Warum wir alle intensivst miteinander streiten sollten

Merlin Lauert
Dec 26, 2016 · 5 min read

Streit ist das Kind, nach dem alle Zeigefinger ausgestreckt werden, wenn der Lehrer fragt: „Wer war das?” Und dabei doch eigentlich unschuldig ist. Ein Wort, so negativ besetzt und Szenen in den Kopf katapultierend, nur Krieg, Feuer und Bauarbeiter-Dekolleté können ihm das Wasser reichen.

Dabei haben wir es mit einem zweckentfremdeten Tool zu tun, das unsere zwischenmenschliche Kommunikation vervollständigen sollte, wie Begrüßung und Abschied. Aus einem Streit nach allen Regeln der Kunst, geht niemand mit der Hand voller Haare, einem gebrochenen Kiefer oder dem Piepen im Ohr von knallenden Türen heraus. Jeder Streitende wird tatsächlich weiser sein, dankbar und vollkommen unversehrt.

Warum wir uns kaputt streiten

Wie an einem frischen Kaugummi auf dem Gehweg, bleibt an unserem Ego alles haften, was es zu fassen kriegt. Seit wir im Mutterleib waberten, sammelten wir Eindrücke und formten die Definition unserer Selbst. Ein auf den Umständen unseres Lebens kultiviertes Weltbild — unsere Identität.

Wir hegen und pflegen unser Ego, jede Information passiert die Sicherheitsschleusen unseres persönlichen Wertesystems. Bewusst oder auch nicht, finden wir dann gut oder auch schlecht, was wir mit Sinnen wahrnehmen.

Ein paar falsche Worte oder der hochgeklappte Klodeckel triggern uns. Was auch immer unsere Haare zu Berge stehen lässt, ist einfach nicht mit unserem Wertesystem kompatibel.

Wann immer Meinungen kollidieren, treffen zwei unterschiedliche Wirklichkeiten aufeinander. Das Ego lechzt dann nach Genugtuung.

Viel mehr braucht es nicht, um die Emotionen aus dem Käfig zu holen, jeder Gelassenheit abzuschwören und die andere Wirklichkeit mit allen Tricks des Egos hinterhältig und verletzend durch unsere ersetzen zu wollen.

Vom manipuliert werden und Manipulieren

Unsere Wirklichkeit ist zusammengepuzzelt aus allen Informationen, die wir konsumieren. Wir fangen an zu glauben, was wir jeden tag lernen — oder gelernt werden. Das ist die Krux der Propaganda und der Grund dafür, warum jeder von uns toxischen Weltbildern ausgeliefert ist, die äußerst geschickt in unser Gehirn massiert werden können.

Es ist nicht lange her, als unsere Uromas und Uropas nicht anders konnten und sich in die systematische Manipulation Hitlers Propaganda verloren. Nicht nur damals, auch heute töten Menschen mit dem mächtigen Rückhalt gewaschener Köpfe.

Nicht alles also, was unser Ego mit voller Kraft zu verteidigen versucht, ist die Aufregung wert. Tatsächlich sind die härtesten Überzeugungen die größten Feinde von Frieden, Entwicklung und Harmonie.

Die Ursachen für Streit

Damit ein Streit vom Zaun bricht, so einer, den niemand von uns möchte, braucht es manchmal nicht mehr als einen leeren Magen oder müden Kopf.

Wenn das geschieht, wir so richtig zu kochen beginnen und emotional werden, dann passiert etwas äußerst Spannendes: Gedanken werden auf die materielle Ebene ausgeweitet — die Biochemie des Körpers verändert sich.

Emotionen sind die Symptome eines Verstandes, der einfach macht, was er will, den wir nicht verstehen und uns auch nicht zu nutze machen können. Um unser Leben zu verbessern, müssen wir den wilden Affen von Verstand ins Bootcamp schicken, den Spieß umdrehen, ihm die Macht über uns entziehen.

DENN:

Dass nicht die Situation, in der wir uns befinden für unschöne Gefühle verantwortlich ist, sondern die Weise, wie wir über diese denken, wissen Philosophen schon seit geraumer Zeit.

Warum Streit nach hinten losgeht

Er kann besser lehren, als jedes Buch. Sind die Scheuklappen abgesetzt, lassen wir uns Wissen auf dem Silbertablett servieren. Streit par ex­cel­lence: Was zuvor eingefärbt von Emotionen in eine Raserei mündete, hat sich zum Geben und Nehmen von Informationen gemausert.

