diese grandiose Content-Plattform uns auch in Zukunft erhalten bleibt. Niemand muss nun seinen Medium-Account aufgeben und seine digitalen Botschaften woanders publizieren. Allerdings sollte sich auch niemand zu sehr von einer einzigen Plattform wie Medium, Blogger.com etc. abhängig machen.

Jede Woche schreibe ich einen Beitrag auf Medium und freue mich auf Ihr Feedback. Gerne auch auf Twitter: Klaus Eck.

  1. Schreiben als Herausforderung