Wissenswertes zum NZZ Artikel von Christof Leisinger zum Thema Bitcoin vom 29.01.2016

Hier einige Punkte zum NZZ Artikel “Bitcoin-Märchen ohne Happy End?” als Wissens-Transfer für den Autor und Leser.

Diverse Punkte vom Artikel (wir nehmen nur Bezug auf die Kommentare vom Autor, nicht auf Zitate von Mike Hearn und die Zusammenfassungen seiner Aussagen) und die entsprechende Gegenüberstellung:

1)
Zum Titel:
“Bitcoin-Märchen ohne Happy End?”

Auch hier gilt das “Betteridge’s law of headlines”: 
“Any headline that ends in a question mark can be answered by the word no.”


2)
“Das «Bitcoin-Experiment» hat seinen Höhepunkt erreicht.”

Bitcoin ist bisher 91 mal gestorben, siehe hier
Totgesagte leben bekanntlich länger.


3)
“So ist der Schöpfungsprozess mit einer unglaublichen Energieverschwendung verbunden”

Richtig ist das Bitcoin Mining und damit die Sicherung der Blockchain Energie benötigt. Aber auch das Gold Mining benötigt Energie, wie auch das Schmelzen des Goldes in Barrenform und anschliessend der Transport und Lagerung des Goldes. Und selbstverständlich benötigt auch Fiat Geld eine grosse Menge Energie um das System am Leben zu erhalten.

Im direkten Vergleich mit den bestehenden Alternativen ist Bitcoin eine ökologisch ökonomische Währung. Zwei Punkte dazu:

a) Bitcoin mining ist ein fast vollkommener Markt. Mining Hardware kann überall auf der Welt in Betrieb genommen werden. Somit wird besonders an Orten wo die marginalen Kosten von Energie null ist (oder stark gegen null tendieren) Mining betrieben. Ein Beispiel ist Island: Dort wird überschüssige Energie von erneuerbaren Quellen (wie Wasser) in Bitcoin Mining investiert. Es sind Orte wo es sich nicht lohnen würde, die Energie zu exportieren, da die Distanz zu gross ist. Da Bitcoin Mining ein fast vollkommener Markt ist, wird es über die Zeit nur möglich sein bei marginalen Energiekosten von null, Bitcoin Mining zu betreiben.

b) Wie immer in der Ökonomie müssen ökologische Kosten mit dem Nutzen verglichen werden. Den Nutzen in das Argument nicht einzuberechnen, ist wie wenn man sagen würde: Sonnenenergie ist schlecht, weil die Produktion der Photovoltaik-Anlage Energie benötigt.


3)
“Tatsächlich zeigen fundierte ökonomische Untersuchungen, dass abnehmendes Geldmengenwachstum in einer dynamischen Volkswirtschaft zu steigender Arbeitslosigkeit führt, dass die Wirtschaftssubjekte zum Horten des Geldes verleitet werden und die Währung schliesslich immer illiquider, immer volatiler, immer unbrauchbarer wird und am Ende immer seltener akzeptiert werden wird.”

Welche Volkswirtschaften wurden dabei untersucht? Das Fiat System kennt ja nur stark zunehmendes Geldmengenwachstum…


4)
“wie der genauere Blick auf den Markt zeigt, sind die meisten Bitcoins gar nicht in den Umlauf gelangt, sondern wurden von Anfang an und zunehmend gehortet .”

Eine MIT Untersuchung zeigt, dass die Haltedauer von Bitcoin über die Zeit sinkt, siehe dazu die entsprechende Grafik (wo kein Horten-Effekt ersichtlich ist):


5)
Mike Hearn, früher eine der treibenden Kräfte hinter der technischen Entwicklung des Bitcoin-Projekts

Der 03.01.2009 ist der Bitcoin-Startpunkt. Mike Hearn hat im Bitcoin Core (dem Bitcoin Kernstück) nur drei Commits veröffentlicht und dies im Jahr 2014. Dies ist ersichtlich auf der Github Contributors Seite:


6)
Wer vom Horten der Währung profitiert, will keine Änderung.

Kein logisches Argument. Wer eine Währung hortet möchte einen Wertvermehrung oder zumindest eine Wertstabilität. Somit wird diese Partei alles unternehmen, damit der Preis steigt oder stabil bleibt; unabhängig ob dafür eine eine Änderung notwendig sein wird oder nicht.


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