In Wahrheit triggern Gedanken die in den Startlöchern hockenden negativen Emotionen. Die eine verkehrte Gestik, das falsche Wort und alle Hebel fallen unbewusst auf Angriff und ehe wir uns versehen, stecken wir im Gefecht der Wirklichkeiten. Unser Ego gemauert aus Ideologien und selbstauferlegten Idealen, lässt nicht nur den Haussegen schief hängen, es führt auch eine ganze menge Krieg und hemmt ausgeprägte Entwicklung.

Wir verlieben uns in die Vorstellung von dem, was wir sein wollen — wir vergessen, uns selbst zu lieben. Wer sich selbst liebt, der ist es sich wert, zuzuhören und der hat alles, was er braucht. No need für Bestätigung der eigenen Sicht, no need fürs Unterdrücken fremder Sichtweisen. Vermutlich würden wir mit Lichtgeschwindigkeit durch Weltall donnern, würde jeder Wissenschaftler, jeder Politiker, jeder denkende Mensch fremde Thesen so sehr lieben, wie seine eigenen. Wohlgemerkt muss er die These dafür nicht übernehmen.

Hass, Eifersucht, Ruhmsucht und Neid sind die Eltern von destruktivem Streit. Sie gilt es zu identifizieren, zu verstehen und letztendlich aus unserem Gefühlshorizont zu verbannen.

Der Jumpstart ins Streit-Game

Wir allein tragen also die Verantwortung, für die Gedanken und unsere Position zu einem bestimmten Eindruck — das haben wir weiter oben geklärt. Und wir wissen auch, dass unser Wertesystem, quasi das Filtern von Informationen, die über unsere Sinne aufgenommen werden, eigentlich vollkommen neutral sind und erst von uns mit einer Bewertung versehen werden. Neue Mission nun: Das Wertesystem pimpen und unseren Verstand auf Positivität trimmen, den Streit auf eine Ebene von Liebe, Fürsorge, Mitgefühl und Achtsamkeit befördern.

Uns sind zwei Wege geboten, der eine macht glücklich, der andere ist leicht zu beschreiten: Die Default-Einstellung.

Weg Nummer 1: Wir denken negative Gedanken, kreieren damit negative Emotionen, darauf folgend negative Handlungen und zuletzt negative Resultate, die wiederum einen Filter des negativen Wertesystems passieren und eine lange Spirale der Negativität nach sich ziehen und ehe man sich versieht, ist man die Oma, die den ganzen Tag mit der Flinte auf Spatzen schießt.

Weg Nummer 2: Wir denken positive Gedanken, über eine negative Situation, kreieren damit positive Emotionen, folgend positive Handlungen und schlussendlich positive Resultate, die uns eine Spirale von Positivität erschaffen lassen und unweigerlich zu einem glücklicheren Leben führt.

Mit einer guten Portion Bewusstsein, stellen wir den Stiefel stoppend an die aufschwingende Tür, bevor der negative Gedanke sich breit macht und alle Gelassenheit raubt. Wir können dann bewusst die Wahl treffen. „Flipp’ ich volle Kanne aus und händel die Konsequenzen, oder wähle ich den Weg der Harmonie?”

Der verdammte Haken daran: Niemand von uns ist wohl ein geborener Zen-Master. Die Umstände erschweren es, das Ego unter den Tisch zu kehren. Ohne einen Batzen Arbeit an uns selbst kommen wir nicht weit. Ein hoher Grad von Bewusstsein kultiviert sich nicht von allein. Return on investment hingegen? übers Ziel hinaus! Schon mal probiert, zu meditieren? Wirkt besser, als eine Baldrian-Tinktur auf ex.

Mit Meditation lernen wir, den Verstand zu beobachten, herannahende Gedanken zu observieren und auszusortieren, wenn nötig. Letztendlich, verstehen wir damit unseren Kopf eine ganze Ecke mehr. Meditation, pimpen des Wertesystems, florierende Streitkultur und Liebe für ein besseres Leben und mehr Erfolg.

Welcome to a place where words matter. On Medium, smart voices and original ideas take center stage - with no ads in sight. Watch
Follow all the topics you care about, and we’ll deliver the best stories for you to your homepage and inbox. Explore
Get unlimited access to the best stories on Medium — and support writers while you’re at it. Just $5/month. Upgrade