223 + 53 = 276

Von Nigerias Kindern, die auch unsere sind


Ich sitze vor meinem Rechner und lese die Beiträge über einen Wahnsinnigen in Nigeria, der glatt einem Hollywood Film entsprungen sein könnte. Ich bin wütend auf diesen Mann, diesen Abubakar Shekau. Einem Mann, von dem wir im Grunde genommen nichts wissen, außer dass er ein verdammt großes Problem mit uns — also dem Westen — zu haben scheint und dass er gerne kleine Mädchen auf dem freien Markt verkauft, weil Gott ihm das ja angeblich so eingeflüstert hat.

“Es gibt einen Markt, um Menschen zu verkaufen. Gott sagt, ich soll verkaufen. Er befiehlt mir zu verkaufen. Ich werde Frauen verkaufen. Ich verkaufe Frauen.” (Quelle: CNN (Stand: 12.05.2014))

Und dieser Mann macht also Nägel mit Köpfen und entführt am 14. April 276 Mädchen aus einer Schule in Chibok. Zwar konnten sich bereits 53 aus der Gefangenschaft befreien, aber es sind eben immernoch 223 in der Gewalt der Terror Gruppe Boko Haram. (Quelle: Al Jazeera (Stand: 12.05.2014))

Warum Superbösewichte immer in Regionen auftauchen, die von geostrategischer Bedeutung sind, kann uns erstmal egal sein. Hier geht es nicht um Geopolitik: hier geht es um 223 Mädchen die schnellstens zu ihren Familien zurück wollen. Hier geht es aber auch um Religion. Es geht um den Islam als rethorisches Mittel in der Rede von Abubakar Shikau. Er ruft Gottes Namen aus über seine Schandtaten, er zwingt christliche Schülerinnen den Islam anzunehmen, er lässt sie Koranverse rezitieren. Unglücklicherweise scheint der Anführer der Terrorgruppe auch noch so etwas wie eine theologische Ausbildung genossen zu haben. Zwar gibt es wohl trotzdem kaum einen Muslim, der dieses kranke Gerede als “islamisch” bezeichnen würde, aber es gibt genügend Nicht-Muslime, die nichts anderes erwarten. Doch Muslime sollten gerade jetzt nicht ihre Aufmerksamkeit darauf verlagern, zu erläutern, warum das Verhalten der Terroristen eben nicht islamischen Werten entspricht und verabscheuungswürdig ist. Ganz ehrlich: bei dem Bild, dass über Islam und Muslime in unserem Breitengrad herrscht, wird das sowieso niemanden in der Kürze zum Umdenken bewegen. Außerdem steht hier eben nicht der Islam im Mittelpunkt und Muslime sollten ihn auch nicht zum Mittelpunkt werden lassen: allein die Mädchen, die gerade unter traumatisierenden Umständen ihrer Heimat entrissen worden sind, gilt unsere Aufmerksamkeit. Es gilt das zu tun, was richtig ist: auf das Schicksal der Mädchen aufmerksam zu machen und zu handeln — und wenn es nur das Gebet ist.

Möge Gott diesen Kindern beistehen und sie aus dieser Notlage befreien. Möge Gott diesen Kindern eine Zukunft schenken, in der sie glücklich werden.