Jacksonville, Florida

Neulich, beim Aufräumen meines Schreibtisches, habe ich ein Flugticket gefunden: 3. August 2016, American Airlines, von DCA nach Jacksonville, Florida. Mit meinem Namen drauf — und ich war mir sicher, ich war noch nie in Jacksonville, Florida.

So lässt sich ziemlich gut 2016 für mich beschreiben. Es ging von einer Seite des Landes zur anderen, immer spontan und meißtens zu einem Event von Donald Trump. Beim Blick in meine ZDF-Arbeitsemails fand ich dann auch die Infos zu Jacksonville und die Erinnerung kam zurück. Ich saß unbedarft in der Morgensitzung und plötzlich wurde ein Freiwilliger gesucht, der nach Florida fliegt, für Trump am Abend. Akkreditierung hatten wir keine, aber jede Menge Charme.

Nach einem kurzen Stop bei H&M für Wechselwäsche und eine Zahnbürste sitzen ein Kameramann, eine Technik-Kollegin und ich im Flieger nach Jacksonville. Es ist mitten im Sommer und brüllend heiß (Hint: Niemals im August nach Florida fliegen. Niemals.). Vor der Halle quetschen sich die Button-und-Mützen-Verkäufer: “Make America Great Again” brüllten Sie. Getrieben von der Ideologie, oder vom Profit — who cares.

Während das Team schon mal bunte Flimmerbilder drehte, von Flaggen und Protestlern, habe ich den Seiteneingang für die Presseakkreditierung gesucht. Die Dame war freundlich, unfassbar freundlich (Spoiler: drinnen würde ihr Chef wieder über die Presse schimpfen). Sie verschwand mit meinem Presseausweis und meiner Visitenkarte in der Halle, um mit ihrer Vorgesetzten zu sprechen und kam wieder mit drei Presscredentials.

War so stolz auf die Akkreditierung, ich hab sogar ein Foto gemacht. © Lara Wiedeking

Weil die Situation draußen immer spannender wurde, Protestler sich mit Fans stritten und die Menschenmenge immer größer wurde, waren wir zu spät am Presseingang. Der Secret Service abgezogen, keine Chance, dass meine Crew mit dem Equipment reinkommen würde. Ich, mit dem Presse-Bämbel und nur einem Rucksack, das sei kein Problem. Also, zielsicher rein in die Halle und die freundliche Frau von der Trump-Presseabteilung gesucht (nein, es ist übrigens nicht Hope Hicks). Die hat dann prompt den Secret Service samt Hund zurückbeordert und wir konnten zur Veranstaltung.

Rückblickend war ich wirklich verblendet. Die Menge in Jacksonville hat gejubelt, wie jede Menge bei jeder Trump Rally in jedem Station. Außer der einen in Virginia im Oktober 2015, aber da hatte Trump das mit den öffentlichen Reden auch noch nicht so raus.

Jacksonville lag ihm zu Füßen, wir haben vor und nach der Veranstaltung mit seinen Anhängern geredet — sie glaubten ihm jedes Wort. Er war die Wunderkur, die all ihre Sorgen beenden würde, da waren sie sich sicher. In Florida. In West Virginia. In Pennsylvania. Aber dazu später mehr.