Sterben die Wirte aus, oder doch nicht?

Es gibt Hoffnung, dass die Guten bleiben und ein paar schlechte dazu kommen….

Wenn Greißler sterben….

Als die Selbstbedienungsläden immer größer wurden und mit immer mehr Filialen aufs Land drängten, wurde es in der Presse ähnlich behandelt, wie das jetzt grassierende „Wirtesterben“ .

Die Gründe dafür fand man schnell, und irgendwann war das Thema dann „abgehakt“. Ab und zu fand sich noch irgendwo ein Greißler oder Greißlerin im finsteren Laden mit ihren Siebensachen… Solche wurde ab und zu noch vorgezeigt, im Fernsehen und in der lokalen Verblödungs -Werbezeitung als Spaltenaffe.

Fortschritt, der Wunsch nach viel Auswahl auch bei Kleinigkeiten und der mangelnde Platz waren schuld. Alles in allem auch die Bildungslücken alternder Leute die solche Läden als ihre Lebensaufgabe betrieben. Schließlich gingen sie niemanden ab.

Gasthäuser waren den Greißlerläden ähnlich. Hier fanden sich die Leute einer Ortschaft ein, nach der Arbeit, wann der Greißlerladen nebenan schon zu war bekam auch beim Wirt manche „Kurzware“. Das Wohnzimmer und die eigene Kellerbar waren noch nicht erfunden. Es ging sehr gesittet zu und die gegenseitige Information über die Geschehnisse in der gemeinsamen bekannten Welt waren Grund genug öfters zusammen zu sitzen. Doch in kleinen Ortschaften gab es ein Wirtshaus praktisch nur zum Wochenende, vorwiegend sonntags nach dem Kirchgang.

Ein großer erster Schlag gegen das Wirtshaus war das Fernsehen. Das „gesittete“ Publikum kam weniger öfter, die rauere Kundschaft übernahm die Herrschaft über die Gastzimmer und viele Wirtshäuser waren dadurch der Verwahrlosung anheimgefallen. Der typische Wirtshaus Dunst von Schweinsbraten und Rindsuppe, Senf, Bier und Wein wurde zu einer Mischung zwischen ungereinigtem Urinal und angebrannten Frittierfett. Spätestens in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts waren viele Gaststätten am Land bereits zu grauslichen Spelunken heruntergewirtschaftet und bankrott. Die Besitzer selbst hatten diese Häuser verwahrlosen lassen, die Pächter wurden von Besitzen und Brauereien schamlos ausgenommen. Wenn ein Haus unbewohnbar wurde kam die Spitzhacke.

In gewissen touristisch erschlossenen Regionen dauerte es länger. Banken gaben gerne Geld in die Hände der Wirte. Der ausgeprägte Geltungstrieb und die Ehrsucht ist ein gefundener Acker für die finanzielle Saat. Die sich als Besitzer oder Pächter mit gekauften Konzepten über die gastronomischen Gelegenheiten am touristischen Ereignishorizont hermachten.

Doch auch hier entstanden schnell Abhängigkeiten von Brauereien, Verpächtern, Geldleihern und den Großmärkten. Großmärkte spielten sich gewitzt schnell zum Ideengeber der Wirte auf. Eine fatale Entwicklung für die Masse der dazu zu wenig bis ungebildeten Menschen, die mit der sehr teuren Bequemlichkeitsküche ins Blaue wirtschafteten.

Letzte Rettung waren vor einigen Jahren die Gründung von Wirte Werbegemeinschaften. Fischwirte und Wildwirte und Regions — Genossen Wirte, Alles zum Halben Preiswirte usw… Unter den klingendsten Namen mit viel Geld Einsatz versucht man Wirbel zu machen und den gelangweilten aber werbetauben Gast zu fesseln. Keine dieser Webeaktionen garantiert etwas handfestes , das ja auch kaum wer von den Teilnehmern bieten kann: Rundum handfeste Qualität.

Auch hier ist wieder die Apparatschaft von Kammerfunktionären und Lebensmittelindustrie als Hinderer dabei. Auftau, auspack und Aufheizküchen mit teurer Technik. Harte Bedingungen bei Hygiene. Selbst in Gaststätten mit edlen Gütesiegen wird man stets mit gepfuschten Fertiggerichten abgefertigt. Die Schummelküche regiert den Gaumen und kann die gebildeten Esser nicht zufriedenstellen. Die Abhängigkeit vom C&C rächt sich.

Das kleine Wirtshaus stirbt an der Überforderung welche der Markt auf es wirken lässt. Der Wunsch nach ständiger Verfügbarkeit aus dem Lager des Weltmarkts. Die Verführer dazu sind keine anderen als die Spitzen — Gastronomen und Köche welche aus den sehr wertvoll gestalteten Informations Zeitschriften dieser Organisationen zu den schundigsten Produkten ihren Kotau machen, die Wirte zu animieren den Mist nach zu machen und die Hand dafür aufhalten, damit sie ihre eigenen überzüchteten Operationen erhalten können. Man bedauert den Wirt, aber suggeriert ihm Wünsche die keiner hat und Speisen und Getränke welche niemand mehr braucht.