
Was ist meine Begabung? Wie kann ich mich einbringen?
1Kor 12, 4–11
4Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.
Liebe Gemeinde,
oft begegnen sie mir die Menschen mittleren Alters oder älter, die sagen: „Ach eigentlich wäre ich lieber Landwirt geworden.Aber die Zeiten damals, mein Vater wollte halt, dass ich Anwalt werde. Das war einfach klar.“
Oder: „Ich wusste ja selbst nicht was ich wollte, und da hab ich die Lehrstelle gefunden und bin da irgendwie hängen geblieben.“
Manchmal war den Menschen gar nicht klar, was sie wollten, der Weg von außen vorgegeben oder die Begabungen noch nicht sichtbar, als sie jung waren. Vielleicht haben die Eltern auch gemeint Begabungen besser einzuschätzen, als der junge Mensch, es gab zudem nicht genug Platz für Individualität, die Familie war wichtiger . Oder selbst wenn alles passte, gab es einfach keine Möglichkeit genau hierfür einen Beruf zu finden.
Zum Glück haben viele dieser Menschen trotzdem ihren Frieden gefunden, leben ihre damals oder später gefunden Leidenschaften und Begabungen in Ehrenamt, Hobby oder Nebenjob aus. Und schaffen es trotzdem eine gute Arbeit umzusetzen, auch wenn es nicht so ganz ihren Begabungen entspricht.
Aber nicht alle finden ihren Frieden. Da gibt es viele, die getrieben sind, merken, dass sie falsch sind an ihrem Platz, dass die Arbeit sie überfordert, nicht nur weil alles schneller gehen muss, sondern die Aufgaben einfach nicht zu ihnen passen.
Sie haben eben nicht den Weg gefunden, ihre Gaben privat auszuleben, sodass der Beruf nicht die ganze Begabungs-Existenz ausmacht.
Das alles gilt natürlich nicht nur für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, auch junge Menschen sind auf der Suche, bei all den Möglichkeiten, die es gibt oder eben auch nicht gibt. Und dann muss man sich ja selbst auch noch kennen.
Wenn Sie das hören und in sich hineinhorchen, kommt Ihnen vielleicht auch direkt eine Idee zu ihren Gaben und den aktuellen Möglichkeiten sie einzusetzen?
Für mich geht es, wenn ich den Text lese, nicht nur um den Einsatz der Gabe in der Gemeinde, sondern im Leben generell. Denn Gottes Reich hört nicht an den Gemeindetüren auf.
Der Weg sich mit dem Thema Gaben und Begabungen auseinanderzusetzen ist nicht so einfach. Gerade der heutige Bibeltext zeigt auch die Schwierigkeiten, die wir auf dem Weg haben unsere Gaben einzusetzen.
Die Gaben und Ämter sind unterschiedlich, divers und trotzdem ist keine besser und schlechter. Wir jedoch neigen dazu alles zu bewerten. Gesellschaftlich manche Berufe besser zu stellen als andere. Wir teilen nicht nur in Ämter und Hierarchien auf sondern dann auch in ein „oben und unten“.
Das kann uns unfrei machen in unserer Entscheidung. Mancher Status ist angesehener als ein anderer.
So traf ich einmal einen Unternehmer- -Sohn welcher lange dafür innerlich und äußerlich kämpfe einfach „nur“ ein Automechaniker sein zu dürfen. Über Jahre hinweg war ja schließlich klar, dass er studieren sollte. Und der Anwalt, der Landwirt werden wollte, hatte dieses erst spät erkannt, da war er bereits verantwortlich für eine große Familie. Ihn hatte das Hierarchie- und Standesdenken des Vaters zur Berufswahl geführt.
Oder der Individualisierungsdruck wird immer stärker. Man muss seinen Träumen folgen, ein schlichtes Leben ist ja gar nicht möglich. Überall werden Seminare angeboten. Die Medien suggerieren geradezu einen „Berufungsdruck“.
Ich für mich lese gerade aus diesem Text und der Bibel heraus, dass Gott das ganze Vergleichen nicht interessiert. Gott verteilt die Gaben ohne besser oder schlechter, wertvoller oder beliebter.
Er teilt uns die Gaben zu. Manchmal passt uns das vielleicht gar nicht. Dann ist es gar nicht so sehr das Äußere was uns abhält, sondern eher ein Widerstand in uns, oder mangelndes Vertrauen neue Wege zu gehen.
Es gibt kein schnelles Rezept. Aber eines erscheint mir glasklar. Gott hat jeden von uns, von Geburt an, im Blick. Er kennt uns und schenkt uns eine einzigartige Begabung. Und diese soll nicht verkümmern, nein, sie soll zum Einsatz kommen. Sie darf mutig ausgelebt werden. Und was ganz wichtig ist- zum Nutzen aller.
Das ist wohl die letzte Hürde. Da hat man seine Begabung gefunden, alles passt- aber man setzt es eben nicht zum Nutzen aller ein, sondern vielleicht egoistisch. Oder eben nur für andere und nicht für sich selbst.
Auch diese Menschen begegnen mir, die eigentlich das „Richtige“ gefunden und angenommen haben, aber vom Weg abkommen und falschen Profit daraus schlagen oder sich nur noch für andere verausgaben und dadurch immer mehr leiden.
Wo auch immer Sie gerade stehen… ob Sie Ihre Gabe schon erkannt haben, oder noch auf der Suche sind. Ob Sie Einsatz-Möglichkeiten gefunden haben oder noch mit dem Balancieren beschäftigt sind.
Gott lädt uns ein ihm zu vertrauen, zu ihm zu beten. Er verspricht, dass er jeden von uns im Blick hat und für jeden von uns eine besondere Gabe bereitgestellt hat. Gott hat unsere Gabe bereits festgelegt. Und es ist nie zu spät Gott um Hinweise durch den Heiligen Geist zu bitten.
Manchmal stellen wir vielleicht sogar fest, dass wir eigentlich schon die ganze Zeit am richtigen Platz sind und dieses nur von uns erkannt und wertgeschätzt werden soll. Und wir brauchen dazu die Hilfe anderer, die ohne blinden Fleck, unsere Stärken sehen können.
Und noch mal, es ist nie zu spät. Gott kann helfen unsere Gaben im Hier und jetzt zu nutzen ohne aufwendige Wegkorrekturen vorzunehmen.
So erging es auch dem Anwalt, der eigentlich Bauer sein wollte, Er setzt nun seine Begabung ehrenamtlich ein. Er übernimmt Mandate für indische Bauern, die sich allein nicht zur Wehr setzen können.
Amen
