Wir können Erkenntnis nur dann erwerben, wenn wir lernen, dass unsere Interessen nicht getrennt von denen eines anderen Menschen sind. (Jenseits der Glückseligkeit von Kenneth Wapnick)
Ich denke da an meine Geschichte mit einer Freundin, die mich gerade so unruhig macht: Seit Monaten bemerke ich, dass unsere Treffen nicht mehr so rund ablaufen. Es machen sich Spannungen bemerkbar, die fast einem Konkurrenzkampf gleichen. Wenn ich das, was ich da wahrnehme, in einen Satz übersetzen sollte, dann würde es sich in etwa so anhören: „Ich bin nicht bereit von dir zu lernen, denn ich bin hier die Lehrerin.“
Verrückterweise gilt er für uns beide. Ja natürlich, anfangs dachte ich noch, sie wolle von mir nichts lernen. So in typischer Egomanier habe ich mich zum Opfer gemacht. Seht her, wie sie mich behandelt, sie stellt sich über mich. Und daraus folgten dann fiese Urteile, die ich an dieser Stelle lieber nicht wiederholen möchte.
Glücklicherweise bin ich ja ne Schlaue und daher habe ich das Urteil meines Ego nicht gelten lassen, dass ich der arme Tropf sei. Gut, es hat ne Weile gedauert, aber immerhin bin ich überhaupt drauf gekommen… Ich schnappe mir also das Urteil: „Sie will nicht von mir lernen“ und fühle mich ein.
Es soll hier kein Geheimnis sein, dass ich gerade einen Teil von The Work von Byron Katie mache. Ich liebe ihre Arbeit!
Also, wie fühlt sich das an, wenn ich glaube „Sie will nicht von mir lernen“?
Einatmen - in den Körper gehen - Füße spüren - ausatmen - Bauch spüren -einatmen - Satz vor Augen halten: „Sie will nicht von mir lernen“ - ausatmen -Bauch spüren…
Oh Jesus, ich fühl mich so klein, so sinn- und nutzlos, das macht mich ganz traurig *schnief* „Sie will nicht von mir lernen“ das macht mich soooo traurig, buhuuu…, doch warte mal, da ist noch was, ja Moment mal! Wie kann sie es denn wagen, nicht von mir lernen zu wollen, wie kann das denn sein. Hält die mich für doof? Verdammt noch mal, jetzt werd ich aber gleich richtig sauer. Ja, so eine blöde Kuh, das kann ja wohl nicht wahr sein. Jetzt hau ich der aber gleich […]
Um die Sache an dieser Stelle abzukürzen: zu glauben, dass sie nicht von mir lernen will, macht mich traurig, sauer und wütend.
Ich frage mich, ob das wirklich wahr ist, dass sie nicht von mir lernen will. Noch während ich mir die Frage stelle, spüre ich das Nein in mir.
Wie fühlt sich denn jetzt bloß wieder ein Nein an, mag sich der geneigte Leser fragen? Wer sich unsicher ist, probiere es einfach mit gewohnten Dingen aus, indem er (oder auch sie) sich beispielsweise Fragen stellt, wie: Möchte ich jetzt den Abwasch machen? (na, wie fühlt sich das Nein an?) Will ich jetzt mit Bier und Bockwurst vor den Fernseher Fußball gucken? (und wie das Ja?) Will ich jetzt Sex haben? (…?) Währenddessen achte er oder sie darauf, wie sich das jeweilige Ja oder Nein anfühlt und wo es sich anfühlt… äh ja, also das könnte jetzt in eine falsche Richtung laufen…
Nun, ich hoffe, dass ihr mit ein wenig Übung lernt, wie sich eure Ja und Nein anfühlen. Zurück zu meinem Nein!
Nein, es ist nicht wahr, dass sie nicht von mir lernen will. „Gib mir ein Beispiel“ höre ich meine innere Byron Katie zu mir sprechen.
Anmerkung: Auch hier bedarf es nur ein wenig der Übung und jeder kann seine eigene innere Byron Katie zu sich einladen und mit ihr The Work machen! Man sehe sich hierfür die verschiedenen Youtube Filmchen zu ihrer Arbeit an, lese ihr Buch Lieben Was Ist und fühle sich ein. So hat es bei mir zumindest funktioniert. Je vertrauter ich mit ihrer Arbeit wurde, umso klarer wurde ihre Stimme in mir. So, jetzt kommen wir schon wieder in einen Bereich, wo der eine oder andere vielleicht sagen mag: „Jetzt mach mal nen Punkt! Ihre Stimme hören! Und als nächstes willst du uns womöglich verklickern, dass du Gedanken lesen kannst, oder was?“
Zurück zum Thema: Der Gedanke ist also gar nicht wahr, dass sie von mir nicht lernen will. Ein Beispiel dafür wäre: Als wir mal im Bürgerpark spazieren gingen, hat sie ganz interessiert, meinem leidenschaftlichen Vortrag über den Schmerzkörper gelauscht.
iKatie bittet um ein weiteres Beispiel. O.K. lass mich mal sehen, was fällt mir denn da noch ein? Es ist schwer, denn im Allgemeinen ist meine Freundin schon sehr störrisch, was ihre Hingabe an mein Wissen angeht.
iKatie grätscht mir in den Text: „Wessen Angelegenheit ist es, von wem sie etwas lernt, Schätzchen?“
Ja, ihre eigene natürlich! Danke, iKatie.
