Hi, Prof. Prütting!

Prof. Dr. Jens Prütting, LL.M.oec. (Köln), Juniorprofessor an der Bucerius Law School

Hi Prof. Prütting, bitte stellen Sie sich doch kurz vor.

Hallo, ich bin Juniorprofessor an der Bucerius Law School und seit Mitte des Jahres 2015 Teil dieser Hochschulgemeinde. Studiert und promoviert habe ich in Köln und bin zur Habilitation nach Heidelberg zu Prof. Dr. Marc-Philippe Weller gegangen. Im Kern forsche und lehre ich im Bereich des Zivil-, Gesellschafts- und Medizinrechts. Rechtswissenschaft ist für mich allerdings weit mehr als ein Beruf; es ist pure Leidenschaft! Und ich kann mir offen gestanden keine schönere und abwechslungsreichere Stelle als die des Professors denken, um dieser Leidenschaft nachzugehen.

Was genau fällt alles unter „das Zivilrecht“ und warum sollte man gerade das studieren wollen? (Anmerkung: drei der sechs Klausuren des ersten Staatsexamens werden im Zivilrecht geschrieben!)

Vom Studium erfasst sind freilich alle zentralen Kernbereiche des Rechts. Das Zivilrecht hat allerdings ein paar schöne Seiten, die vielleicht nicht überall sonst gleichermaßen anzutreffen sind. Es handelt im Kern von der Regelung des privaten menschlichen Zusammenlebens und schon das BGB (bürgerliches Gesetzbuch) scheint in gewisser Hinsicht die Lebensgeschichte des Menschen nachzuerzählen. So finden Sie zu Beginn Geburt/Rechtsfähigkeit, gefolgt vom Heranwachsen und der Geschäftsfähigkeit mit allgemeinen Regeln dazu, wie ein Rechtsgeschäft wie etwa der Kauf des täglich Brots zustande kommt. Dann folgen Normen über Durchführung und Beendigung von Rechtsgeschäften und eine Sammlung der speziellen Möglichkeiten, die Sie in ihrem Alltag brauchen (Kauf, Schenkung, Miete, Leihe etc.). Gleichermaßen erzählt ihnen das BGB, wie Zufallsbegegnungen zwischen Menschen geregelt werden sollen, die keine rechtsgeschäftliche Beziehung miteinander haben, was sicherlich beim simplen Ärgernis eines Streits in der Straßenbahn beginnt und ohne Weiteres in komplexen Verfahren um die Haftung von großen Automobilkonzernen enden kann. Folgen Sie der Spur weiter, erklärt ihnen das BGB, was sie alles besitzen und zu Eigentum haben können und schließlich wie sie sich verloben, heiraten, Kinder kriegen und sich scheiden lassen, um schließlich im Erbrecht ihren Nachlass geregelt zu sehen. Bis auf ein paar Ausnahmen sollte sich hier nahezu jeder an zahlreichen Stellen wiederfinden können.

Das Zivilrecht liegt dem Studierenden und auch dem Rechtspraktiker mithin sehr nah und behandelt die zentralen Fragen, mit denen wir alle zu kämpfen haben. Zugleich ist es aber auch eines der bewundernswertesten Systeme zur Koordination und Kooperation, die ich persönlich je gesehen habe. Es zu lesen und zu verstehen, macht einfach Spaß!

Ihre Vorlesungen sind stets gut gefüllt und es „wird jeder wach“, so der Konsens unter den Studierenden. Was macht Ihnen an der Lehre hier so viel Spaß?

Ich habe hier sehr motivierte Studentinnen und Studenten. Wir diskutieren leidenschaftlich miteinander und es gibt immer genug Personen im Saal, bei denen ich deutlich das Gefühl habe, dass meine Leidenschaft fürs Fach weitergegeben werden kann. Das wiederum trifft optimal meine Philosophie beim Lehren: Gibt es nur eine einzige Person, die wirklich ernsthaft und ehrlich nach meiner Veranstaltung sagt, dass die Sache sie weitergebracht hat, dann hat es sich bereits sehr gelohnt. Sie müssen das richtig verstehen. Die Lehre ist der ultimative Ausdruck der Liebe zum eigenen Fach. Kann ich Wissen an die nächste Generation weitergeben, so kann ich integrativer Bestandteil einer Wissenschaft werden, die ich persönlich verehre. Juristinnen und Juristen, die nach mir kommen und bei mir gelernt haben, werden sich dann vielleicht in der Zukunft an der ein und anderen Stelle daran erinnern, dass die Fähigkeiten, die sie hier erworben haben, ihnen die Möglichkeit bieten, eines der bestfunktionierenden juristischen Systeme der Welt zu pflegen, fortzuentwickeln und diesem auch den gebotenen Respekt entgegenzubringen, was unmittelbar Hand in Hand mit Respekt vor den Mitmenschen und deren Rechten und Bedürfnissen einhergeht.

Auf der anderen Seite lerne ich auch in jeder einzelnen Vorlesung von meinen Studierenden. Jeder gute Gedanke und jede Diskussion bringt mich weiter und ich nehme die Gedanken meiner Studierenden sehr ernst und denke häufig nach meinen Veranstaltungen darüber nach oder schreibe einen wissenschaftlichen Beitrag, wenn ich Bedarf für nähere Erörterung sehe.

Für wen ist ein Jurastudium an der Bucerius Law School genau das Richtige?

Man sollte mehrere Aspekte deutlich bei sich selbst bemerken. Kann man ehrlich und aufrichtig der Rechtswissenschaft Interesse entgegenbringen und ist man bereit, hierfür auch hart zu arbeiten, dann ist das ein gutes Zeichen. Man sollte gleichermaßen ehrlich mit sich sein und Jura nicht nur deshalb an der Bucerius Law School studieren wollen, um später schlicht die größtmögliche Menge an Geld verdienen zu können. Seit ich an der Law School bin, ist mir mit Blick auf viele Dinge klargeworden, dass wir hier Charakterzüge wie eine offene Geisteshaltung, Sinn für Hilfe von Personen, die weniger Glück hatten als wir, und den Blick über den Tellerrand sowie ein ausgeprägtes Interesse für unsere Umwelt extrem schätzen. Wir schätzen harte Arbeit, geradlinige Forschung und Initiative, sei es im Studium oder im Privatleben. Unsere Studierenden muss man generell nicht dazu auffordern, eine schöne Aktion zu starten, wenn etwa ein Mitglied des Lehrkörpers daran denkt, die Hochschule zu wechseln. Die Studierenden denken sich dann in Eigeninitiative geniale Dinge aus, die mich nun schon wiederholt verblüfft haben.

Ich glaube nicht, dass es „den“ Law School — Studierenden gibt. Wir sind hier sehr bunt aufgestellt, was ich sehr schätze. Ich glaube vielmehr, dass die hier anzutreffende Gemeinschaft von jedem erwartet, ihre oder seine Besonderheit miteinzubringen, um den Gesamtkreis zu bereichern. Wer sich im Wunsch, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein, wiederfinden kann, der ist hier sicherlich nicht fehl am Platz.

Beschreiben Sie die Bucerius Law School mal in drei Worten.

Innovativ, weltoffen, leistungsstark.


Das Interview führte Hanna Jacobsohn

Wenn ihr diese Geschichte interessant fandet, dann warten aufhttp://www.lawsome.hamburg/ noch mehr auf euch!