Abgelehnt
„Sorry, you are on the denied list…“, die Damen am Presseingang ist unerbittlich, sehe ich da sogar Schadenfreude? Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, während ich hochrot anlaufe und was stottere von „but that can’t be possible, I called and got told it would be okay…“ — „who did you call?“ — Fuck. Oma hat immer gesagt, Lügen tun wir nicht…
Es ist eine Two-Man-Show, bestehend aus dem Kameramann und mir. Wir sind vor Sonnenaufgang nach Radford in Virginia aufgebrochen für — guess what — eine Trump Veranstaltung. Es war die Zeit, als Trump besonders der ausländischen Presse den Mittelfinger gezeigt hat, einige Monate später würde das US-Medium Politico darüber sogar einen Artikel schreiben.

Nach vier Stunden Autofahrt waren wir früh morgens mit dem ersten Licht in Radford und an der Veranstaltungshalle in der Nähe der Uni. Trump kündigte sein Erscheinen immer erst kurz vorher an, mal zwei Tage, mal 24 Stunden. Wahlkampf wie bei einer Konzerttour: rein, reden, raus. Trotzdem standen die ersten schon Schlange, seine Hardcore-Fans der ersten Stunde. Es war noch immer auffällig, wie viele ältere, weiße Amerikaner darunter waren. Von der Diversität des Landes merkt man bei seinen Veranstaltungen bis heute wenig.

Nach ein paar ersten Bildern und O-Tönen beschließen wir, zu frühstücken, immerhin haben wir schon gut sechs Stunden auf der Uhr. Danach drehen wir ein paar Szenen in der Stadt, bevor wir zurück zu Halle fahren — und ich beim Presseteam auf Granit beiße. Gemeinsam mit gut 20 anderen Journalisten warten wir vor der Halle, brav am „Media Entry“. Mit hocherhobenem Haupt laufen wir mit der ersten Rutsche Journalisten in die Halle. Nur um dann kleinlaut wieder raus durch die Glastür an den wartenden Kollegen vorbei zu huschen. Ob es doch noch keinen Einlass für die Presse gäbe? Doch, nur eben nicht für uns, erwidert mein Kollege. Er nimmt es gelassen, aber es ist auch für ihn das erste Mal, dass er auf einer „Abgelehnt“-Liste steht. Üblicherweise steht man eben einfach nicht drauf und kommt nicht rein. „Abgelehnt“ ist eine klare Message.
Zum Glück ist draußen die pilgernde Menge gewachsen — zwar nicht an Diversität aber an treuen Fans. „Make America Great Again“ steht auf Mützen, Shirts und Buttons. Wer noch keine Fanartikel hat, kann sie wieder mal vor Ort kaufen. Als ich eine Gruppe schwarzer Jugendlicher entdecke laufen wir zielgerichtet drauf zu. Was sie bei der Veranstaltung wollten? Nun ja, entgegnet einer, Trump kommt zu uns an die Uni und da wollten wir uns anhören, was er zu sagen hat. Einige Stunden später, nach Beginn der Veranstaltung, wird besagter junger Mann rauseskortiert. Weil er protestiert hat.


Für die Zuschauer, die in die Halle aus Platzgründen nicht mehr reinkommen, wird draußen ein Bildschirm aufgebaut. In der prallen Sonne sitzen sie auf dem Boden und hören Trump zu. Seine Reden werden geordneter, aber noch immer verweigert er den Teleprompter. Die Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hat er zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich. Es wird ernst, doch noch immer will es niemand ernst nehmen. Ein paar Vorwahlen, was bedeutet das schon. Den Super Tuesday wird er verlieren, im großen Stil. Dachten damals zumindest alle in Washington.