Sie fragt mich, ob wir zu den Umkehrungen gehen wollen? (Sorry, die Verbindung zu ihr ist gerade sehr stark und deshalb folgt nun hier unser Dialog.)
Mit freudiger Stimmer lädt sie mich ein mein Urteil umzudrehen.
iKatie: „Dreh´s rum, Schätzchen!“
iKatie: „Sie will nicht von mir lernen…“
Ich: „Ich will nicht von mir lernen?“ (frage ich vorsichtig)
iKatie: „Ja… (ihr warmherziges Lächeln überflutet mich) fühlt sich das ein bißchen wahrer an?“
Ich: „Ja, das geht echt tief“ (stammel ich ergriffen).
iKatie: „Gib mir ein Beipiel, in dem du nicht von dir lernen willst.“
Ich: „Wenn ich ein Nein fühle und trotzdem Ja sage.“
Ein verständnisvolles Nicken von Katie nimmt mir die Unsicherheit, mich hier gerade vor allen als Ja-Sagerin geoutet zu haben.
Dann die Bitte eine weitere Umkehrung zu finden.
Ich: „Ich will nicht von ihr lernen.“
iKatie: „Wie kann das wahr sein, Honey. Gib mir ein Beispiel.“
Ich: „Seitdem ich denke, dass sie nicht von mir lernen will, stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn sie etwas Wichtiges zu sagen hat. Es fühlt sich an, als wolle sie mich belehren und ich gehe in den totalen Widerstand.“
Mit dieser Äußerung erkenne ich, wie sehr mich mein Glaubenssatz, davon abgehalten hat, etwas zu lernen. Ich will nicht lernen. Bumm… der hat gesessen. Verdammt! Erwischt…
iKatie sagt so etwas wie: „Ja, erstaunlich wie verbohrt und störrisch wir werden können, wenn wir uns von der Liebe abschneiden.“
Vor meinem inneren Auge wendet sich iKatie jetzt ans Publikum und erklärt: „Wenn wir glauben, dass der andere uns schaden will, dann schaden wir uns in Wahrheit nur selbst. Und zwar nie mehr, als zu 100 Prozent.“
iKatie: „Liebes, es gibt noch eine Umkehrung. Möchtest du es nochmal versuchen?“
Ich schmelze dahin, ob dieser Einladung und sage: „Sie will von mir lernen.“
iKatie: „Wie kann das sein? Hast du ein Beispiel?“
Ohne diese Beispiele und das hat sie nun wirklich gerade in einem ihrer Videos gesagt, holen wir unsere Glaubenssätze und Gedanken nicht an die Oberfläche. Die Umkehrungen werden dann eher zu einem Mechanismus, den wir automatisch herunterspulen können, ohne dass wir uns mit deren Wahrheit beschäftigen.
Ich denke also nach und suche nach einem Beispiel dafür, dass meine Freundin von mir lernen möchte. Sie will von mir lernen, sie will von mir lernen — wie kann das möglich sein… Mir fällt die Geschichte mit dem Schmerzkörper wieder ein, die ich weiter oben schon erwähnt habe. Es ist so erstaunlich, wie sehr mein Verstand mich davon abhalten will, zu glauben, dass auch sie etwas von mir lernen könnte.
Die Idee, dass ich eine Lehrerin sein könnte, ist sowieso ein sehr, sehr schwieriges Thema für mich und soll an einer anderen Stelle behandelt werden. Jetzt machen wir erst mal The Work fertig.
Ich: „Je klarer und authentischer ich auftrete, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie etwas von mir lernt. Wenn ich selbst an dem Zweifel, was ich zu sagen habe oder es nur sage, damit sie mich als Wissende verehrt und vor mir auf die Knie fällt und mich deswegen ganz toll findet, dann ist das ehrlich gesagt scheiße. Sie lernt glaub ich am Besten, wenn sie das Ehrliche darin sieht. Und sie ist sehr sensibel dafür — und allergisch darauf — wenn jemand Bestätigung und Anerkennung haben will, für das was er sagt.“
iKatie: „Ja, weißt du Schätzchen, wir Menschen haben alle auf unterschiedliche Art und Weise das Lernen gelernt. Manchen von uns ist es in die Wiege gelegt worden. Sie wurden von ihren Eltern unterstützt und bestärkt. Manch anderen sind große Steine in den Weg gelegt worden. Es ist von Mensch zu Mensch verschieden, wie groß die Bereitschaft ist zu lernen und auch die Methode, mit der er am Besten lernen kann. So gibt es Leute die durch Zuschauen lernen, manche lernen durch selber machen und manche brauchen eine starke Autorität vor sich, bevor sie bereit sind irgendetwas von jemand anderem anzunehmen.
Was ich aber eigentlich sagen will, ist: mach dir nicht soviele Gedanken, ob Leute von dir lernen oder nicht, dass ist nicht deine Angelegenheit, sondern ihre.”
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