Der Feminismus schafft die Weiblichkeit nicht ab — er gibt Frauen die Freiheit, ihn selbst zu definieren!

In diesem kurzen Text beziehe ich mich auf diesen Artikel von Birgit Kelle, der auf “welt.de” erschien. (Anmerkung: Mit Stern* markierte Wörter beziehen sich immer auf alle Geschlechter.)

Es löst in mir großes Unverständnis aus, wenn jemand wie Frau Kelle, mir, einer Feministin, versucht den Feminismus zu erklären. Und ihn dann noch in einem Onlineartikel verhöhnt. Das ist als würde man als Atheist dem Papst die Bibel erklären wollen. Schon am Anfang des Textes zieht die Autorin den Weltfrauentag, der jährlich am 08. März gefeiert wird, ins Lächerliche. Sie schreibt über Frauenrechtlerinnen*, die diesen Tag feiern:

“ um gegen die eigene Überflüssigkeit tapfer anzuarbeiten”

Der Feminismus ist keine ‘Überflüssigkeit’, keine Phase, die irgendwann beendet wird. Es ist ein andauernder Kampf für Gerechtigkeit aller Geschlechter, damit alle Menschen, auch Menschen die sich nicht als Feministin* bezeichnen, ein besseres Leben haben können. Aber es sind nicht nur Feministinnen*, deren Lebensart und Überzeugungen sie runtermacht.

“Ich hab gar keine Lust, die Interessen von Männern in Frauenkleidung zu vertreten”

Sie müssen nicht die ‘Interessen von Männern in Frauenkleidung” vertreten, denn ein Mann, der sich als Frau fühlt und folglich auch so kleidet, ist kein Mann — sondern eine Frau. Und diese Art des Frauseins gilt es anzuerkennen.


Ich bin eine 19-jährige, heterosexuelle Studentin, die gerne Kleider und Röcke trägt, Haut zeigt, sich schminkt und trotzdem stehe und kämpfe ich für alle Frauen und alle anderen Geschlechter. Ja, auch für diejenigen, die gerne Hausfrau sind und kochen, die gerne Mutter sind und auf die Kinder aufpassen. Das eine schließt das andere doch noch lange nicht aus? Nur weil ich die Stereotypen, denen Frauen unterliegen, nicht gutheiße, hasse ich noch lange nicht die Frauen, die diese Stereotype trotzdem erfüllen? Solche Frauen lösen keinen “feministischen Brechreiz”, wie Frau Kelle es nannte, in mir aus. Was aber einen solchen Brechreiz in mir auslöst, sind Menschen, die mir, als Feministin, Dinge in den Mund legen, die nicht wahr sind, für die ich nicht stehe, nur um den modernen Feminismus in ein schlechtes Licht zu rücken.

“Wir brauchen endlich einen weiblichen Feminismus”

Aber genau das wäre der größte Fehler, den wir machen können. Immer und immer und immer wieder wird den Feministinnen* vorgeworfen, ihr einziges Interesse sei, die Frau über den Mann zu stellen. Denn wieso sonst heißt es “feminismus” was aus dem lateinischen von ‘femina’ abgeleitet wird und Frau heißt? Andernfalls könnte man es ja auch einfach in “Humanismus” oder “Egalitarismus” umbenennen. Aber das wäre falsch, denn diese Umbenennung würde bedeuten, dass man abstreitet, dass Feminismus für die Gleichberechtigung und nicht die Bevorteilung von Frauen kämpft. Und jetzt sollen wir noch Öl ins Feuer gießen und aus dem Feminismus, der alle Geschlechter miteinbezieht, einen “weiblichen Feminismus” machen? Und was meint Frau Kelle denn mit “weiblich”? Woher nimmt sie sich das Recht zu definieren, was weiblich ist und was nicht? Es ist jeder Frau selbst zu überlassen, wie sie Weiblichkeit definiert.

Feminist: a person who believes in the social,
political and economic equality of the sexes

Aber auch die Kommentare unter dem Artikel beweisen für mich mal wieder, warum Feminismus immer noch aktuell und wichtig ist. Um Helen Lewis zu zitieren:

“ Comments on any article about feminism justify feminism.”

Hier nur ein paar Beispiele:

Stefan R. schreibt: “ Von mir aus kann Jemand schwul, lesbisch oder sonstwas sein, seinen Kühlschrank heiraten oder mit seiner Topfpflanze schlafen,…”

Er setzt damit Homosexualität mit Objektsexualität gleich. Völlig schwachsinnig.

Carl Friedrich G. schreibt: “ Es sind vor allem wenig attraktive Frauen, die gegen hübsche, leicht bekleidete Frauen in der Werbung aufbegehren.”

Denn wie wir alle wissen ist jede Feministin hässlich, fett, unrasiert und fühlt sich von der Schönheit anderer Frauen unterdrückt. Sie, lieber Herr G. haben den Feminismus voll und ganz verstanden. *Ironie aus*

Walter W. schreibt: “ Eine Frau ist für mich automatisch auch Mutter. Entweder sie ist es bereits oder sie befindet sich auf dem Wege dorthin.”

Eine Frau ist kein Brutkasten, lieber Herr W. Nur weil ein Teil der Frauen biologisch gesehen in der Lage ist Kinder zu kriegen, heißt es nicht, dass jede Frau Mutter sein muss. Und was ist mit Frauen, die aufgrund von Krankheiten keine Kinder bekommen können? Was ist mit Transfrauen? Ob man Mutter sein möchte oder nicht, ist immer noch eine Entscheidung, die jede Frau für sich selber treffen muss.

“the rise of women does not mean the fall of men”

Feminismus ist nicht gegen Männer, sondern für Gleichberechtigung. Ich, als Feministin, kämpfe dafür, dass auch Männer nicht mehr unterdrückt werden. Männer, die verachtet werden, weil sie feminine Eigenschaften haben. Weil sie gerne pink tragen, weil sie ihre Beine rasieren, weil sie im Auto laut zu Adele mitsingen oder weil sie Gefühle zeigen. Und bis Menschen, die gegen Feminismus sind, das kapiert haben, werden wir niemals von den Zwängen und Lasten befreit sein, die das patriarchale System uns allen auferlegt hat.

Mein Wort zum Sonntag. Danke für’s Lesen.

Danielle

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