#smarterphone

Der Dirk von Gehlen hat mich gefragt, ob ich sein Blogstöckchen fange, dass er erfreulicherweise nicht Blogparade genannt hat. Kann ich ja endlich mal was Medium schreiben, dachte ich, weil dann ist es auch gleich ein Experiment. Also für mich. (Okay, circa. zehn Jahre zu spät)

Name: Caspar Clemens Mierau

verbringt seinen Tag als… DevOp* bei Tag, Blogger/Podcaster/Dissertationsverzweifler bei Nacht.

*Menschen, die vielen Computern Befehle erteilen.

nutzt ein: iPhone X

Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Deinem Smartphone beschreiben?
Freundschaft mit Extras. Aber Spaß beiseite: Es ist ein beeindruckendes Arbeits- und Kommunikationsgerät und manchmal muss ich dran denken, wie fasziniert wir von Kommunikatoren bei Star Trek waren, deren Funktionsweise (Telefonieren und Lokalisieren) heute bestenfalls als Retrophone durchgingen. Notfalls kann ich mit dem Smartphone komplett arbeiten — Server verwalten, VPN-Verbindungen aufbauen, Rechnungen schreiben, Faxe verschicken, Bilder bearbeiten, bloggen.

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten? (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)
Laut Batterie-Nutzung der letzten Tage: Twitter, Mail, Fotos/Kamera, Audible, Kindle, Instagram. Wenn es nicht nach dem Batterieverbrauch sondern der reinen Nutzung geht, ist wahrscheinlich Audible die am meisten genutzte App, da ich pro Tag während Rad-, Auto- und Bahnfahrten durchschnittlich eine Stunde Hörbuch höre.

Welche App/Funktion magst/nutzt du gar nicht?
Telefonieren. Wirklich: gar nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Ich habe schon mal überlegt, mir statt eines iPhones einen iPod zu holen, damit ich eine Ausrede habe, nicht mehr anrufbar zu sein. Gibt es überhaupt noch iPods?

Arbeit und Handy — wie regelst du das?
Ich mache da keinen Unterschied. Ich habe das Telefon auf dem Tisch und benutze es, wenn ich will. Sollte ich einen Anruf bekommen, benutze ich Apple Airpods, mit denen man relativ leise und sich frei bewegend telefonieren und zugleich herrlich blöd aussehen kann.

Welche Notification hast du eingeschaltet?

iMessage, Whatsapp, Slack — nur Benachrichtigungen über direkte Unterhaltungen mit Personen.

Warum?

Ich hatte jahrelang all features on und auch meine Apple Watch vibrierte am laufenden Band. Das war ein Fehler, denn ich habe ständig nachgesehen, Notifications durchgescrollt, was das nun gerade wieder war, nur um festzustellen, dass es bei Super Mario jetzt gerade 10 Goldcoins umsonst gibt und Foodora findet, ich könnte am Freitagabend doch mal wieder was bestellen. Trotzdem fand ich die generelle Verteufelung von Smartphones falsch und habe nach einem für mich passenden Weg gesucht. Irgendwo las ich den Tipp, man solle Notifications nur noch Personen erlauben, die direkt mit einem kommunizieren. Keine Notifications für Algorithmen. Das klingt ein wenig schrullig, funktioniert aber für mich sehr gut. Wobei ich ein wenig herumexperimentieren musste mit den Apps, denen ich das zugestehe. Da ich im Facebook Messenger zum Beispiel auch viele Kontaktanfragen von eher Außenstehenden habe, möchte ich diese nicht als Push Nachricht bekommen. Gleiches gilt für Twitter- und Instagram-Direktnachrichten. Nicht immer ist die Unterscheidung ganz einfach und manchmal bitte ich Personen, den Kanal zu wechseln, damit ich ab dann zeitnaher mit ihnen in Kontakt stehe.

Entsprechend habe ich jetzt eine Routine, in der ich Apps, die keine Notifications mehr haben, regelmäßig öffne und nachsehe. Das gilt insbesondere für E-Mails, Twitter und Instagram. Auch das kostet Zeit, aber insgesamt verbringe ich weniger Zeit damit, sinnlos auf überflüssige Notifications zu reagieren. Alle wichtigen Apps habe ich auf meinem Homescreen gesammelt. Für alle anderen Apps gilt: Zugang über die Suchfunktion. Das mache ich am Rechner ähnlich und es verhindert, dass man ständig Bildschirme wechselt und überrascht noch hier und da abbiegt.

Es ist situationsabhängig nicht immer perfekt. Wenn ich zum Beispiel in einer Situation bin, in der man sein Telefon recht wenig nutzen sollte (Workshop Gespräch mit Freunden), aber eine Mail erwarte, für die ich eigentlich keine Notifications habe, fummle ich doch wieder regelmäßig am Telefon rum. Ich wünsche mir eigentlich „Notification-Sets“, in denen ich je nach Situation auswählen kann, welche Apps oder auch Kontakte mich erreichen können.

Hältst Du Dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?

Ich pflege mein schlechtes Gewissen, wenn ich bei einem Essen oder Gespräch kurz die Benachrichtigungen prüfe und das obligatorische Essensfoto mache.

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?

Jegliche Versuche, mich selbst zu maßregeln.

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?

Früher hatten wir Papierrollen an den Wohnungstüren, damit man eine Nachricht hinterlassen konnte, wenn man überraschend zu Besuch kam aber niemand da war. Klingt romantisch, war aber auch ein bisschen blöd.