Trump und der Bot-Wahlkampf in den USA

Shutterstock.com

Mit einer Botarmee lassen sich Wahlen gewinnen. Zumindest ist dieses Donald Trump in den USA gelungen. Die Social Bots auf Twitter haben zu seinem Erfolg beigetragen, weil sie den Schein wahrten und der Öffentlichkeit suggerierten, dass viele Menschen hinter dem Präsidentschaftskandidaten stehen.

Wenn in einer Demokratie Algorithmen Meinung machen, ist das problematisch. Es entsteht eine Scheinöffentlichkeit, die behauptet, dass der Mainstream eine bestimmte Meinung verfolgt, während es in Wahrheit etwas anders aussieht. Wie groß das Beeinflussungspotential durch Bots ist, ist noch unklar.

Bots sind besonders im Messenger-Umfeld ein großer Trend. Diese “guten” Bots erlauben es Unternehmen, den Kundenservice und das Content Marketing zu verbessern, was in Zukunft sogar Websites und Apps überflüssig machen könnte. Denn die Onliner können über die neuen virtuellen Assistenten direkt mit den Marken interagieren. Demgegenüber galten Social Bots in diesem US-Wahlkampf als neues umstrittenes Wahlkampfinstrument, um die US-Bürger zu überzeugen. Bots werden im politischen Kontext völlig anders eingesetzt.

Der Wahlkampf der Bots in den USA

Bei den Präsidentschaftsdebatten zwischen Clinton und Trump stammten ein Drittel der Pro-Trump-Tweets und rund ein Fünftel der Pro-Clinton-Tweets von Bots. Insgesamt sollen die Twitter-Bots während der Debatten mehr als 1 Million Tweets veröffentlicht haben. Während Donald Trump in den Medien keinen Zuspruch erhielt, schien er im Social Media Wahlkampf immer der Gewinner zu sein. Der Republikaner war dort zwei bis drei Mal so populär wie Hillary Clinton. Trump betonte das in seinem gesamten Wahlkampf und leitete es von seiner Followerschaft auf Twitter und Facebook ab. Demgegenüber konnte Clinton lange Zeit auf ihre Umfrageerfolge verweisen. Am Schluss zeigte sich jedoch, dass die meisten Umfrageinstitute sich in Bezug auf den Wahlausgang irrten. Obwohl Hillary Clinton die Mehrheit der Stimmen erhielt, konnte Donald Trump die meisten Wahlmänner der Bundesstaaten hinter sich versammeln und hat damit die US-Präsidentschaft gewonnen.

Shutterstock.com

Beide Präsidentschaftskandidaten hatten viele automatisierte Social Media Follower. Unter den rund 12,4 Millionen von Trump sollen rund 4,6 Millionen Follower gar nicht echt sein. Unter diesen Fake-Accounts sind zahlreiche Bots, die dafür sorgen, dass die Trump-Parolen als scheinbarer Applaus in die Trending Topics wandern. Das hat Phil Howard von der Oxford University herausgefunden.

Auf diese Weise entstand die Illusion eines populären Kandidaten, der sich dabei in erster Linie auf Bots zu verlassen scheint. Der sogenannte Mainstraim wurde dadurch zur Fiktion. Trump behauptete aufgrund der Online-Reaktionen, dass er deutlich die Wahldebatten gewonnen hätte. Den Bots sei Dank.

Nach dem ersten TV-Duell schaffte es der Hashtag #TrumWon direkt die Trending Topics bei Twitter. Der Pro-Trump-Bot @amrightnow hatte rund 34.000 Follower und brachte im Wahlkampf im Minutentakt Tweets mit Verschwörungstheorien zu Clinton heraus und verherrlichte den Republikaner. Während der letzten Präsidentschaftsdebatte veröffentlichte er 1.200 Postings.

Aber auch Clintons Wahlkampfteam nutzte Bots, um darüber Trump-Original-Zitate zu bringen, die für ihn von Nachteil sind. So produzierte @loserDonldTrump mehr als 2.000 Beiträge am Tag. Dabei wurden alle Erwähnungen des offiziellen Twitter-Accounts @realDonaldTrump, die das Wort loser enthielten, retweetet. Allerdings hatte der Account nur gerade einmal knapp 700 Follower, zeigt aber die Möglichkeiten in diesem Wahlkampf auf.

Meinungshoheit via Bot-Kampagne

Ziel des Bot-Einsatzes ist es, die Trends für die Kandidaten zu verbessern und die jeweiligen Tweets oder Facebookseiten von Trump und Clinton noch populärer zu machen. Die Bots haben im US-Wahlkampf die Emotionen angeheizt und für so manche Illusion gesorgt. Oft können die Onliner nicht die Fake-Accounts von echten unterscheiden. Sie wurden durch die Bot-Armada getäuscht, die automatisiert Trends und eine eigene Meinungshoheit zu generieren versuchen.

Die Medien setzten auch auf Wahlkampf-Bots

Während der US-Wahlen spielten Bots eine große Rolle. So setzten beispielsweise die New York Times, Washington Post, CNN, NBC und Yahoo News auf Algorithmen oder Bots, um den Wahlkampf zu begleiten. Es entstanden automatisch Text aus den vorhandenen Newsfreeds, die von Bots ausgewertet und erneut publiziert wurden.

Über die Bots wollten die Medien ihre Informationen persönlicher machen und Interaktionen ermöglichen, damit die Leser eine größere Nähe zu den Journalisten erhalten. Darüber sollten sie zunächst eine Beziehung zu dem jeweiligen Newsangebot enwickeln und später zu Abonnenten der Web- oder App-Angebote werden.

