Postkarten, die Geschichten hinterlassen (Teil 1)

Diese Geschichte fand im Juli 1953 statt und beinhaltet immer noch ungelöste Rätsel, bis heute.

Manfred war eigentlich Filialleiter des Konsums in 4655 Stüsslingen/Sol, aber 1953 war für ihn ein Jahr der Eigenarten. Heimlich interessierte sich Manfred für die Geschichte des 1224 gegründeten Ort Stüüslige. Als Sohn eines Kleinbauers war das Höchste seiner Möglichkeiten die Kariere im Konsum, vom Lehrling zum Filialleiter.

1953 erschien an einem Mittwoch Morgen ein elegant gekleideter Herr. Der Mann kam wohl aus der Stadt, fuhr er doch einen grossen, schwarzen Dodge (US-Auto). Gleich waren die Kinder des Ortes um das Fahrzeug rum und bewunderten das elfenbein farbige Lenkrad und das blau blinkende Radio.
“Guten Tag, ich hätte gerne den Herrn Filialleiter gesprochen”.
Manfred räusperte sich und meinte eher schüchtern: “Er, meine Wenigkeit, steht vor ihnen, mein Herr”
“Sehr schön. Mein Name ist Hubeli, Herr Hubeli und ich komme aus Bern”.
“Freut mich, Herr Hubeli aus Bern” Manfred lächelte freundlich. “Ich bin, ach lassen wir das. Hier rufen mich alle Manfred. Was kann ich für sie tun?”
Der Besuch richtete sich vor ihm auf und erschien noch etwas grösser als er schon war. “Falsch, Herr Manfred. Sie können nichts für mich tun. Im Gegenteil. Ich habe ihnen etwas zu übermitteln”

Geschwollene Worte. Übermitteln! Dachte sich der Stüsslinger. Übermitteln?
“Ja mein Herr. Wir eröffnen auf dem Simplon ein Hospice auf 2000 Meter über Meer und suchen jetzt geeignete Nahrungsmittel-Lieferanten. Da ich schon öfters an ihrem Laden vorbei gefahren bin, habe ich bei unserer letzten Sitzung sie vorgeschlagen und bin auf Zustimmung gestossen.”
“Moment. Ich soll Hauptlieferant für das Hospice du Simplon werden? Ich kleiner Konsum-Filialleiter? Herr Hubeli machen wohl Scherze mit mir!?”
“Nein, sicher nicht. Wir würden uns freuen, wenn sie ihre Zustimmung geben können.”
Manfred musst tief durchschnaufen, als ihn schon der nächste Überraschungspunkt traf. 
“Damit sie an unserer Seriosität nicht zweifeln, können wir sofort, gemeinsam, losfahren und den Bau besichtigen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie einen kleinen Laden auf dem Berg einrichten. Es ist alles ihnen überlassen. Was meinen sie?”
“Jetzt gleich!?”

Manfred war nicht mehr zu halten. Moment bitte, bin gleich zurück. Er sprang auf die Strasse raus, überquerte diese und klopfte an die Türe von Fräulein Martha. Martha! Martha! Sie öffnete die Türe. Er: “Martha, ich bekomme die Chance meines Lebens, auf dem Simplon! Kannst du den Laden für 2 Tage im Schuss halten? Ich muss dringend weg”

Er wartete gar nicht auf die Antwort, denn er wusste ja, dass Martha alles für ihn machen würde. Und so fand er sich ausser Puste wieder in seinem Konsum-Reich. Ja, wir können gleich los fahren. Ich muss nur noch ein paar Utensilien zu Hause holen. Schon war er wieder weg um 5 Minuten später bereits beim Auto stehend: “Monsieur Hübeli, wir können!” Manfred schloss kurz die Augen, kniff sich in seinen Oberschenkel und es tat weh, also war er wach.

Ende des ersten Teil, Fortsetzung folgt innert nützlicher Frist!
Foto: Société Graphique Neuchatel

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