Hofstede und seine Kulturdimensionen

In meinem Blogpost möchte ich die Theorie über die 6 Kulturdimensionen von Geert Hofstede kurz zusammenfassen und einige Beispiele bringen, wie die Kritiker dagegen argumentieren.

Geert Hofstede ist ein niederländischer Kulturwissenschaftler. Mit seinen Kulturdimensionen zeigt er, dass Kulturen einen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten von Unternehmen, deren Organisation und Führung haben. Hier seine 6 Kulturdimensionen:

  1. Machtdistanz:

Diese Kulturdimension beschreibt die Akzeptanz sozialer Ungleichheiten.Wenn in einer Kultur eine große Machtdistanz herrscht, dann heißt das, dass es große Unterschiede zwischen höheren und niedriger gestellten Menschen gibt. Niedrige Machtdistanz bedeutet, dass die Macht gleichmäßig verteilt ist und es keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Positionen gibt.

2. Individualismus vs. Kollektivismus:

Hier geht es um die Eigenständigkeit und Zugehörigkeit von Menschen. Individualismus ist eine Gesellschaftsform, in der die sozialen Bindungen nicht sehr fest sind. Es kümmert sich jeder um sich selbst. Als Kollektivismus hingegen bezeichnet man eine Gesellschaft, in der die Menschen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Die Bedürfnisse der Gruppe sind wichtiger als die eigenen.

3. Unsicherheitsvermeidung:

Diese Kulturdimension bezieht sich darauf, ob unsichere Situationen und Veränderungen als Bedrohung gesehen oder akzeptiert werden. Besteht eine hohe Unsicherheitsvermeidung in einer Kultur, hat diese mehr Angst vor Veränderungen oder Situationen ohne Regeln. Deswegen gibt es mehr Verhaltensregeln und Gesetze. Eine Kultur mit geringer Unsicherheitsvermeidung haben keine Probleme mit Veränderungen oder fehlenden Strukturen und deswegen weniger Regeln.

4. Maskulinität vs. Femininität:

Maskulinität und Feminität beschreibt die kulturelle Tradition, Verhaltensweisen als feminin bzw. maskulin zu bezeichnen. In maskulinen Kulturen sind stereotypische maskuline Werte wie materiellen Erfolg, Aggressivität, Ehrgeiz und Konkurrenz wichtig. Es gibt es zudem große Unterschiede in den klassischen Geschlechterrollen. In femininen Kulturen sind die Geschlechterrollen dagegen fließender und weniger festgelegt. Dort herrscht allgemein mehr Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und Fokus auf Beziehungen.

5. Langfristige vs. kurzfristige Ausrichtung:

Hier geht es um die das Ausmaß, in dem die Mitglieder einer Gesellschaft zukunftsorientiert oder gegenwartsbezogen ausgerichtet sind. Kurzfristige Orientierung steht für Respekt für Traditionen, Wahrung des Gesichts und Erfüllung sozialer Pflichten. Langfristige Orientierung steht für künftigen Erfolg wie Sparsamkeit und Beharrlichkeit.

6. Nachgiebigkeit vs. Beherrschung:

Diese Dimension misst die Fähigkeit einer Kultur, die unmittelbaren Bedürfnisse und persönlichen Wünsche ihrer Mitglieder zu befriedigen. Eine Kultur, die Einschränkungen betont, hat strenge soziale und religiöse Regeln, lebt für die Familie und stellt die individuellen Bedürfnisse hinten an. In einer Kultur der Nachgiebigkeit ist Genuss Teil des Lebensgefühls, das Erreichen von Glück steht an vorderster Stelle.

Kritik:

„Alles in allem ist sein Buch für die moderne Kulturwissenschaft eine Katastrophe. Er versündigt sich an allen Fortschritten, die seit den sechziger Jahren erzielt wurden, und ausgerechnet dieses Machwerk hat die Unbelehrbaren, die den Kulturbegriff für Unfug hielten, belehrt. Jene Psychologen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler, die nur empirischen Analysen trauen, wurden durch Hofstedes Statistik davon überzeugt, dass Kultur aus hard facts bestehe, die man messen und wiegen kann“ — Klaus P. Hanse

Des Weiteren ignoriere Hofstedes Ansatz Unterschiede innerhalb eines Landes. Das Modell behandelt ein Land wie ein homogenes Gebilde von Individuen, die alle dieselbe Wertestruktur teilen. Das ist in den meisten Fällen jedoch nicht korrekt.

Ebenfalls kritisiert wird die Aktualität der Theorie. Die Kulturdimensionen entstanden durch eine Befragung, die zwischen 1966 und 1973 stattfand. Hofsteedes Buch “Culture’s Consequences” erschien im Jahr 1980. Es stellt sich die Frage, ob diese Ranking-Werte für die aktuelle Situation der Kulturen noch zutrifft. Einige der befragten Länder haben beispielsweise keine Diktatur mehr.

Ich frage mich, wie die Ergebnisse aussehen würden, wenn eine solche Befragung heute durchgeführt werden würde.

Quellen:

https://card2brain.ch/box/kulturdimensionen_nach_geert_hofstede