Social Media Gedanken: Wenn nicht nur Politiker in Social Media aufhören

Publizieren auf allen Kanälen, das ist nicht immer einfach, dennoch ein Experiment wert gewesen. Zwei Monate lang habe ich bis Weihnachten jede Woche auf Medium einen Blogartikel publiziert und darauf gute Resonanz erhalten. Große Reichweiten habe ich nicht erwartet, dennoch bin ich mit der Sichtbarkeit einzelner Beiträge ganz zufrieden gewesen. Im Prinzip war es eine Art Pretest und die Rückkehr zu alten Bloggewohnheiten für mich: Gelingt es mir, jede Woche etwas pünktlich am Montag zu veröffentlichen? Ja! Aus diesem Grunde werde ich weiterhin jede Woche schreiben, nur nicht mehr exklusiv für Medium, sondern auf dem PR-Blogger, Medium, LinkedIn und Xing. Auf Medium werde ich es jeweils anteasern, sodass niemand den Überblick verlieren wird, der daran Interesse zeigt. Außerdem sammele ich auf dieser Plattform, was mir in der Woche besonders aufgefallen ist.

Verlässliche Kommunikation: Immer mehr meiner Kontakte verlassen das Network Facebook und sind dadurch dort nicht mehr per Messenger erreichbar. Es gibt kein Network (mehr) für alle. Wir müssen jeweils in die Nische gehen, um unsere Kontakte ausfindig zu machen. Viele kritisieren den mangelnden Datenschutz und den klaren Datenmissbrauch. Erreichbar bleiben sie dennoch für uns, entweder über Twitter, LinkedIn oder kleineren Alternativen. Zum Glück verweist kaum jemand auf die gute alte E-Mail. Dennoch wird dadurch die Kommunikation insgesamt fragiler. Mit Sicherheit können wir nicht mehr davon ausgehen, dass jemand seine Messenger-Nachrichten auf Facebook, Instragram, Snapchat, Whatsapp, Twitter, LinkedIn und Xing noch liest. Sogar E-Mails werden von vielen Jüngeren im Privaten nicht mehr gelesen. Was bleibt uns anderes übrig, als jeweils auf die Lesebestätigung zu warten und bei Bekannten auf viele Kommunikationskanäle zu setzen, wenn dieses ausbleibt.

Politische Kommunikation: Einer der Parteivorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, sagt in einem Blogposting Twitter und Facebook goodbye. Damit reagiert er auf den Hack, der derzeit für viel Aufregung unter Politikern sorgt. Auf Twitter sind private Chats mit seiner Familie veröffentlicht worden. Zudem hat er einige (kleinere) sprachliche Fehler im Wahlkampfmodus begannen, für die er jedoch jeweils schnell die Verantwortung übernahm und sich entschuldigte.

“Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein — und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen.” (Robert Habeck)

Habecks Argumentation ist durchaus nachvollziehbar für mich, obwohl ich selbst Twitter nicht als agressives Umfeld erlebe. Ich halte es für einen politischen Fehler, sich der Debatte auf diesen Plattformen zu entziehen. Sinnvoller wäre es, die Organisation der eigenen Kommunikation zu überdenken, damit ein Politiker wie Habeck weiterhin schnell und effizient über Social Media kommunizieren kann, ohne dabei seine Position zu gefährden. Auf aggressive Debatten muss sich niemand auf Twitter einlassen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, andere zu blocken und zu muten. Idealerweise schützt ein Team sein Führungspersonal, um die offene Kommunikation weiterhin aufrechterhalten zu können. Ich persönlich hoffe, dass ein Abschiedsposting im Blog noch nicht das letzte Wort war. Es wäre nur eine kurzsichtige Lösung, die Habeck einiger wichtiger Kommunikationsinstrumente entledigt, die ihn auch als nahbaren Politiker erleben lassen.

Youtube ist kein Garant dafür, dass Videos angeschaut werden. So weisen die französische Websites PetitTube sowie die deutsche Variante ZeroTube auf Video-Angebote hin, die selbst auf Youtube noch kein Mensch gesehen hat. Deutlich wird durch diese Beispiele, wie wichtig das richtige Content Marketing ist. Ohne dezidierte Content Strategie und Vermarktungskonzept bleiben viele Videos unbekannt. Das Content Management selbst reicht noch nicht aus, um einzelne Videos oder auch Texte erfolgreich zu machen. (via Netzpiloten)

Instagram: In einer Welt toller Fotos auf Instagramm wird es immer wichtiger, sich von anderen abzuheben. Deshalb werden die Kommentare auf der Plattform bedeutender. Sie erlauben es sehr gut, sich persönlich durch die Artikulation der eigenen Gedanken von anderen Instagrammern abzuheben. Über Bilder alleine ist es oft schwieriger, Gleichgesinnte auf Instagramm ausfindig zu machen. Selbst die Hashtags bieten in dieser Hinsicht zu wenig. Deshalb steigt die Zahl der Accounts rasant, die ihre Fotos dazu nutzen, eine Kommunikation mit anderen Instagrammern zu initialisieren. So gibt es einige Mitglieder, die jeden Tag dasselbe Foto veröffentlichen, darüber aber großartige Kommentar-Threads auslösen. Es lohnt sich für Instagrammer auf Storytelling und Persönlichkeit auch in den Texten zu achten.

Update vom 9.1.19: Ein aktuelles Beispiel für die Instagram-Kommentare liefert Vreni Frost. Die Berliner Bloggerin musste ihre Instagram-Posts als Werbung kennzeichnen, wenn sie Marken kennzeichnete. Sie konnte vor Gericht einen Teilerfolg erzielen und kommentierte dieses auf Instagram: “JA!!! FREUNDE ICH FLIPPE AUS!!!! 😱 Gerade eben kam das Urteil, wir haben einen unglaublichen Erfolg erzielt, denn in einem Fall wird die einstweilige Verfügung aufgehoben 💪🏼 Das ist ein riesiger Schritt zurück zu mehr Transparenz und Rechtssicherheit ❤️ Die ausführliche Begründung des Urteils folgt und ich werde euch natürlich berichten 💙 Ich danke allen Crowdfundern, meinem Liebsten, dem besten Anwalt Dr. Sebastian Gorski, meiner Familie und Freunden und ich möchte mich auch bei den Richtern bedanken, für die genaue und faire Betrachtung des Falls! 😍 ICK FREU MIR WIE BEKLOPPT!!!! 🤪 Dieser Post ist der erste seit Ewigkeiten, der nicht mit dem Wort [Werbung] beginnt!!!!””

Darüber hinaus gibt es nur ein einfaches Bild mit klarer (erfreulicher Botschaft), das viele Likes und Kommentare auslöst.

Meine Twitterperlen der Woche

P.S.: Wenn euch dieser Medium-Artikel gefällt, freue mich sehr darüber, wenn ihr mir viele Claps auf Medium gebt, kommentiert und den Beitrag anderen zur Lektüre empfehlt.