Roboterjournalismus im Einsatz

Die Washington Post nutzte ein eigenes KI-System namens Heliograf, mit dessen Hilfe sie ihre Geschichten zum Teil von Menschen und Computern generieren lässt. Jeden Tag publizierte Jeff Bezos Zeitung rund 1200 Content-Stücke. Das teilautomatisierte Redaktionssystem unterstützte die schnellen und vielen Updates der Content-Produzenten.

Datenbasierte Systeme gibt es im Journalismus schon lange, vor allem in der Wetter-, Finanz- und Sportberichterstattung. Doch erstmals wurde eine US-Wahl in großem Maßstab dadurch begleitet.

Das Nonprofit Newsangebot ProPublica nutzte einen Bot des Google News Labs, der alle 15 Minuten Wahlvorsagen aktualisiert, Zahlen zu den Wahlkampagnen liefert und Google Trends und andere Daten nutzt. Bots können die Daten in Echtzeit nutzen und auf Twitter oder dem Facebook Messenger ausliefern. Dabei sind sie in ihrer Auswertungsfähigkeit und Schnelligkeit Menschen weit überlegen. Die Ergebnisse der Berichterstattung sind so gut, dass oftmals Leser nicht erkennen können, ob eine Nachricht von einem Roboter oder einem Menschen stammt.

In der Content-Produktion spielen Technologie- und Social Media-Firmen in der Content Distribution automatisierter Feeds, Algorithmen und Bots eine immer größere Rolle.

Selbst wenn der Roboterjournalismus in naher Zukunft keine Reporter überflüssig machen wird, wird er viele einfache Aufgaben in der Berichterstattung übernehmen und es damit Readaktionen ermöglichen, bei den Themen in die Tiefe zu gehen.

Social Bots im deutschen Wahlkampf?

Vorerst distanzieren sich in Deutschland noch alle Parteien von dem Einsatz von Social Bots. Nur die AfD hat kurze Zeit damit geliebäugelt, Bots einzusetzen. Bisher will sich noch keine Partei hierzulande nachsagen lassen, dass sie über Bots die Wahlen manipuliert. Andererseits sollte niemand die Verführungskraft automatisierter System unterschätzen.

Klaus Eck

Immerhin führt Donald Trump seine Wahl zum US-Präsidenten nicht zuletzt auf seine Social Media Erfolge zurück: „Ich glaube wirklich, dass ich diese Macht wegen Facebook, Twitter et cetera habe. Es hat mir geholfen, all diese Rennen zu gewinnen, bei denen die anderen viel Geld ausgegeben haben“, meint der Republikaner. Über seine Social Media Kanäle erreichte er im November 2016 rund 28 Millionen Nutzer.

Nach der US-Wahl will er allein 100.000 neue Follower gewonnen haben. (Wired.de) Wie viele davon echte Follower sind, ist unklar. Aber allein sein Hinweis zeigt deutlich, wie wichtig dem 45 US-Präsidenten die Follower-Zahlen sind.

Die “guten” (Chat-) wie “bösen” (Social-) Bots werden aus unserem Alltag in Zukunft nicht mehr verschwinden. Ganz im Gegenteil. Sie werden sogar die Spielregeln im Internet insgesamt verändern. Wir werden sie nicht mehr Manipulation der Öffentlichkeit wahrnehmen, sondern als kleine Helferleins akzeptieren, weil sie uns Convenience versprechen.

Den Umgang mit den Bots werden wir schnell lernen und dadurch auch misstrauischer, wenn wir auf Facebook oder Twitter angeschrieben werden. Ist es ein Bot oder ein Mensch, der mit uns kommuniziert? Keine leicht zu beantwortende Frage, wenn eine Künstliche Intelligenz einen Bot raffinierter macht.

Trump war erfolgreich in den Gefühlsmedien

Generell gilt anscheinend, dass unsere Filterblase einen großen Einfluß auf unsere Meinungsbildung hat. Unser selbstgewählter Newsfeed bestätigt uns in unseren Ansichten, ohne dass wir den Wahrheitsgehalt und die Behauptungen verifizieren (müssen). So meint Sascha Lobo: “Die schiere Aufmerksamkeitsmaschinerie klassischer Medien war der Beginn und das Rückgrat von Trumps Kampagne. Aber die begleitende Bewertung hat sich als weitgehend unbedeutend entpuppt. Die Ausdeutung der Aufmerksamkeit geschieht inzwischen woanders”: in den Gefühlsmedien.

In einer gefilterten Wahrnehmungswelt, in der die Nutzer nur ihre persönliche Sichtweise gespiegelt bekommen und immer mehr vom selben erhalten, dringt die Kritik nicht mehr durch. Unter Gleichgesinnten und Propaganda-Bots dringt die Kritik der Anderen nicht mehr durch. So kann sich jeder in seiner persönlichen Weltsicht wohlfühlen.

In der schönen neuen Bot-Welt reicht die Quantität der Gefühlsnachrichten, um eine Weltsicht zu bestätigen, selbst wenn es sich dabei nur um automatisierte, millionenfach verbreitete Unwahrheiten handelt. Mit Qualität hat es nichts zu tun, suggeriert aber eine gewisse Meinungshoheit, weil niemand die Künstlichkeit dieser Welt überprüft, sondern den “Vielen” glauben schenkt.

Anscheinend reicht es mittlerweile aus, lauter als andere zu brüllen, um sich damit durchzusetzen. Differenzierte Ansichten tun sich in so einer lautstarken Welt schwer. Lassen Sie uns jedoch daran mitwirken, dass sich derlei Dinge nicht in Deutschland und Europa durchsetzen. Und verlassen wir hin und wieder unsere Filterblase und überprüfen, welche Argumente die wirklich besseren sind. Es lohnt sich, auch gegen Bots in den Meinungswettstreit einzutreten. Schweigen ist jedenfalls keine Lösung.